Hilfemöglichkeiten

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

Moderator: Elfa

Sonnenblume
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Hilfemöglichkeiten

Beitragvon Sonnenblume » 31.05.2013, 10:00

Hier mal einige Methoden, die mir bisher einfielen. Die Liste darf erweitert werden!
Jeder, der eine wirksame Hilfe weiß darf diese hier schildern. Gut wäre auch, wenn zu den einzelnen Methoden noch viele Erfahrungsberichte kommen, vor allem WIE eine solche ganz konkret abläuft, so, dass es einem Betroffenen Mut macht an sich zu arbeiten und er/sie die Geeignetste für sich findet.
Sollte es Hilfsmethoden geben, die recht kostenaufwändig sind oder keine Kassenleistung, gehört ein solcher Hinweis natürlich auch dazu.
Vielleicht ist es angebracht, zu mancher Methode ein extra-Thema zu öffnen, wenn es zu umfangreich wird.

1 Logopädie/ Sprachtherapie


-geeignet für Kinder im Vorschulalter
-Vorteil: kann meist in den Kita's durchgeführt werden
Kind gerät so weniger in eine Sonderstellung,
da mehrere Kinder wegen eines Problems behandelt werden
und es gibt keine aufwendigen Fahrzeiten,
erfordert jedoch sehr gute Kooperation Erzieher-Eltern- Therapeut
-Therapeuten müssen bereit sein, sich Fachkenntnisse anzueignen
-Sprachstörungen/ Sprachentwicklungsverzögerungen
können gleich mit therapiert werden
-als Ersttherapie nach Diagnose bei ältern Mutisten

1a nach Symut

1b nach Komut

1c nach DortmuT
zu 1a, b und c können von den Betroffenen Angaben gemacht werden
zum Ablauf und Therapieerfahrungen geschildert werden

2 Ergotherapie
ebenfalls geeignet für Vorschulkinder, event. auch in Kitas durchführbar
angezeigt für Kinder mit zusätzlichen Grob-oder Feinmotorik Störungen

2a Sensorische Integrationstherapie
in der Ergotherapie

– >ist die Grundlage von Bewegung, Sprache und Lernen
und der Schlüssel zu sinnvoller Handlung
Erfahrungsberichte sind auch hierzu erwünscht

3 Musiktherapie
sehr sinnvoll als Einstiegstherapie bei einem schon gefestigten Mutismus
oder auch bei Vorschulkindern im Rahmen der Frühförderung

4 Psychomotorik
angeraten zur Lockerung des ganzen Körpers,
da meist nicht nur die Sprache blockiert ist
beinhaltet sportliche Bewegungen, Sportspiele mit und ohne musikalischer Begleitung
wird seit vielen Jahren erfolgreich auch bei Mutismus angewendet

4a Mototherapie
wird durchgeführt nach psychomotorischem Ansatz,
auch hierzu sind Therapieabläufe-/erfahrungen erwünscht

5 Reittherapie

sehr hilfreich gerade auch bei angstbedingten Störungen
löst Blockaden verschiedenster Art
Therapeut sollte langjährige Erfahrung auf diesem
Gebiet haben und auch von psychischen Störungen

6 Teilstationäre/stationäre
Therapie

- sollte nicht bei zu jungen Kindern eingesetzt werden
ist schwierig, da mit längerer Trennung von Bezugspersonen verbunden
Vorteil: es können mehrere verschiedene Therapien an einem Ort stattfinden, der Betroffene lernt gleich mit mehreren Personen zu sprechen, bei entsprechendem
Willen/Mitarbeit des Betroffenem ist das Problem in einigen Wochen vergessen

7 Integrative Mutismustherapie
- neue Form der Mutismusbehandlung (Berichte erwünscht)

8 Systemische Familientherapie
- für ein betroffenes Kind sehr hilfreich, vor allem bei
familiären Spannungen und Problemen anderer
Familienmitglieder
gibt einem Kind das Gefühl, es ist kein Sorgenkind

8a Multifamilientherapie
- neue Form, Berichte, inwieweit auch bei Mutismus erfolgreich erwünscht!

9 Mutismusüberwindung
ohne Therapie

- Auch das ist möglich!
- Hierzu sind viele Erfahrungen von Exmutisten erwünscht
insbesondere: -wie sie es geschafft haben,
-wie das Umfeld dabei half (positive Verhaltensweisen)

10 Traumatherapie
wird seltener in Betracht gezogen, ist aber manchmal angebracht,
wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Betroffene
irgendwann in seinem Leben ein derartiges Erlebnis hatte

11 psychotherapeutische
Gesprächstherapie/Psychoanalyse

- bei Kindern nicht zu empfehlen
als Anschlusstherapie an z.B. eine Sprachtherapie möglich
angeraten und erfolgreich,wenn der Betroffene dies wünscht,
zur Verarbeitung von schwierigen Kindheitserlebnissen, geringem
Selbstbewusstsein, Ängsten, Depressionen und weiteren Folgestörungen des Mutismus
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

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Beitragvon Musikmuschel » 31.05.2013, 12:49

[/b]Atem- Sprech und Stimmtherapie

Text von der Website:
Wir arbeiten nach dem Konzept Schlaffhorst-Andersen über Atmung, Bewegung und Wahrnehmung an Stimme, Sprechen und Sprache und an der Regenerationsfähigkeit und der Entwicklung unserer Patienten und Patientinnen. Dieser Ansatz ist ganzheitlich, doch der Blick auf den einzelnen Menschen und die Wahl der Techniken und eingesetzten Methoden ist individuell.


Blockaden und Hemmung werden angesprochen über Haltung,Bewegung,Sprache und Stimme.

Von der Krankenkasse zugelassen.

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Beitragvon Koalabär » 31.05.2013, 13:12

vielen dank für die Aufstellung! also mich würde es vor allem interessieren, welche KONKRETEN Übungen in den einzelnen therapieformen (logo,symut/komkut/dortmut) gemacht werden!
z.b. berichten betroffen (Eltern) oft, dass die kinder alleine einkaufen müssen, oder telephonieren, oder im Restaurant bestellen. ja, das kann unser kind, aber spricht in der schule trotzdem nicht... was wäre denn dann die nächste stufe?
"Man kann von einem Mutisten ruhig 200% verlangen, damit er 100% schafft."

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Beitragvon Sonnenblume » 31.05.2013, 13:44

@Koalabär,
also zu Symut gehört ja auch so ein Therapievertrag, wo bestimmte Punkte festgelegt werden für das Sprechen in der Schule. Das sollte dann bei euch jetzt dran sein?
Inwieweit das auch bei den anderen genannten Methoden so ist ,weiß ich nicht.
Wäre schön, zu allen diesen Methoden könnte es eine tabellarische Erklärung geben, speziell, was diese genau unterscheidet.

Allerdings, so eine Art "Therapievertrag" hatte ich schon damals in Form eines kleinen "Muttiheftes" für das Sprechen in der Schule, da sollten die Lehrer Strichliste führen für jede gegebene Antwort.
War in den künstlerischen, gestalterischen Fächern schwieriger, weil es da nicht so viel zu Reden gibt.
LG,Heike
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Beitragvon Musikmuschel » 31.05.2013, 15:13

@koalabär:

Ich habe da gerade drübernachgedacht.Ich bin selber mutistisch und kenne das wenn manche Sachen gehen und andere wieder nicht.

Ich könnte mir vorstellen,dass eben diese Dinge wie etwas zu bestellen,alleine einkaufen,ans Telephon gehen leichter sind als in der Schule zu sprechen,weil das ja Sachen sind die mit wenigen Sätzen oder gleichen Verbunden sind und man nicht länger mit den Personen in Kontakt ist.

In der Schule ist da ja immer die ganze Klasse mit dabei wodurch man ja auch mehr gesehen wird als nur von "Durchgangspersonen".Man gewinnt da auf Dauer mehr Präsenz,die innerlich mit mehr Stress verbunden ist weil man sich dann mehr fordert.Dazu kommt Sachen bei denen man sich melden kann fordern nur manchmal eine knappe Antwort und ein anderes mal besteht die Antwort aus mehreren Sätzen,die man nicht so schnell zusammenfassen oder behalten kann und bei einer kurzen Antwort ist trotzdem da noch die Überwindung.

Wie man das durchbrechen kann?
Ich weiß es auch nicht so genau.Wie ist es denn zum telephonieren,ebstellen usw gekommen? Was hat dabei geholfen?
Sonst vielleicht Sachen die das Selbsbewusstsein stärken.

Viele Grüße,
Musikmuschel

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Beitragvon Koalabär » 31.05.2013, 21:39

es ist ganz von selber gekommen! wir haben noch keine therapie angefangen. (ich wollte diese Diskussion jetzt nicht highjacken, persönliches sollte ich vielleicht eher in einer eigenen Diskussion besprechen... die antwort auf meine frage ist mindestens teilweise mit dem therapievertrag gegeben worden.)
gibt es denn nach dem vertrag noch etwas anderes?
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Beitragvon Sonnenblume » 03.06.2013, 11:06

gibt es denn nach dem vertrag noch etwas anderes?


Dazu sollten doch einige antworten können, speziell auch zum Ablauf einer
"Symut-Therapie".

Zu 1c-nach DortMut
hier etwas :

http://www.henning-rosenkoetter.de/reso ... 011+LB.pdf

LG, Heike
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Beitragvon Sonnenblume » 08.06.2013, 11:39

12 Medikamente

- sollten nach Möglichkeit erst ab jugendlichem Alter in Betracht gezogen
werden
- möglichst in Begleitung einer anderen Therapie,
- die sogenannten SSRI-Medis zeigen ganz gute Wirkung gegen die Angst,
wirken auflockernd und stimmungsaufhellend (meine Erfahrung)
- sollten nicht über einen längeren Zeitraum genommen werden oder
mit Pausen
- fehlende Langzeiterfahrung!
( Erfahrungen anderer mit diesen Medis, insbesondere Nebenwirkungen,
können mitgeteilt werden)
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Beitragvon Exauster » 24.06.2013, 06:49

Von meiner tiefen Überzeugung ausgehend, dass an der Wurzel des Mutismus eine Angststörung liegt, möchte ich auf die kognitive Vehaltenstherapie hinweisen.

Angst und Panikgefühle sind körperliche Reaktionen, die durch Angst- und Panikgedanken ausgelöst werden. Wenn wir etwas als "lebensgefährlich" oder sehr sehr bedrohlich bewerten, dann reagiert der Körper - im Fall des Mutismus mit Verkrampfen, Leere im Kopf, Schweigen.

Zu Behandlung gehört Konfrontationstraining. Dabei geht es darum, dass sich Betroffene den Situationen stellen, vor denen sie Angst haben. Das
Ziel ist, dass sie dadurch erkennen, dass ihre Angst und Panik ungefährlich sind, dass das Befürchtete nicht eintritt (oder beherrschbar ist) und dass ihre Angst nachlässt, wenn sie sich der Angst stellen.

Ich habe zwar nie eine solche Therapie gemacht, erfuhr erst viel später, dass es das gibt, erkannte darin aber das wieder, was ich für mich selbst ausgeheckt und durchgeführt habe. Seither bin ich ein absoluter Fan davon - weil ich von mir selbst weiß, dass es funktioniert.

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Beitragvon MillysMum » 26.06.2013, 06:51

das ist eine tolle Liste! jetzt müßte man nur noch wissen, wo das alles durchgeführt wird

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Beitragvon Koalabär » 26.06.2013, 10:50

ok, dann füg ich mal AUTOSUGGESTION und HYPNOSE dazu.
allerdings mit vorbehalt, denn keine eigenen Erfahrungen. da aber Hypnose auch von ärzten angewandt wird gegen Ängste und schmerzen, könnte es EVENTUELL auch bei mutismus unterstützend wirken?
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Beitragvon Sonnenblume » 26.06.2013, 11:34

Diese Hilfen findet man hier:

- Sozial-Pädiatrische Zentren (in Großstädten)
- Frühförder-und Beratungsstellen der freien Träger (in kleineren Städten)
- Tageskliniken der KJP (Großstädte)
- Praxen für Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie (auch gut im ländlichen Bereich möglich)
- Praxen für Ergo - und Verhaltenstherapie (kombiniert)
- Mutismusspezifische Praxen (Therapeutenliste), hauptsächlich zu 1a,b,c
- integrative Kindertagesstätten und Schulen

Wichtig bei der Wahl der Therapiemöglichkeit sind neben dem Konzept und der Kompetenz
hautsächlich die Sympathie zu Therapeuten, heißt, das beste Konzept nützt wenig,
wenn die Chemie nicht stimmt.

Was hab ich noch vergessen?

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Beitragvon Sonnenblume » 26.06.2013, 11:38

Als mögliche Hilfen gibt es noch verschiedene Entspannungstechniken, wie:

- autogenes Training
- progressive Muskelentspannung, hierzu hab ich sogar eigene positive
Erfahrung
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Beitragvon Exauster » 27.06.2013, 05:22

Autosuggestion ist auch ein gutes Stichwort - das habe ich auch gemacht, mit Erfolg. Ich habe das mit Visualisieren kombiniert - also mir in Ruhe und alleine die schwierigen Situationen vorgestellt und dann verschiedene Möglichkeiten im Geist durchgespielt, wie ich es schaffen könnte.
Zu Hypnose kann ich nichts sagen, glaube aber, ein Mutist ist wegen seinem permanenten Anspannungszustandes nicht oder nur schwer hypnotisierbar.

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Beitragvon flohmaus » 27.06.2013, 10:35

Womit wir letztendlich bei Herrn Neffes Theorie sind, auch wenn dies hier immer keiner hören will :lol: .
Dazu gehört sicher eine gewisse Disziplin, aber Autosuggestion oder auch NLP (neurolinguistische Programmierung) kann viel bringen.

Mein Sohn macht in seiner Therapie unter anderem auch Hypnose. Das scheint auch zu funktionieren, wobei es letztendlich "nur" um eine totale Entspannung geht. Es wird nicht ein Zustand erreicht, wo derjenige danach von nichts mehr weiß. Aber dazu gehört natürlich eine gewisse Vertrauensbasis dem Therapeut gegenüber.


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