Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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Samtpfote
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Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Samtpfote » 26.01.2018, 09:34

Hallo liebe Foris....
Ich bin gerade völlig am Ende...

HILFE...ich brauche mal schnell einen Rat....
Ich habe soeben einen Anruf vom Klassenlehrer meiner großen aus der Schule erhalten. Es wurde mit meiner Tochter eine neue Vereinbarung mit dem "begrüßen" beschlossen. Sie soll morgens wenn sie ins Klassenzimmer kommen entweder Hallo "sagen" oder auch kurz mit der Hand ein Zeichen geben zur Begrüßung. Nun hat sie das heute wohl nicht gemacht und als Komsequenz wurde vereinbart das sie vom Unterricht ausgeschlossen wird und raus gehen muss und erst wieder reinkommen darf wenn sie "grüßt". Nun sitzt wohl schon über eine Unterrichtsstunde alleine draußen im Flur und macht gar nichts und reagiert wohl auch nicht.
Ich habe dem Lehrer gesagt das DAS absolut Unmöglich ist und sehr wahrscheinlich auch jeden erreichten Erfolg zunichte macht und alles in die andere Richtung gehen wird und das sie evtl. dann auch überhaupt nicht mehr in die Schule gehen möchte. Was sie bis jetzt immer getan hat und das auch relativ gerne.....Den verpassten Unterricht muss natürlich nach der regulären Schulzeit nachholen und dabei hat sie doch so schon enorme Probleme das Pensum und den Schulstoff überhaaupt zu schaffen und zu verstehen (Hauptschule an einer speziellen Hör-Sprachschule die sich eingentlich auch mit dem Krankheitsbild auskennen..).
WAS SOLL ICH DENN NUN TUN?????? Ich habe gerade so starke Angst das sie mit dieser Aktion vollkommen insichkehrt und dann gar nix mehr bei ihr in der Schule geht.....
Bitte Hilfe...
LG Silvi

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Schlusi
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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Schlusi » 26.01.2018, 10:37

Hallo Silvi,

wirklichen Rat weiß ich auch nicht.
Nur ein Gedanke. Versuche nicht die mögliche und verständliche Reaktion Deiner Tochter gedanklich und mit Deiner inneren Haltung vorweg zu nehmen. Das ist natürlich schwer.

Ich kenne es auch meiner Erfahrung heraus, dass ich mich oft genug über Dinge aufgeregt habe, die meine Tochter gar nicht so schlimm empfand. Erst durch meine Wut und meine Gedanken bekam das dann bei meiner Tochter dann auch mehr Gewicht.

Natürlich wird sie es nicht schön finden, dass sie auf den Flur geschickt wurde. Man kann aber nicht in ihren Kopf schauen. Unter Umständen legt sich da bei ihr ein Schalter um und sie findet das alles gar nicht so schlimm, kann das ganze Ausmaß dieser Behandlung nicht wirklich in sich aufnehmen und verarbeiten schon gar nicht.

Dann kann es sein, dass erst durch Deine Reaktion darauf ihr das ganze Ausmaß dieser Fehlbehandlung bewusst wird.

So könnte es sein, muss aber nicht.
Ich schreibe das hier nur so hin, weil ich mit meiner Tochter öfter diese Erfahrung gemacht habe.

Vielleicht findest Du Ruhe und Mut mit Deiner Tochter darüber zu sprechen. Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit der Begrüßung. Mir fällt da ein, dass sie zur Begrüßung kurz den Oberkörper senken könnte, also so eine Art Verbeugung, eine indirekte Begrüßung ohne Blickkontakt, etwas defensiv und "demütig", wenn man so will.

Wenn Deine Tochter damit einverstanden ist, könntet ihr das Zuhause üben und sie probiert es in der Schule.

Und Du machst dem Lehrer gegenüber diesen Vorschlag.
So könnte es übergangsweise gehen und später schafft sie dann vielleicht eine andere Art der Begrüßung bzw. die, welche von den Lehrern erwünscht ist.

Also, wenn Deine Tochter aus der Schule kommt, dann bleib ganz entspannt und koche die Sache nicht hoch. Schaue ganz genau, wie es Deiner Tochter geht und ob und was sie über den vergangenen Schultag sagt. Achte auf sie und richte danach das aus, was Du machen und sagen willst.

Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.
Falls nicht, dann frag' hier noch einmal, ich melde mich dann zurück.

Schlusi :)
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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Samtpfote » 26.01.2018, 11:43

Hallo Schlusi,

mittlerweile kam eine Reaktion meiner Tochter. Ich hatte ihr eine Whatsapp Nachricht geschrieben.
Und ja, ihr ging es heute morgen nicht so gut und der Lehrer war wohl noch nicht in der Klasse, da wohl keine Reaktion von ihr kam, ein leichtes Nicken reicht schon, musste sie dann raus und war dort dann wieder wie versteinert.
Nun ist sie wieder im Unterricht, aber da sie nun wohl einen anderen Lehrer haben und sie schrieb das es ihr gut gheht. Ich habe nachgefragt ob wirklich alles ok ist, oder ob es ihr lieber wäre das man sie abholt, aber sie wollte in der Schule bleiben und den verpassten Unterricht holt sie wohl nächste Woche nach.
Ob diese Aktion bei ihr nun wieder was bewirkt hat, weiß ich nicht und werde es wahrschlich auch von nicht herrausfinden. Ich hoffe nur das dies nicht ein großer Schritt in die andere Richtung war. Denn so hatte man es im Kindergarten versucht aus ihr etwas heraus zubekommen oder eine Reaktion....ohne Erfolg...sie kann das stundenlang und schafft es meist nicht da dann wieder raus zu kommen.
Jetzt ist zwar größer und versteht etwas mehr worum es geht und versucht Einsicht zu zeigen....aber was dies tatächlich bei ihr bewirkt...das weiß man nicht und das sagt sie einem auch nicht.
Auf alle Fälle bin ich der Meinung das der Lehrer damit alles eher kaputt macht und alles nur nur verschäft und verschlimmert, als das es einen Lerneffekt für sie hat....

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Hyazinthe » 26.01.2018, 14:14

Hallo,

mich würde interessieren: warum ist sie überhaupt auf so einer speziellen Schule? Schließlich hat sie (mutmaßlich) weder eine Hör- noch Sprachstörung.

Liebe Grüße,
'Hya'

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Samtpfote » 27.01.2018, 09:35

Morgen,

sie ist dort auf der Schule, da diese Schule hier bei uns die einzige Schule ist die diese Krankheit kennen. Sie ist nicht die einzige mit SM die da an der Schule ist. Außerdem hat sie dort an der Schule überhaupt eine Chance mit dem Schulstoff klar zu kommen und einigermaßen mitzuhalten.
Auf einer Regelschule wäre sie hoffnunglos verloren und hätte in Mathe eine 6 in Englisch ne 5 und in anderen Fächern, außer Deutsch, wahrscheinlich etwas zwischen 4 und 5. Dort hatte sie die Möglichkeit in der 5.und 6. Klasse die einzelnen Fächer individuell nach ihrem Können machen zu können. Heißt sie war in Mathe und Englisch auf dem Nevau der Förderschule, in den anderen Fächern eher Werkrealschule und in Deutsch sogar ein wenig Realschule. Ende der 6. Klasse wurden die 3 Klassen dann neu zusammengestellt in dem sie 1 Förderschulkasse, 2 Werkrealschuleklassen und 1 Realschulklasse gebildet haben. Meiner Tochter wurde die Möglichkeit und die chance gegeben Werkrealschule/Hauptschule zu machen. Auch weil ihre allerbeste Freudndin und Rettungsanker zusammen in ihrer Klasse ist.
Desweiteren sind es auf der Schule sehr kleine Klassen mit nur 8-9 Schülern. Otimal....aus diesem Grund haben wir sogar unsere Jüngste (die eigentlich außer einer leichten Auditiven-Wahrnehmungs-und Verarbeitungsstörung und einer Hochsesibilität keine Schulischen und gesundheitlichen Probleme hat) dort in die Grundschule eingschult. Die beste Entscheidung. Da die Jüngste wie auch die Große Schwierigkeiten in Mathe hat, allerdings da die KInder dort in der Grundschule langsamer und auch speziell auf das einzelne Kind eingegangen wird, klappt es bei der Jüngsten (nun in Klasse 4) sehr gut, sie hat ein Zahlenverständis entwickelt und wenn sie was neues verstanden hat, dann kann sie dies auch selbständig auf andere Aufgabenstellungen anwenden.
Anders als die Große, sie war hier bei uns im Ort in der Regelgrundschule und hatte so eine tolle "Betreuung" in Mathe nicht. Dort wurde sie inklusiv mit einem sonderpädagogischen Sonderbedarf nach Förderschule in Klasse 3 und 4 Unterrichtet. D.h. sie hatte leichtere Aufgaben und im Grunde dümmpelte sie meistens in Klasse 2 Nevau rum. Stoff aus Klasse 3 und 4 hat sie zwar gelernt, aber naja..nicht so richtig. Dann kommt hinzu das ihre Grundschuljahrgang allgemein mit extremen Defiziten die 4. Klasse beendet hat.
Da die Förderschule hier für uns unter keinen Umständen in Frage kommt, und sie auf einer Regelschule rein gar nicht mitkommen würde (wir hatten es versucht das sie in Klasse 5 auf ein Privatgymnasium inklusiv beschult wird), wechselte sie in Klasse 6 dann auf die Sprachheilschule.
Dort hat es auch zuerst wundervoll geklappt. Sie hat mit ihrer Klassenlehrerin normal geredet und fing auch an verbal sich im Unterricht zu beteiligen. Sie war da in einer Klasse wo auch Taub-Stumme drin waren und so durfte/mussste sie auch die Gebärdensprache lernen. Dies hat ihr ichtig gut gefallen und daran hatte sie auch ernormen Spaß. Da sie aber in Mathe an die Grenzen kam, wurde nahegelegt sie im Halbjahr der 6. Klasse runter in die 5 Klasse zu stufen, da sie dort dieses individuelle Lernsystem anwenden und sie da bessere Chancen hätte auch mit etwas ERfolg und nicht nur mit schlechten Noten zu lernen. In diesem Gepräch hatte ich aber schon deutlich gemacht, das es sein kann, das sie dann das reden wieder einstellen wird und das sie es sehr wahrschlich auch nicht mehr anfangen wird. So, und DAS ist jetzt auch....
So, DAS war nun die längere Geschichte warum sie dort auf der Schule ist...
Bis gestern hat auch alles ziemlich gut geklappt und Referate und so absolviert sie als Video, welches sie zu Hause aufnimmt...Sie hatten auch mal versucht im Unterricht mit ihr mit einem Tablet, auf welches sie Sprachnemos aufzeichnen sollte, zu arbeiten....aber das wurde dann immer wieder schleifen gelassen und auch meine Große lehnte es ab, weil es wahrschlich selbstverständlich von ihr erwartet wurde...Würde man ihr wahrscheinlich explizit als Aufgabe geben: "Du darfst in ein Nebenzimmer gehn und nimmst nun diese Aufgabe oder diesen Text nun auf dem Tablet auf", dann würde es dies, denke ich dann machen, aber es einfach so von ihr "freiwillig" Erwarten..klappt nicht.
Naja...jedenfalls lief es, bis gestern....

LG Silvi

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Stille Stärken » 27.01.2018, 10:29

Ich finde es schade, dass der Lehrer sich verpflichtet fühlt, mit deiner Tochter therapeutisch zu arbeiten. Denn nichts anderes ist so eine "Vereinbarung".

Er sieht kommen, dass die junge Frau Schwierigkeiten haben wird, wenn sie später in einer Ausbildung nicht grüßen kann. Daher möchte er, dass sie das in der Schule lernt.

(Aus meiner eigenen Erfahrung als junge Erwachsene mit Mutismus würde ich sagen, dass es absolut sinnvoll ist, Höflichkeitsformen und sachliche Gespräche bis zum Beginn der Ausbildung zu können. Ich hatte in den ersten Berufsjahren enorm viele Schwierigkeiten, bis ich schließlich ein Gespräch auf angemessene Weise führen konnte. Rückblickend wünschte ich, dass bei mir jemand frühzeitig bemerkt hätte, auf welche Probleme ich da zusteuere.)

Meiner Ansicht nach darf niemand einem Lehrer einen Vorwurf machen, weil er die mutistische Blockade nicht mit geeigneten Methoden behandeln kann - das ist ganz einfach nicht sein Job. Er ist dafür da, Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln. Für die Therapie gibt es Therapeuten.

Es wäre dem Lehrer sicher sehr recht, wenn deine Tochter einen Therapeuten hätte, der für die Behandlung des Mutismus zuständig ist und mit dem er solche Vereinbarungen abstimmen und dann auch gemeinsam mit deiner Tochter festlegen könnte.

Ich wünsche deiner Tochter, dass sie die Sprechblockaden im Griff haben wird, bevor sie ihre Berufsausbildung beginnt. Denn als Erwachsene wird alles noch sehr viel schwieriger als jetzt in der Schule...

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Samtpfote » 29.01.2018, 07:16

Morgen ihr Lieben!

So Montag wieder Schule nach dem Zwischenfall von Freitag....was soll ich sagen....sie will eigentlich gar nicht in die Schule und hat ein Gesicht gezogen..welches ich bei ihr schon seit langem nicht mehr in Verbindung mit Schule oder früher Kindergarten gesehen habe und sie hat eine Laune und nun sowas von einen Hass auf ihren Klassenlehrer.
Am liebsten würde sie ihn gar nicht mehr sehen wollen....Ob das jetzt nur wegen dem ersten Schultag danach so ist, oder das nun dauerhaft sich hinziehen wird...ich weiß es nicht und ich will es auch gar nicht wissen und will es mir auch nicht ausmalen, aber so wie man sie kennt und da ist sie sich seit dem Kindergarten treu wird das nun mit dem Klassenlehrer, oder auch mit der ganzen Schule dort nix mehr, die haben es sich versch******

...am liebsten würde ich sie dort von der Schule nehmen, aber da sie in der 8. Klasse noch dem Schulstoff der 7. hinterherlaufen und sie ja sowieso extreme Probleme überhaupt hat mitzukommen...gibt es hier bei uns absolut keine Schule die jetzt nun noch im geringsten in Frage kommen könnte :-( :-( :-( ....Ich weiß nicht wie es jetzt schulisch überhaupt weitergehen soll............................................. :cry: :cry: :cry:

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Schlusi » 29.01.2018, 10:18

Hallo Silvi,

So Montag wieder Schule nach dem Zwischenfall von Freitag....was soll ich sagen....sie will eigentlich gar nicht in die Schule und hat ein Gesicht gezogen..

Mmmhhh, du hattest es ja schon geahnt. :(

Bis gestern hat auch alles ziemlich gut geklappt und Referate und so absolviert sie als Video, welches sie zu Hause aufnimmt...Sie hatten auch mal versucht im Unterricht mit ihr mit einem Tablet, auf welches sie Sprachnemos aufzeichnen sollte, zu arbeiten....aber das wurde dann immer wieder schleifen gelassen und auch meine Große lehnte es ab, weil es wahrschlich selbstverständlich von ihr erwartet wurde...Würde man ihr wahrscheinlich explizit als Aufgabe geben: "Du darfst in ein Nebenzimmer gehn und nimmst nun diese Aufgabe oder diesen Text nun auf dem Tablet auf", dann würde es dies, denke ich dann machen, aber es einfach so von ihr "freiwillig" Erwarten..klappt nicht.
Naja...jedenfalls lief es, bis gestern....


Vielleicht könntet ihr daran noch einmal anknüpfen?
Mit dem Tablet zu arbeiten?
Das geht aber wohl auch nur, wenn Du vorher noch einmal mit den Lehrern sprichst. Und denen klar gemacht wird, dass alles eben nicht einfach so läuft und dass Deine Tochter immer wieder neu dazu freundlich und mutmachend aufgefordert werden muss. Das schleift sich alles nicht mal eben einfach so ein. Jede Situation ist wieder eine andere und neue Situation und so wird das nicht gleich automatisch von Deiner Tochter so eingeordnet, dass sie auch das dann mit dem Tablet erledigen kann und soll.

Ich hoffe Du kannst das Gespräch mit den Lehrern suchen und dass die das verstehen werden, was jetzt so los ist.

Schlusi :)
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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Hyazinthe » 29.01.2018, 17:47

Hallo miteinander,

auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: die Sprachheilschule (wie diese Sonderschulform heute heißt, früher hieß sie Schule für Sprachbehinderte) ist in aller Regel nichts für selektiv mutistische Kinder. Diese haben ja keine Sprachprobleme und fühlen sich dort völlig falsch aufgehoben. Man sollte ihnen gar nicht den 'Floh ins Ohr' setzen, dass sie eine schwere Behinderung haben, die sie nur mit hilfe aller möglichen 'Experten' (gemeint sind scheinbar Lehrer, die Sprachheil- bzw. Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Sprache studiert haben) überwinden könnten. Viele Grüße!

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Hyazinthe » 29.01.2018, 17:52

Hallo Samtpfote,

dass Deine Tochter mit dem Lernstoff im Rückstand ist, wundert mich überhaupt nicht. Natürlich werden an so einer Schule in Wahrheit viele Schüler mit einer Lernbehinderung bzw. Förderbedarf im 'Lernen' unterrichtet, wodurch das Niveau stetig sinkt. Aller angeblichen Binnen-Differenzierung zum Trotz. Aber da Eltern es anscheinend 'schicker' finden, wenn die Schule nicht Förderschule sondern Sprachheilschule heißt, gibt es diese Schulform heute noch :roll:und wegen der kleinen Klassen. . .

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Hyazinthe » 29.01.2018, 18:03

Vielleicht liegt ja bei Deiner Tochter eine (versteckte) Wahrnehmungsstörung vor. Dann könntest Du es mit einer Förderschule für Körper- oder Sinnesbehinderungen mal versuchen. Manche von ihnen leisten tolle Arbeit mit Kindern aller Coleur und demütigen nicht, wenn das Kind nicht kooperiert.

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Samtpfote » 01.02.2018, 08:03

Hallo Hyazinthe,
hmm...wie soll ich es zu deinem Geschriebene nun beantworten...

Die Sparchheulschule tut ihr ansich schon sehr gut und die haben auch mehrere Kinder mit SM. In der 6. Klasse, als die auf die Schule gewechselt hat, war eben auch ein anderes Mädchen mit SM. Diese ist nun in ihrer Parallel-Klasse gelandet, da sie zuviele Fehltage im Schuljahr hatte und aufgrund dessen nicht Versetzt werden konnte. Dieses Mädchen spricht aber aber so gut wie mit keinem, mit 1-2 festen Freundinnen, aber sonst rein gar nix. Also noch extremer als bei meiner. Auf einer "normalen" Schule hat sie keinerlei Chance dem Schulstoff folgen zu können. Sie benötigt schon ein spezielleres und verlangsamtes Tempo, was allerdings nicht heißt das man dem Schulstoff 1 Jahr hinterherhinken darf. Aber die Parallelklasse ist auch nicht viel weiter, die sind 2-3 Buchseiten weiter...
Und ja, sie hat sichrlich auch noch eine Auditive Wahrnehmungs-und Verarbeitungsstörung, diese ist aber nicht und kann nicht diagnostiziert werden (sie macht bei keinerlei Testungen mit). Sie kommt mit großen Klassen und Lautstärke nicht klar. Da kann sie sich gar nicht konzentrieren, das war in der Grundschule unter anderem der Fall.
Leider haben wir keine Alternative wo sie zur Schule gehen könnte.

LG

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon anneliekene » 01.02.2018, 13:58

Hallo,

ich fand es sehr spannend, deine bzw. eure Sichtweise über die Konsequenzen zu lesen. Ich bin selbst Lehrerin an einer Schule mit emotionalem und sozialem Förderschwerpunkt. Auch ich habe gerade eine Schülerin mit Mutismus und setze mich eben genau mit dieser Frage auseinander. Wie kann man ein Kind unterstützen, dass solch eine Angst hat. Ganz klar, sehe ich das ähnlich wie du. Mit derartigen Konsequenzen wird der Lehrer vermutlich nicht weiter kommen. Die Angst deiner Tochter kommt dann wieder hoch. Ich würde versuchen, sie zu bestärken, indem du ihr noch einmal zeigst, dass sie das die Begrüßung ja schon geschafft hat und das war toll!!! Und ganz klar: Mit dem Lehrer zusammen ein Gespräch führen. Wut und Ärger bringen das Gegenteil hervor: Unsicherheit und Angst. Besprich mit ihm gemeinsam, dass positive Verstärkung wichtig seien. Keine Konsequenzen! Dann lieber erst fragen: Was ist denn heute los, geht es dir nicht gut? Gestern hat das mit der Begrüßung doch gut geklappt... so in der Art. Ich habe hier gelesen, dass Lehrer natürlich keine Therapeuten sind, aber wir können den Schulalltag angenehmer machen und helfen. Aber dazu müssen Eltern und Lehrer kommuzieren.

Ich wünsche euch, dass sie bald wieder gerne zur Schule geht und Vertrauen fasst.

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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Schlusi » 01.02.2018, 14:08

Hallo Silvi,

Sie kommt mit großen Klassen und Lautstärke nicht klar.

Das war bzw. ist bei unserer Tochter auch so. Sie war ja auch auf einer Sprachförderschule.
Und ja, die sind auch nicht immer so zügig mit dem Schulstoff voran gekommen.
Aber immerhin hat sie dort dennoch nach der zehnten Klassen den erweiterten Realschulabschluss gemacht.
Ist das an der Schule, wo Deine Tochter ist, auch möglich?

Unsere Tochter hat ja kurz vorm Wechsel von der siebten in die achte Klasse noch einmal probeweise eine Realschule versucht gehabt.
Aber auch dort ist sie mit der großen Klasse, dem Lärm, usw. nicht klar gekommen. Sie hat praktisch nichts mehr mitbekommen, war nur noch extrem gestresst, hatte deswegen jeden Tag Bauchweh, wegen dem Lärm. Und obwohl sie dort gleich die beste Englischarbeit geschrieben hat, konnte und wollte sie dort nicht bleiben und ist wieder zurück.

Sie hatte auch das Gefühl, dass sie über kurz oder lang wieder reif für die Tagesklinik gewesen wäre, wenn sie dort geblieben wäre. Also ist sie wieder zurück zur Förderschule gegangen. Hätte es diese Möglichkeit nicht gegeben, dann denke ich, dass unsere Tochter irgendwann unbeschulbar geworden wäre wegen dem ganzen Stress. Das hatte noch nicht einmal hauptsächlich mit ihrem Mutismus zu tun, den sie ja zu dem Zeitpunkt schon weitestgehend überwunden hatte.

Ich hoffe, dass Deine Tochter doch noch irgendwie dort klar kommt, wenn ihr nun wirklich keine andere Alternative habt.

@anneliekene
Ach, wie schön, das tut gut...eine Lehrerin. :D
Ich winke mal zu Dir rüber. Das tut gut, so konstruktive Gedanken und Tipps zu lesen.
Will sagen, es tut auch mir noch gut, obwohl wir hier von alledem ja schon ein großes Stück ganz gut hinter uns gebracht haben.

Schlusi :)
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Re: Schule ergreift Unmögliche Kosequenz bei einer besprochenen Vereinbarung

Beitragvon Hyazinthe » 01.02.2018, 19:58

Hallo Anneliekene,

falls Annelie Dein richtiger Name ist - den find ich total gut :)

Also Du hast ja sehr diplomatisch ausgedrückt, dass Du hier 'gelesen' hättest, dass Lehrer keine 'Therapeuten' seien. Wir wissen beide, dass das nicht stimmt. Natürlich haben Sonderschullehrer bzw. neudeutsch 'Förderschullehrer- und Innen' den Anspruch, selbst Therapeuten zu sein. Aufgrund dieser Spezialausbildung unterrichten sie schließlich nicht an einer Regelschule, sondern an einer Sonderschule. Soweit zum Selbstverständnis. In Wahrheit haben sie aber nur spezielle Kenntnisse, die sie genauso gut an einer anderen Schulart anwenden könnten, wenn sie denn wollten. Ich weiß, der 'Pferdefuß' ist immer die Klassenstärke. Wenn aber andere Schulklassen durch mehr Personal betreut und kleiner wären, dann würden selektiv mutistische Kinder hier genauso gut hinpassen. Der Fehler liegt - wie so oft - im System. Ich finde (und fand es immer) absurd, dass mutistische Kinder (die ja eine normale Sprachentwicklung haben und oft sogar geradezu sprachbegabt sind) an Sprachheilschulen oder anderen Förderschulen landen. Andere finden das offenbar ein Muss. Seltsam. In Sachen Inklusion und Integration hat sich noch nicht allzu viel entwickelt.
Viele Grüße!


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