SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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Semper
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Semper » 12.11.2015, 19:14

Hoffnung hat geschrieben:
Noch ein paar Gedanken, wie man dem Kind das Laut-Sprechen "schmackhaft" machen kann. Man kann dem Kind ja sagen, dass die meisten Leute (also Fremde), wenn sie flüstert, denken werden: Das Kind ist krank und ist so heiser, dass es nicht laut sprechen kann - das wird sie doch nicht wollen, dass die Leute sie für krank halten.


Klingt, finde ich, nach einer nahezu perfekten Anleitung, um Mutisten noch mutistischer zu machen. Wenn man so etwas zu mir gesagt hätte, hätte man damit garantiert Erfolg gehabt. Mit etwas Ähnlichem hatte man es..



Bzgl eines Vernunftappells an Kinder... Kinder sind keine "kleinen Erwachsenen". Intelligenz ist keineswegs mit geistiger Reife gleichzusetzen und Kinder verfügen im Normalfall nicht über die nötige Reflexivität in ihrem Denken, um in der gewünschten Weise auf so etwas reagieren zu können.

1998
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon 1998 » 12.11.2015, 20:07

Hallo,

ich kann mich Semper nur anschließen.

Ein mutistiches Kind, welches sich (noch) nicht traut seine Lautsprache laut zu nutzen, sollte keinesfalls "krank" geredet werden. Was geht in einem Kind vor, deren größte Anstrengung bereits darin liegt, zu flüstern - und dem daraufhin mitgeteilt wird, andere Menschen würden es für krank halten, wenn es weiterhin flüstert?
Nur weil das Kind nach außen hin locker wirken mag, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich in diese "Position" einnistet. Jeder braucht seine individuelle Zeit.

Mutismus lässt sich nicht "wegsprechen", indem man sagt, andere halten jenen für krank, wenn es nicht so spricht, wie die anderen Menschen. Das Kind verliert seinen halt - und die Bindung zur Familie kann schneller - meist aber verdeckt - in die Brüche gehen, als man im Kindergarten - und Schulalter vermuten mag. Denn ein Mutist würde niemals sagen, wie sehr ihn etwas verletzt, er wird schweigend seinen Dienst leisten und seine aufkommenden Gefühle (wahren Gefühle) ignorieren müssen, bis sie eines Tages übermannent sind und die vermeintliche Heilung zurückschlägt. Dann ist das selektiv mutistische Kind "krank". Und wer wird schuld sein? - der Mutist. Da niemand verstand, wie wichtig akzeptanz ist.

Ich finde es allgemein fatal, einem mutistischen Kind keinen Raum mehr zu lassen, sich selbst zu entwickeln und sich selbst zu finden.
F84.5, F94.0

Hoffnung
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Hoffnung » 12.11.2015, 20:29

Ich halte es nicht für "ein mutistisches Kind krank reden", wenn man ihm sagt, dass manche Leute bei einem Kind, das nur flüstert, denken, es ist stark erkältet und so heiser, dass es nur flüstern kann - das Kind wird diese Erfahrung ja selbst schon gemacht haben, wenn Familienmitglieder stark erkältet waren. Ich halte es für "ein mutistisches Kind krank reden", wenn man ihm die Definition von Mutismus klar macht und ihm sagt, dass es eine Krankheit hat, durch die es in manchen Situationen unfähig ist, zu sprechen.
Erkältet sein ist ja nicht so schlimm - aber ich glaube von mir, dass es mir als Kind trotzdem nicht recht gewesen wäre, wenn man mich ständig für erkältet hält - vorausgesetzt, dass ich da schon grundsätzlich auf dem Weg raus aus dem Mutismus gewesen wäre - dann wäre das meiner Ansicht nach ein Grund gewesen, doch das laut Sprechen zu wagen.

Ich stimme absolut zu, dass ein Mutist niemals sagen wird, wenn er durch etwas verletzt worden ist - ich habe da auch nichts gesagt - aber ich bin durch nichts so sehr verletzt worden wie durch das Viele - Jahre - lang - im Mutismus verharren - und durch all die furchtbaren Reaktionen, die das Schweigen ausgelöst hat. Deshalb bin ich ja so sehr dafür, dass man einem mutistischen Kind all das Furchtbare erspart, indem man alles daransetzt, es rasch aus dem Mutismus raus und ins ganz normal Sprechen reinzubringen.

Ich bin auch absolut dafür, einem Kind Raum zu geben, sich selbst zu finden und sich selbst zu entwickeln - aber das kann es nur richtig, wenn es den Mutismus vollständig und rasch überwunden hat - Rasch nicht durch Zwang - sondern rasch, weil man ihm die Vorteile des Redens so nahebringt, dass es sich grundsätzlich dafür entscheiden kann, aus dem Schweigen rauszukommen. Nachdem es das Schweigen überwunden hat, kann man das Kind dann ruhig seine introvertierte Art beibehalten lassen - es so sein lassen, wie es für das Kind richtig ist . Also ich finde, dass introvertiert sein super ist - aber mutistisch sein ein Horror - und da darf man einem Kind keinesfalls Zeit und Raum lassen, bis es irgendwann vielleicht von selbst aus dem Mutismus rauskommen will - oder vielleicht auch nicht.

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon martina_m_b » 13.11.2015, 17:32

Danke euch allen für die Anregungen,

ich glaube es gehr wirklich darum nicht aufzufallen, andererseits ist aber ein natürliches Mitteilungsbedürfnis verbunden mit Stolzgefühle, wenn etwas erreicht wurde. Ich habe mir auch einige Tricks überlegt, nur ich habe Angst, sie anzuwenden, da ich nicht weiß, ob es nicht schlimmer wird oder das Schweigen bewußter wird. Mich wundert es, warum diese Störung hauptsächlich mit Sprachtherapie therapiert wurde. Es wird nicht nach dem Grund gesucht, warum man eine Sprechangst hat, sondern durch Mutmachen eine Überwindung gestrebt. Schließlich geht es nicht darum, jemandem durch Tricks Spinat schmakhaft zu machen, weil er gesund ist. Ich denke, dass die Psyche involviert ist und wenn man das Mutismus überwindet, dann andere Probleme kommen. Ich weiß, dass Mutismus nicht als Bindungsstörung gilt, habe aber auch gehört, dass auch möglicher Grund wäre.Für ein sehr sensibles Kind kann eine übermäßige Trennungsangst bei Kindergartenbeginn schon genug sein um unbewusst einen Schutzmechanismus wie Schweigen auszulösen.
Ich finde auch der Grad zwischen Druck machen und Verfestigubg bzw. Vorzugsstellung wg. des Mutismus sehr schmal und individuell. Woher weiß ich, ob das Flüstern einen großen Schritt in Richtung Öffnung und Kommunikation ist oder einfach eine Verfestigungbzw. Abwandlung des Mutismus. Wenn es das erste ist hat die Therapie eine Zukunft, wenn es das Zweite ist eher weniger. Daher haben mich diese 20 Std. Rahmen für lautsprachliche Äußerungen in die SRMT sehr besorgt. Es ist für mich auch nicht klar, ob hier nur die Therapeutin gemeint ist oder auch die Umfeld. Andererseits wundert mich, dass die Therapeutin alles so locker sieht.
Wir dürfen zuhause vor ihr nicht darüber sprechen. Sie blockt meistens eher ab. Wieso kann man sogar mit seiner Mutter nicht darüber reden? Wenn man viel Vertrauen und Sicherheit hat, warum kann man sich nicht seiner Mutter anvertrauen. Meine Tochter sagt sie wäre noch klein.Das ist ihre Ausrede, weil sie sonst sich nicht erklären kann, warum das nicht klappt. Ich habe auch überlegt mit ihr vernünftig darüber u sprechen, aber ich weiß nicht ob es was bringt.

Ich werde ein paar Sachen vorsichtig versuchen, mal schauen.Vielleicht kann ich sie überzeugen, wenigstens in der Therapie laut zu reden.

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Hoffnung » 13.11.2015, 18:15

Meine Ansicht ist, dass nach dem Grund für das Entstehen des Mutismus zu suchen, nichts bringt im Hinblick auf die Bewältigung des Mutismus. Wenn der Mutismus sich einmal manifestiert hat, ist nicht der Grund, weshalb er einmal entstanden ist, Grund für das Aufrechterhalten des Schweigens, sondern es gibt da eine Eigendynamik, das Schweigen hat sich verselbständigt. Mutismustherapie muss zukunftsbezogen sein, und es geht da wirklich um das Reden, also nicht so sehr um Ängstlichkeit sondern um den Grund, warum man sich der Angst stellen will - in jeder einzelnen Situation - man muss es so empfinden, dass jede einzelne Situation "es wert ist, dafür zu zu reden" - also nicht weil man dann vielleicht ein Geschenk kriegt, weil man "so schön geredet hat" - sondern weil das, was man in der einzelnen Situation erreicht hat, stolz macht. Und ich sehe es so, dass man da von einem mutistischen Kind durchaus MEHR erwarten kann, als von einem nicht mutistischen Kind - dass also mutistische Kinder es durchaus schaffen können, etwas zu leisten, was ein anderes gleichaltriges Kind noch nicht schafft. Das Kind muss nur motiviert und darin gestärkt werden, dass es das schaffen kann - alle müssen 200 %ig davon überzeugt sein, dass das Kind das locker schafft...... aber der unbedingte Wille, es zu schaffen, muss letztlich vom Kind selbst ausgehen - man kann nur daran arbeiten, dass dieser Wille im Kind entsteht - man kann das mutistische Kind zu nichts zwingen!

Mutismus ist schwer zu verstehen und schwer zu erklären - also man kann von einem 4jährigen Kind nicht erwarten, dass es das genau erklären kann, warum es nicht antwortet, wenn es angesprochen wird - was da im Innneren passiert. Es ist, als ob man durch eine Mauer von dem getrennt ist, was "Redesituation" ist - bzw. ist die Redesituation gar keine, weil das Schweigen so fixiert ist, dass es da keine "Ausnahme" geben kann. Diese Mauer kann man nur durchbrechen, indem abseits von der konkreten Situation eine enorme Motivation aufgebaut wird, diese Mauer nicht mehr zuzulassen, diese Mauer so oft zu durchbrechen, bis sie sich nicht mehr bildet, weil sie "überflüssig" geworden ist. Je schneller dieser Zustand erreicht wird, umso besser. Ich stimme da der Aussage des Mutismusexperten Hartmann "Mutismus verträgt keine Zeit" voll zu.
Zuletzt geändert von Hoffnung am 13.11.2015, 18:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Schlusi » 13.11.2015, 18:16

Martina, das sind sehr gute Gedanken, die Du da hast.
Ich finde auch der Grad zwischen Druck machen und Verfestigubg bzw. Vorzugsstellung wg. des Mutismus sehr schmal und individuell.

Ganz genau, dem kann ich nur voll zustimmen.

Schließlich geht es nicht darum, jemandem durch Tricks Spinat schmakhaft zu machen, weil er gesund ist. Ich denke, dass die Psyche involviert ist und wenn man das Mutismus überwindet, dann andere Probleme kommen.

Ja, so war es bei unserer Tochter. Nun ist unsere Tochter ja auch Asperger-diagnostiziert. Deshalb bin ich da vorsichtig. Ein "nur" mutistisches Kind ist damit nicht zu vergleichen. Aber wenn Du auf solche Gedanken kommst, dass dahinter noch andere Probleme stecken könnten bzw. dieses Gefühl auch bei Deiner Tochter hast, dann finde ich, dass Du das auch ernst nehmen musst. Aber nicht so, dass Du jetzt darüber besorgt bist, sondern einfach es nutzen, dass Du diese Gedanken im Hinterkopf hast und dementsprechend aufmerksam bist.

Andererseits wundert mich, dass die Therapeutin alles so locker sieht.
Wir dürfen zuhause vor ihr nicht darüber sprechen. Sie blockt meistens eher ab. Wieso kann man sogar mit seiner Mutter nicht darüber reden? Wenn man viel Vertrauen und Sicherheit hat, warum kann man sich nicht seiner Mutter anvertrauen. Meine Tochter sagt sie wäre noch klein.Das ist ihre Ausrede, weil sie sonst sich nicht erklären kann, warum das nicht klappt. Ich habe auch überlegt mit ihr vernünftig darüber u sprechen, aber ich weiß nicht ob es was bringt.

Auch das sind berechtigte Gedanken. Leider kann man sich die Therapeuten nicht so schnitzen, wie man sie haben will. Es ist ganz klar, dass einem Dinge auffallen, die man nicht gut und nicht passend findet. Damit musst Du irgendwie umgehen. Wichtig dabei ist, dass es Deine Tochter nicht am Fortkommen hindert. Das heißt, dass Du besser schon voll und ganz hinter der weiteren Therapie stehen solltest, denn es hilft ja Deiner Tochter.

Ich werde ein paar Sachen vorsichtig versuchen, mal schauen.Vielleicht kann ich sie überzeugen, wenigstens in der Therapie laut zu reden.

Ja, so finde ich das gut. Du lenkst den Blick daneben auch wieder auf das, was Du tun kannst, was Dir so einfällt. Arbeitest auf Deine Weise mit Deiner Tochter. Die Therapeutin bewirkt ja etwas und darauf kann man seinen Blick wenden und seinerseits schauen ob und wie man die Veränderungen im Verhalten des mutistischen Kindes aufgreifen kann und seinerseits damit arbeiten kann. Lass die Therapeutin einfach machen. Es ist vielleicht auch zu viel zu reden, wenn sie sich jetzt mit Dir als Mutter und allem drumherum auch noch beschäftigt. Ich würde das deshalb einfach so stehen lassen.

Schlusi :)
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon martina_m_b » 13.11.2015, 20:41

@ Hoffnung
Es ist wahrscheinlich nicht das Gleiche, aber wenn ich manchmal mich nicht traue etwas zu sagen, dann, weil ich Angst habe vor z.B. etwas Falsches zu sagen, aufzufallen, etc. Wenn du sagst, der Grund spielt keine Rolle, woher kommt diese "Mauer"? Ich vestehe die Mauer auch symbolisch als Schutzmechanismus. Ich meine, wenn man Hallo, Tschüß und seinen Namen sagt, kann man weder was Falsches sagen noch auffallen und trotzdem trauen sich die Mutisten das nicht. Oder ist das wie eine Art Konditionierung zu verstehen? Und irgendeinen positiven subjektiven Nutzen muss das Schweigen für den Mutist haben, sonst würde er es nicht machen. Verzeih mir die komischen Fragen, ich würde mich gerne besser an ihrer Stelle versetzen könnnen.

@Schlusi
Da hast du Recht, man muss aufmerksam beobachten, ob nicht andere Bereichen/Symptome dazu kommen.

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Aurida » 13.11.2015, 23:21

Wir dürfen zuhause vor ihr nicht darüber sprechen. Sie blockt meistens eher ab. Wieso kann man sogar mit seiner Mutter nicht darüber reden? Wenn man viel Vertrauen und Sicherheit hat, warum kann man sich nicht seiner Mutter anvertrauen. Meine Tochter sagt sie wäre noch klein.Das ist ihre Ausrede, weil sie sonst sich nicht erklären kann, warum das nicht klappt. Ich habe auch überlegt mit ihr vernünftig darüber u sprechen, aber ich weiß nicht ob es was bringt.

martina_m_b hat geschrieben:@ Hoffnung
Es ist wahrscheinlich nicht das Gleiche, aber wenn ich manchmal mich nicht traue etwas zu sagen, dann, weil ich Angst habe vor z.B. etwas Falsches zu sagen, aufzufallen, etc. Wenn du sagst, der Grund spielt keine Rolle, woher kommt diese "Mauer"? Ich vestehe die Mauer auch symbolisch als Schutzmechanismus. Ich meine, wenn man Hallo, Tschüß und seinen Namen sagt, kann man weder was Falsches sagen noch auffallen und trotzdem trauen sich die Mutisten das nicht. Oder ist das wie eine Art Konditionierung zu verstehen? Und irgendeinen positiven subjektiven Nutzen muss das Schweigen für den Mutist haben, sonst würde er es nicht machen. Verzeih mir die komischen Fragen, ich würde mich gerne besser an ihrer Stelle versetzen könnnen.

Ich kann mich nicht mehr an alles aus meiner richtig schweigenden Zeit erinnern, aber manches weiß ich noch genau. Ich weiß nicht, ob meine Gedanken zu/ aus den Situationen typisch mutistisch sind oder nur speziell meine. Ich schreibe sie mal, vielleicht findest du etwas hilfreiches für dich.
Mir war immer klar, dass ich mich seltsam verhalte. Mir war auch immer klar, was andere von mir erwarten. Ich konnte aber nicht, ohne zu wissen, warum eigentlich nicht. Mir war das sehr unangenehm. Am liebsten wollte ich unsichtbar sein.
Weil immer so klar war, dass ich mich immer seltsam verhalte und weil es immer Thema war, wurde das ganze so groß. Viel zu groß. Alle beobachten einen, warten darauf, dass man sich endlich normal verhält. Oder das Gegenteil. Sie erwarten, dass es eben nicht geht. Wie rum auch immer, es ist viel zu viel Aufmerksamkeit auf diesem Thema. Und genau diese Aufmerksamkeit, dieses beäugen, warten, drängen, hoffen, freuen, resignieren...ist viel zu viel und hat mir das ganze erst recht unmöglich gemacht. Und das ganze gilt auch, wenn es nur um das einzelne Wort 'Hallo' geht. Ja, man kann eigentlich nichts falsches sagen bei nur einem einzigen Wort. Aber man fällt auf. Später bei anderen Personen, die nichts davon wussten, die nichts erwarten oder beäugen, ging es dann.
Ich finde, wenn du deine Tochter in Ruhe lässt, ihr Freiheit gibst, nichts erwartest, die Therapeutin machen lässt, hilfst du ihr am meisten und sie kann sich viel freier entwickeln, als wenn es auch zu Hause immer Thema ist und das Thema dadurch immer größer wird und so extrem viel Aufmerksamkeit bekommt.
Du fragst nach einem positiven Nutzen. Die Frage finde ich ganz schwierig, weil ich am schweigen für den Schweiger keinen positiven Nutzen sehe. Meine Therapeutin hat die Frage mal etwas umgedreht, was würde passieren, wenn ich rede (bei mir ging es um eine spezielle Sache, die ich nicht sagen konnte. Das kann man aber auch aufs reden allgemein übertragen). Das konnte ich eher beantworten. Meine Mutter würde sich freuen. Sehr sehr sehrfreuen. Riesig freuen. Mit viel zu viel Aufmerksamkeit, ganz vielen Worten und ganz viel Lob. Das ist mir zu viel. Das möchte ich nicht. (Oh je, das klingt echt furchtbar, wenn ich das so schreibe. Wäre doch eigentlich etwas schönes.)

(Mich würde interessieren, ob ihr ähnlich gedacht habt oder denkt oder ob das nur meins ist.)

Hoffnung
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Hoffnung » 14.11.2015, 07:33

Hallo Martina,

ich sehe das so, dass sich die Mauer aus einem Gefühl der übergroßen Ängstlichkeit und dem Gefühl des Überfordertseins - nicht intellektuell überfordert, sondern sozial-emotional überfordert - bildet und dann einfach da ist, ohne Nachdenken darüber, ohne Wollen oder Nicht-Wollen in der konkreten Situation - als Schutzmechanismus, der aber in Wirklichkeit keinen Schutz bietet, weil ja gerade das Schweigen so sehr auffällt und Reaktionen hervorruft, was der Mutist ja eigentlich nicht möchte. Natürlich kann auch ein kleines Kind einsehen, dass Reden notwendig ist - wie sehr habe ich das mit 16, 17, 18 Jahren eingesehen - und konnte trotzdem keinen Entschluss zum Reden fassen. Die Angst vor Reaktionen war enorm - da hätte sich womöglich jemand sehr gefreut - ist für Nicht-Mutisten vielleicht schwer vorstellbar, aber für Mutisten ist es wirklich so, das es ein Horror ist, wenn sich jemand darüber freut, dass sie reden. Ich konnte mich erst dann zum Reden entschließen, wie meine Situation für mich absolut unerträglich geworden ist und ich keine Alternative mehr hatte, als mich umzubringen oder zu reden!
Deshalb bin ich so dafür, einem kleinen Kind nicht Zeit zu lassen, auch wenn es mit 4 Jahren natürlich noch nicht richtig verzweifelt ist, es ist trotzdem ein unangenehmes Leben, mit unangenehmen Reaktionen und Gefühlen, Tag für Tag....... Das Kind muss diesen Schritt wagen und mit richtiger Hilfe kann es das auch. Es gibt ja genug positive Beispiele, wie es Kinder sehr rasch geschafft haben. Kein Mensch würde auf die Idee kommen bei einem Kind, das auf Grund einer schweren körperlichen Krankheit eine schmerzhafte Therapie braucht, durch die es geheilt werden kann, zu sagen: Ich kann das dem Kind nicht zumuten, ich lasse ihm Zeit..... Mutismusbewältigung ist im Moment auch "eine schmerzhafte Operation" ..... aber es führt zu einem schönen Leben, jeder Monat, den das Kind früher mutismusfrei ist, ist ein Gewinn!
Ich selbst habe ja nur Erfahrung mit Mutismusbewältigung als Erwachsene, konnte da nur einen Anfang machen in fremder Umgebung, wo ich keine Reaktionen zu befürchten hatte... weit weg von dem Ort, in dem ich als Mutistin gewohnt habe. Ein vierjähriges Kind kann natürlich noch nicht allein irgendwo hingehen. Aber ich denke, dass es auch einfacher ist, wenn es echte Situtationen, die ihm wichtig sind (also z.B. ein Eis kaufen) in einer fremden Umgebung erlebt (also in einem Geschäft, wo die Verkäuferin noch nicht weiß, dass das das Kind ist, für das immer die Mutter bestellt) und wo es erstens von der Verkäuferin kein Erstaunen befürchten muss -weil ja nur etwas ganz Normales passiert, nämlich, dass ein Kind sagt, welche Eissorte es möchte - und sehr wichtig, dass auch die Mutter nicht in Jubel ausbricht, sondern es als etwas ganz Normales ansieht. Wie der Anfang dann in der gewohnten Umgebung, also z.B. im Kindergarten, wo das Kind bisher nicht gesprochen hat, erfolgen kann, weiß ich nicht - da müsste die Therapeutin Rat wissen - bzw. ist es da in dem Fall vielleicht einfacher, weil das Kind ja sehr selten im Kindergarten war - also vielleicht könnte man da sagen, dass sich niemand mehr daran erinnert, dass sie bisher nicht gesprochen hat, weil da ja so viele Kinder sind, immer neue Kinder kommen..... das weiß einfach niemand mehr - und so kann sie es einfach tun....

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon martina_m_b » 15.11.2015, 20:37

Aurida und Hoffnung,

vielen Dank für die Beschreibungen. Mir ist ein Licht aufgegangen. Es geht wirklich darum nicht aufzufallen. Wie Aurida schreibt, am besten unsichtbar zu sein. Deshalb möchte meine Tochter auf keinen Fall Zopf, Frisur, schönes Kleid haben. Wenn jemand, sogar von der Familie sagt, wie schön sie aussieht, findet sie es sehr unangenehm. Das passt zusammen. Und das klingt erstmal komisch für Nicht-Mutisten, weil ja die meisten Menschen Aufmerksamkeit und Bewunderung toll finden.

Leider sind die Ratschläge von Aurida und Hoffnung genau gegenteilig. In Ruhe lassen und schmerzhaft durchzuziehen. Oder ist der Weg aus dem Mutismus für jeden vielleicht individuell? Schließlich ist Mutist nicht gleich Mutist.

Und ein paar Worte um die jubelnde Mütter zu verteidigen. Es sind nicht nur die Mutisten, die leiden, sondern auch die Eltern, vor allem die Mutter. Es ist furchtbar, zu wissen, dass dein Kind unter diesem Problem leidet und du nichts machen kannst und nur zusehen musst. Es ist ein Riesendruck immer überlegen zu müssen, was man sagt, wann und wie um ja nicht alles zu verschlimmern. Sich für jede Kleinigkeit oder ausgerutschtes Wort die Schuld zu geben, obwohl man schon alles für sein Kind tut. Aber ich verstehe, wie es gemeint ist, es geht um die zu große Aufmerksamkeit. Dann werde ich eben heimlich jubeln :) Hauptsache es klappt :)

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Hoffnung » 16.11.2015, 05:53

Natürlich ist nicht jeder Mutist gleich - es gibt ja auch andere Beispiele von Mutisten, die es im späten Jugendlichenalter oder Erwachsenenalter geschafft haben, aus dem Mutismus rauszukommen - auch ohne Therapie, auch mit Riesenmotivation. Denen hat man auch Zeit gelassen - aber sie hatten alle eine furchtbare Kindheit und Jugend dadurch, haben viel Unangenehmes erlebt und haben ab dem Jugendlichenalter viel Verzweiflung erlebt - aber es hat etwas gegeben, das stärker war, als der Mutismus, so dass sie auf Grund einer Riesenmotivation es aus dem Mutismus rausgeschafft haben. Aber es gibt auch die Mutisten, die in der Kindheit nicht oder völlig falsch therapiert wurden und die sich als Erwachsene dann damit abfinden können, lebenslänglich Mutisten zu bleiben, betreut von der Caritas, den ganzen Tag hinter dem Computer verbringen und sein Leben gerade noch aushalten - diese Möglichkeit gibt es für Mutisten auch. Ich würde als Mutter eines mutistischen Kindes nicht das Risiko eingehen, dass mein Kind einmal diesen Weg gehen muss. Aber bei einem 4Jährigen Kind ist ja noch alles offen. Meine Ansicht ist, dass es kein 4Jähriges Kind gibt, dem bei richtiger Vorgangsweise nicht rasch gehofen werden kann.

Martina, ich kann gut verstehen, wie furchtbar es für dich ist, wie schwer es ist, immer richtig zu reagieren - also meiner Meinung nach ist richtig reagieren, zu verhindern, dass das Kind zu viel Aufmerksamkeit in positven oder negativer Art bekommt. Aber du bist ja auf dem richtigen Weg, du machst dir so viele Gedanken darüber, was für deine Tochter richtig ist. Das ist doch wunderbar! - mein Rat ist also, mit der Therapeutin darüber zu reden, dass man den Mutismus ein bisschen direktiver angehen sollte. Deine Tochter ist ja jetzt schon ein Jahr in Therapie - und abgesehen davon, dass sie immer noch flüstert, gibt es zu wenige Situationen außerhalb der Therapie, in denen sie schon geschafft hat, zu reden. Da sollte man jetzt planmäßig vorgehen - nicht abwarten, sondern dem Kind durch richtige Motivation die Situationen schmackhaft machen, in denen es ein großes, tüchtiges, selbständiges Kind sein kann- und diese Situationen auch durchziehen. Ich wünsch euch ganz viel Erfolg!

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Aurida » 16.11.2015, 09:54

In vielen Punkten sind die Meinungen von Hoffnung und mir aber auch gleich. Was sie zu Motivation sagt, sehe ich auch so. Mein erstes Wort mit Fremden war mit der Motivation im Hinterkopf, dass ich es für die Schule lernen muss, mit Fremden zu reden. Und es war wirklich so, wie sie es vorgeschlagen hat, ein Eis kaufen in fremder Umgebung.
Ich finde nur, Motivation muss etwas positives sein wie 'für die Schule muss ich es lernen mit Fremden zu reden' und nicht etwas negatives wie 'wenn ich flüstere, blamiere ich mich'.
Ich finde auch die Idee gut, mit der Therapeutin zu reden. Ihr deine Bedenken und Wünsche zu sagen, dir genau erklären zu lassen, wie und wann sie die weiteren Schritte Richtung laut reden plant. Ich denke, ihr findet da garantiert einen für euch passenden Weg, dass sie vielleicht wirklich mehr von deiner Tochter fordert und dass sie dich beruhigen kann, dass euer Weg der richtige ist. Vielleicht kann sie dir eine Portion Gelassenheit und Zuversicht geben. Ich glaube dir sofort, dass Mütter schweigender Kinder unter einem riesen Druck stehen und dass es furchtbar ist, da so hilflos zuzusehen. Aber ich glaube halt auch, dass deine Tochter deinen Riesendruck spürt und wie wichtig für dich persönlich es ist, dass sie redet und dass das das Ganze nur schwerer macht.
Ich glaube, dass der Rat der Therapeutin, zu Hause mit ihr nicht darüber zu reden, in diese Richtung geht. Zu Hause Entspannung und Freiheit zu schaffen.
Ich habe mein ganzes Leben lang gemerkt, dass Druck bei mir kontraproduktiv ist und nur das Gegenteil bewirkt. Meine Therapeutin meinte von sich aus, ohne dass ich ihr davon erzählt hatte, Druck erzeugt Gegendruck.
Deine Tochter ist noch so jung. Und sie hat doch auch schon eine Menge geschafft. Und eigentlich stehst du nicht nur hilflos daneben und machst nichts. Du lässt deine Tochter schon ganz früh eine Therapie machen und nimmst dich, deinen Jubel, dein sie immer zum reden schubsen wollen, zurück.

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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Schlusi » 16.11.2015, 11:45

Ich finde nur, Motivation muss etwas positives sein wie 'für die Schule muss ich es lernen mit Fremden zu reden' und nicht etwas negatives wie 'wenn ich flüstere, blamiere ich mich'.

Ja, finde ich auch, dass das ein wichtiger Punkt ist.

Und eigentlich stehst du nicht nur hilflos daneben und machst nichts. Du lässt deine Tochter schon ganz früh eine Therapie machen und nimmst dich, deinen Jubel, dein sie immer zum reden schubsen wollen, zurück.

Das ist eigentlich auch schon das einzige, was man machen kann.
Daneben kann man noch Situationen vermeiden, wo man dabei ist.
Lieber schauen, dass man als Mutter nicht dabei ist. Das ist natürlich nicht gegeben, wenn man mit in die Therapie einbezogen wird und mit dem Kind Sprechaufgaben erfüllen soll. Meiner Meinung nach sollte das nicht so sein, sondern die Mutter ganz und gar in den Hintergrund treten können, damit sich dieser Druck verflüchtigen kann und diese ständige Erwartungshaltung der Mütter nicht mehr auf dem Kind lastet. Leider sieht das nach außen hin so aus, als würde man nicht mehr mit an den Therapiezielen arbeiten bzw. arbeiten wollen. Aber bei Mutismus ist das leider so, dass die Mütter eher hinderlich sind, als fördernd. So blöd das auch ist.

Bei uns ist es teilweise auch schon so, dass unsere Tochter nicht alles erzählt oder wenn sie es erzählt und ich geneigt bin, mich da in irgendeiner Art einbringen zu wollen, dass ich dann von unserer Tochter gesagt bekomme, dass ich das nicht soll. Wir haben jetzt gerade die Problematik, dass sie öfter zu spät kommt, weil der Fahrdienst im Stau steckt. Schlimmstenfalls wird sie dann als unentschuldigt fehlend eingetragen. Ich habe jetzt überhaupt keine Kontrolle darüber, weiß nicht, ob sie das geradebiegt und etwas sagt. Forsche ich zu sehr danach, dann setze ich sie unter Druck. Ich muss das jetzt einfach aushalten und mache gar nichts. Es geht entweder gut aus oder ganz schlecht aus oder mal gut und mal nicht gut. Ich lasse mich mit dem nächsten Zeugnis überraschen. Mische ich mich da jetzt in irgendeiner Form ein, dann geht alles kaputt. Sie wird und muss sich jetzt selbst damit auseinander setzen ob und wie sie das löst und welche Konsequenzen das hat. Am besten ich denke nicht weiter darüber nach.

Daran sieht man, dass es immer wieder Anforderungen gibt, die wieder auf die Mutismus-Problematik stoßen, auch wenn man meint, dass das alles nach erfolgreicher Therapie erledigt sein sollte. Unsere Tochter kann alleine einkaufen gehen, kann auch etwas erfragen, kann Referate führen und vieles mehr. Aber zu spät kommen und dann etwas an der Eintragung im Klassenbuch drehen, dazu den Lehrer ansprechen, da weiß ich im Moment überhaupt nicht, wo sie da steht und ob und wie sie das schafft. Ich weiß nur, dass es da ein Problem gibt. Aber ich muss es jetzt einfach so belassen.

Ich glaube, dass gehört auch mit dazu, dass man die Dinge einfach mal so belässt und sich nicht weiter einmischt. Das muss man als Mutter aushalten und auch erst lernen. Die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken, sein eigenes Leben wieder voller mit anderen Dingen machen, so dass das Kind ganz sicher sieht und merkt, dass man nicht ständig mit den Gedanken beim mutistischen Kind und seiner Problematik ist. Das können alles die Therapeuten machen. Dafür sind die da. :wink:

Schlusi :)
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Michael » 16.11.2015, 12:22

Ich denke bei Martinas Tochter wäre jetzt wichtig, das Flüstern zur echten Lautsprache werden zu lassen.
Übrigens, viele Mutisten sprechen leise selbst wenn sie den Mutismus überwunden haben, das hat wohl auch mit mangelnder Praxiserfahrung beim Sprechen zu tun. Man weiß schlichtweg nicht wie leise man für andere Menschen klingt, denn man selbst versteht sich ja, man hat kein Gefühl für die eigene mangelnde Lautstärke der Sprache. "Normale" Kinder testen sowas durch Brüllen, Sprechen, Fllüstern selbst aus, bei Mutisten geht das nicht, das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Martina rege doch mal bei der Therapeutin an dass sie z.B. eine Smartphone/iPad-App wie "Talking Tom" oder ähnliches nutzt und die Lautstärkeempfindlichkeit der App so einstellt, dass Tom nur dann Gesprochenes wiederholt, wenn eine Mindestlautstärke genutzt wird. So hat deine Tochter eine positive MOtivation lauter zu sprechen, denn nur dann wird Tom ihr Gesprochenes mit seiner lustigen Stimme wiederholen.

Ich hatte mal eine Familie in Berlin besucht und dem Mädchen dort Talking Tom auf dem iPad gezeigt, sie hatte eine Menge Spaß dabei Tom immer neue lustige Dinge oder Geräusche machen zu lassen und sie forderte auch ihre Eltern auf mitzumachen. Sowas kann ein "Eisbrecher" sein neue Personen, mit denen gesprochen werden soll, spielerisch in den Therapieprozess einzuführen.

Ergänzend: http://www.apptalk.de/interviews/schwei ... en-567565/
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Schlusi
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Re: SRMT - Stuttgarter Rahmenempfehlungen zur Mutismus-Therapie

Beitragvon Schlusi » 16.11.2015, 16:30

Ich denke bei Martinas Tochter wäre jetzt wichtig, das Flüstern zur echten Lautsprache werden zu lassen.
Übrigens, viele Mutisten sprechen leise selbst wenn sie den Mutismus überwunden haben, das hat wohl auch mit mangelnder Praxiserfahrung beim Sprechen zu tun. Man weiß schlichtweg nicht wie leise man für andere Menschen klingt, denn man selbst versteht sich ja, man hat kein Gefühl für die eigene mangelnde Lautstärke der Sprache. "Normale" Kinder testen sowas durch Brüllen, Sprechen, Fllüstern selbst aus, bei Mutisten geht das nicht, das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Gut, dass Du da noch einmal darauf hinweist. Es ist wirklich ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Martina rege doch mal bei der Therapeutin an dass sie z.B. eine Smartphone/iPad-App wie "Talking Tom" oder ähnliches nutzt und die Lautstärkeempfindlichkeit der App so einstellt, dass Tom nur dann Gesprochenes wiederholt, wenn eine Mindestlautstärke genutzt wird. So hat deine Tochter eine positive MOtivation lauter zu sprechen, denn nur dann wird Tom ihr Gesprochenes mit seiner lustigen Stimme wiederholen.

Ja, toll, Michael. Ich kenne das auch. :D
Habe damit rumgespielt und rumexperimentiert.
Dabei haben sich auch zufällig Situationen ergeben, wo die Antwort unserer Tochter mal wiederholt wurde, mal nicht.
Ich habe dabei aber gar nicht an Mutismus gedacht, aber natürlich meine Tochter so scherzhaft aufgefordert lauter zu sprechen, damit Tom das wiederholt.
Hier haben wir damit eher nur rumgealbert.

Aber jetzt wo Du darauf hinweist, sehe ich auch, dass man das durchaus sinnvoll nutzen kann.

Sowas kann ein "Eisbrecher" sein neue Personen, mit denen gesprochen werden soll, spielerisch in den Therapieprozess einzuführen.

Ja, das kann ich mir vorstellen, dass das bei einigen so funktionieren kann.
Gut, unserer Tochter war das jetzt mit ihren sechzehn Jahren zu albern, aber es kommt wohl auch darauf an, wie man das ins Spiel bringt und was man damit erreichen möchte. :wink:

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom


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