Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

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laleteddy
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Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon laleteddy » 02.03.2018, 16:07

Hallo,

ich habe hier schon lange nicht mehr geschrieben.

Meine Tochter ist 11 Jahre alt und ist in der 6. Klasse einer Gesamtschule.

Sie macht seit 1,5 Jahren Logopädie und macht endlich, nach Jahren, Fortschritte. Die Logopädin ist ein wahrer Schatz.
Meine Tochter redet aber immer noch nicht in der Schule und jetzt meint ihre Lehrerin schon zum 2. mal, dass es für sie besser wäre auf eine Förderschule zu gehen, weil sie meiner Tochter nicht mehr helfen kann. Es wäre alles ausgeschöpft.
Was hat die Lehrerin alles unternommen? Nichts! Sie macht nur Druck, dass sie endlich spricht.

Vor etwa einem halben Jahr stand das Thema Förderschule schon im Raum und da waren sich die beiden Logopäden, der Schulleiter der Förderschule (nach einem Gespräch), sowie auch ich, uns einig, dass meine Tochter dort nicht hin gehört.
Die Begründung von der Lehrerin ist, dass meine Tochter in den Pausen meistens alleine da steht und keinen Anschluss m,ehr findet. Das bricht mir natürlich das Herz.
Sie ist aber normal intelligent.
Ich weiss einfach nicht, was das richtige ist.
Wir hatten auch mit der Förderschullehrerin gesprochen und ich muss sagen, sie hat mich jetzt etwas verunsichert.
Es hat sich eigentlich gar nicht so schlecht angehört und ob es vielleicht doch das richtige wäre, meine Tochter dort hin zu schicken.
Mein Exmann ist natürlich immer völlig begeistert und davon überzeugt, was die Lehrerin sagt.

Wenn ich meine Tochter dort hin schicken würde, weiss ich, dass auf jedenfall die erste Zeit ein echter Kampf werden würde. Morgens weinen bis zur Übelkeit, weil sie doret nicht hin gehen möchte (wieder neue Lehrer und Kinder).

Lohnen sich die Strapazen? WIrd sie dort irgendwann sprechen?

Ich weiss, dass kann mir niemand beantworten. Ich weiss im moment einfach nicht, was das beste für sie ist.

Die Logopädin hält die Idee nach wie vor für nicht geeignet.
Und auch ich finde, dass Kinder nicht unter ihren Möglichkeiten bleiben sollten.

Habt ihr Tipps für mich?

LG

NinaO
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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon NinaO » 02.03.2018, 17:51

Hallo,
ich will mich mal vorsichtig zu einer Meinung hintasten und Eventualitäten einbinden. Zurzeit bin ich nämlich Schulbegleiterin in einer 4. Förderklasse einer Grundschule mit nur 10 Kindern. Dort ist ein Mädchen, welches mir am Herzen liegt, da sie nach Aufforderung nur selten spricht und selbständig im Unterricht gar nicht. Ansonsten verhält sie sich in den Pausen i.d.R. zurückziehend oder klönt mit mir. Sie hat nun einen Jungen aus der 1. Klasse gefunden, wenn sie sich sehen, umarmen sie sich, lachen und laufen rum. Die Lehrkraft bemüht sich wiederholt, sie einzubinden und ihr immer wieder Chancen zu geben. Aber oft wird sie auch allein gelassen. Auch fallen immer mal wieder unfreundliche Worte, weil sie nicht spricht. Es ist halt alles menschlich recht normal, aber sicherlich nicht förderlich für das Mädchen.
Da ich nun auch das Klassenklima kennenlernen konnte, vermute ich, dass alle Kinder, die Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten haben, sich untereinander mögen, zusammenhalten, aber auch oft in handgreiflichen und/oder verbal heftigen Konflikten sind, deshalb nicht aus dieser Spirale rauskommen, weil sie voneinander zu wenig lernen, um aus den Sprachauffälligkeiten rauszukommen. Daher würde ich eine Klassenmischung mit doch etwas mehr Schülern vorziehen. Weiter ausschmücken möchte ich es nun nicht, ich glaube, dies kann man sich vorstellen, wie ich es meine.
Andererseits weiß ich auch, dass diese Kinder, die nun bald die Schule wechseln und an Regelschulen gehen, Schwierigkeiten haben werden, dort klarzukommen. Und dies hängt sicherlich auch sehr von den einzelnen Lehrern ab, wie sie binnendifferenziert die Kinder unterrichten und dennoch inkludieren können. Also sich von der betroffenen Schule diese Informationen einholen und evtl. auch auf den Bauch hören.

Man weiß vorher einfach nicht, wo es wirklich besser sein wird. Beides hat seine Vor- und Nachteile und hängt dann vom Schulklima (wie gehen die Lehrkräfte allgemein mit Andersartigkeit und mit Konflikten ab) und von den einzelnen Lehrern ab.

LG Nina Onawa

Hyazinthe
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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon Hyazinthe » 02.03.2018, 18:21

Hallo laleteddy,

dem, was NinaO. sagt, und offenbar hat sie Erfahrung in der Schulbegleitung, kann ich mich im Wesentlichen anschließen. Es hängt nicht nur von der Schulform ab, sondern auch von der Klasse, also immer jeweils vom Klima, ob sich das Kind wohlfühlt. Dass die Lehrerin Dein Kind an einer anderen Schule lieber sähe, ist sicherlich unschön, sollte aber für Deine Entscheidung keine Rolle spielen. Es ist die private (von mir aus auch berufliche) Sicht der Lehrerin, nicht mehr aber auch nicht weniger. Sie hat keine Entscheidungsbefugnis darüber, wo Dein Kind hingehört. Nun ist es sicherlich auch nicht schön, dass Deine Tochter aus Sicht dieser Lehrerin häufig in der Pause alleine rumsteht. Aber fühlt sie sich dadurch unwohl oder gar gemobbt? Vielleicht will sie einfach nur auf diese Art entspannen und sie ist per se schon ziemlich reizüberflutet. Dann wäre so ein Rückzug doch ein logischer und kluger Schritt. Nicht alles, was auffällig wirkt, ist gleich 'behindert'. Entscheidend ist, wie Deine Tochter sich dabei fühlt. Möchte sie an der Schule bleiben, auch wenn sie dort wenig 'integriert' ist (wie immer sich das von außen messen lässt, die Garantie dass es an einer Förderschule besser läuft, habt ihr nie)? Viele Grüße!

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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon Hyazinthe » 02.03.2018, 18:46

P.S.: Trotzdem würde ich versuchen, konstruktiv auf die Lehrerin zuzugehen. Was genau hat sie denn an Möglichkeiten 'ausgeschöpft' (außer Druck machen), das an einer Förderschule besser laufen könnte? Was genau erwartet sie, dass sie dort mit ihr tun? Stroh zu Gold spinnen? Oder geht es einfach nur darum, sie weg zu haben, weil sie durch ihr anderes Verhalten auffällt? Aus meiner Sicht ist es ganz klar: Wenn sie im Stoff gut mitkommt, und das auch schriflich nachweisen kann, hat sie an einer Förderschule nichts zu suchen.

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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon laleteddy » 02.03.2018, 19:35

Ich danke euch, für eure meinungen!

Wir hatten damals mit der lehrerin abgesprochen, dass meine tochter versuchen sollte auf ein tonbandgerät ausserhalb der klasse zu sprechen. Hat ihre lehrerin meiner tochter nie angeboten. Das einzige, was sie "ausgeschöpft" hat, war, ein zettelchen auf den tisch der schüler zu legen, die sich nie oder nur selten melden, wo drauf stand "öfter melden"! Wenn es nicht so traurig wäre, hätte ich mich über diese maßnahme bei einem mutistischen kind tot gelacht! Mit einem stück papaier ist es leider nicht getan... Schön wenn es so einfach wäre...

Meine tochter belastet das schon, dass sie in der pause oft allein ist und es tut mir auch so leid für sie.

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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon Hoffnung » 02.03.2018, 19:47

Hallo Lateteddy,

meine Meinung als Ex-Mutistin ist, dass es das allerschlimmste ist, was man einem normal intelligenten mutistischen Kind antun kann, es in eine Förderschule zu stecken. Ich bin mir sicher, dass ich an einer Förderschule total verweigert hätte, weil ich mich extrem gedemütigt gefühlt hätte - vor allem als 11Jährige - also ein 6-Jähriges Kind versteht den Unterschied zwischen normaler Schule und Förderschule vielleicht noch nicht so (es ist aber auch furchtbar, eine 6Jährige in eine Förderschule zu stecken!) - mit 11 ist es einfach katastrophal. Wenn deine Tochter jetzt bei der Logopädin Fortschritte macht, könnte man in der Therapie ja darauf hinarbeiten, dass deine Tochter an einer anderen normalen Schule einen Neustart schaffen kann. Da sie in der jetzigen Schule ja sowieso keinen Anschluss hat, praktisch isoliert ist und die Lehrerin auch kein richtiges Verständnis hat, kann es ja eigentlich nicht schlimmer werden, sondern nur besser! Ich finde es nicht schlimm, dass das Mädchen dann mit neuen Kindern und Lehrern konfrontiert wird - ganz im Gegenteil! In der jetzigen Schule ist es - trotz der Fortschritte, die sie in der Therapie gemacht hat - ein enormes Hindernis, dass alle wissen, dass sie nicht redet, dass alle von ihr erwarten, dass sie nicht redet.... Wenn Ihr Selbstwertgefühl in der Therapie aber entsprechend aufgebaut wird und ihr klar gemacht wird, wie toll das werden wird, wenn sie in der neuen Schule reden wird, nicht mehr als Außenseiterin allein da stehen wird - dass sie das schaffen kann - dann hat sie meiner Ansicht nach weit bessere Chancen als an einer Förderschule.

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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon Schlusi » 02.03.2018, 20:29

Hallo,

es hängt echt von der Schule und den Lehrern ab.
Unsere Tochter ist ja ab der sechsten Klasse auf eine Sprachförderschule gewechselt.
Und in unserem Fall war es genau das richtige.
Wohlwollendes und tolles Klima in der Klasse.
Weniger Kinder, weniger Reizüberflutung.
Trotzdem die Möglichkeit dort den Realschulabschluss zu machen.
Lehrer, die mit Mutismus umgehen konnten.
Andererseits gab es aber auch eine andere mutistische Schülerin, die dort nicht gut voran gekommen ist.
Aber das muss nicht unbedingt an der Schule gelegen haben, denke ich.

Gibt es denn nicht die Möglichkeit für Deine Tochter einmal ein oder zwei Wochen dort zu hospitieren?
Dann könnte sie entscheiden, ob dies das richtige für sie ist.
Ich würde mal fragen, ob das möglich ist.

Unsere Tochter hat zwischendrin - während sie auf der Förderschule war - auch mal in einer Regelschule/Realschule hospitiert.
Aber sie wollte dann doch wieder zurück auf die Sprachförderschule.

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

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Re: Lehrerin will unbedingt, dass meine Tochter auf eine Förderschule geht

Beitragvon Hyazinthe » 02.03.2018, 22:05

Hallo,

ich halte Sprachförderschulen ganz allgemein für eine Fehlentwicklung. Die Sprachförderung kann man Kindern auch an der allgemeinen Schule 'angedeien' lassen. Dazu braucht es keine separaten Räumlichkeiten. Eine Didaktik die nur für sprachbehinderte Schüler konzipiert ist, ist eine Ausgeburt der Fantasie, so etwas funktioniert nicht, weil die Kinder ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben und Selektiv mutistische Kinder noch mal ganz speziell, da sie gar nicht 'sprachbehindert' sind. Trotzdem freut es mich natürlich, wenn es im Einzelfall dennoch gut geht und die Kinder keinen Schaden davontragen.

Ich finde Schlusis Vorschlag, sie solle sich die Schule einmal ansehen gut, weil sie respektiert, dass es beim Kind liegt zu mitentscheiden, wo es hin will. Sonst geht die Entscheidung, da stimme ich 'Hoffnung' zu, ohnehin 'in die Hose'. Ein Neuanfang an einer Regelschule ist auch ein guter Gedanke. Grüße!


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