Leichte Form von Mutismus?

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

Moderator: Elfa

Oschiii
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Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Oschiii » 25.04.2018, 10:36

Hallo ,
ich bin Mama von einem Jungen der 8.Jahre alt ist.

N. konnte von Anfang an schlecht hören, deshalb entwickelte sich seine Sprache nicht so wie bei andern gleichaltrigen. Mit 2,5.Jahren bin ich zum HNO gegangen woraufhin N. operiert wurde (Polypen,Trommelfellschnitt) ab da begann auch die Logotherapie. Mit kleinen Schritten entwickelte sich N in seiner Sprache. 2016 wurde N eingeschult. Als I Kind Sprache in einer InklusionsGrundschule in Niedersachsen.

Seine Sprache ist bis heute stetig gewachsen,so das er im normalen Unterricht super mitkommt. Ohne Probleme erzählen kann. Phasenweise ist die Grammatik etwas holprig sowie einige Laute. Er geht weiterhin zur Logopädie.

Letztes Jahr bin ich mit ihm zum Psychotherapeuten gegangen, aufgrund das ich mehrmal mit ihm an Grenzen gestossen bin wo ich keine Lösung mehr hatte, auslöser war ua. das er aus der Nachmittags Betreuung weggelaufen war.

N. wurde getestet, hat einen überdurchschnittlichen IQ, kein Autismus, einen Hang zur Depression sowie leichte Angststörung. Jetzt nach einem Jahr Therapie, durfte er diese beenden. In diesem Jahr hat er mega Fortschritte gemacht, er war sehr umgänglich. Keinerlei Vorfälle in der Schulzeit.

2x durfte ich zur Schule kommen, da N. nicht in die Schule reingehen wollte nach Pausenende, und auch mit KEINEM Sprach. Ich hatte nach kurzer Zeit einen Zugang zu ihm. Auslöser war Ärger mit Mitschülern. Welchen man hätte kurz und knapp lösen können. Da N aber nicht sprach und keinen an sich ran liess,wurde ich angerufen.

N. bekam deswegen eine Klassenkonferenz und eine Auszeitkarte, die er nach eignem Ermessen benutzen kann wenn er wegen einer Situation nicht sprechen möchte.

Jetzt meine Frage, aufgrund der Sprachentwicklungsverzögerung in den ganzen Jahren...kann es sein das er einen Mutismus entwickelt hat? Wir kann ich ihm helfen, ihn stärken und vorallem die Lehrer?

Liebe Grüße aus dem Vorharz Oschiii

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Stille Stärken » 25.04.2018, 11:26

Hallo Oschiii,

eine akute Angstattacke kann durchaus sprachlos machen. Und auch bei depressiven Erkrankungen kommt es oft zu schweigsamen bzw zurückgezogenen Phasen. Das heißt nun nicht, dass Selektiver Mutismus nicht zusätzlich auftreten kann - aber bei bisher nur zwei Vorfällen würde ich eher nicht davon ausgehen.

Selektiver Mutismus ist bei den meinsten Kindern nicht die Folge einer Sprachentwicklungsstörung oder einer organischen Einschränkung. Er tritt auch in der Regel bereits sehr früh auf (in Kita/Kindergarten). Ohne hier eine Ferndiagnose stellen zu wollen, würde ich eine Angstattacke als wahrscheinlichere Ursache des Schweigens vermuten. Und die Auszeitkarte ist vielleicht genau die richtige Lösung, um ihm die Überforderung zu nehmen.

Vielleicht kannst du dich ja nochmal mit dem Therapeuten beraten, der deinen Sohn besser kennt. Denn aus der Ferne ist es gar nicht so leicht, konkrete Ideen für dich und den Lehrer zu finden, die zu deinem Sohn optimal passen.

Herzliche Grüße
Christine

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 10.05.2018, 08:30

Hallo Oschiii,

wer hat denn Deinen Sohn auf 'Autismus' getestet? Nicht alle kennen sich da aus, so dass es schwer sein kann, hier eine 'Ausschlussdiagnose' zu treffen. Wurde zum Beispiel der 'ADOS' oder ADI-R'-Test durchgeführt? Das ist trotz aller auch hier bekannten Mängel immer noch der 'Goldstandard'. Wenn man genaueres wüsste, könnte man ihm auch besser helfen. Psychologen tappen da oft im Dunkeln. Eine Diagnose 'Depression' ist leichter zu stellen, sie kann auch immer noch zusätzlich infolge einer (unerkannten) Grundstörung auftreten. Aber was ist daraus die Konsequenz - etwa Medikamente in dem Alter? Was den 'selektiven Mutsmus' angeht, da sehe ich es ähnlich wie Christine. Nur, weil er ein paarmal geschwiegen hat? - Er konnte vielleicht unter anderem aufgrund der Sprachentwicklungsverzögerung die Geschehnisse nicht so gut in Worte fassen - und hat aufgrund dieser Überforderung eventuell geschwiegen. So, wie ich es verstanden habe, liegt ja keine organische Einschränkung (Mittelohr-Ergüsse, eine bestehende Schwerhörigkeit) mehr vor.

Viele Grüße,
'Hya'

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 10.05.2018, 08:37

P.S.: Eine gute Ausgangssituation ist, wenn er in dieser 'Inklusionsschule' einen für ihn zuständigen Schulbegleiter/-begleiterin hat, die ihm die Konflikte erklären und mit ihm im Nachgang oder schon als Prävention (z.B. per Comic-Strips) durchgehen kann, manche Kinder verstehen oft nicht, warum sie sich Ärger einhandeln. Dann hilft eine Konsequenz eher wenig. Eine Auszeitkarte, die er sich selbst nimmt, falls er mal wieder 'nicht sprechen möchte' ist von einem Mutismus ausgehend unsinnig, weil das Kind sich in dem Fall nicht frei entscheidet, nichts zu sagen.

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 17.05.2018, 07:04

Hallo nochmal,

meine Formulierung mit dem 'Goldstandard' ist nicht mehr aktuell. 'Leichtere' Formen des Autismus mit normaler oder hoher Intelligenz fallen aus dem Test leicht heraus :wink:

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 20.05.2018, 09:09

Hallo nochmal,

eine 'leichte' Form des Mutismus kann es meines Erachtens gar nicht geben. Schweigen ist aus meiner Sicht - mal sehen, ob mir der neue ICD-11 da recht geben wird, eher ein Symptom als ein Syndrom. Es ist bereits durch die Schwere - lange anhaltendes Schweigen in bestimmten Situationen - definiert und nicht durch kurzfristige 'Blockaden'. Die mag es zwar geben, aber dann sollte man es noch nicht 'Mutismus' nennen. 'Autismus' ist dagegen ein 'Syndrom'. Autistische Kinder können in manchen Fällen ihren Autismus sehr gut verstecken (insbesondere Mädchen) und dann unterhalb der Diagnosegrenze bleiben.

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 21.05.2018, 06:57

Hallo manup,

wenn Sie nur noch ab und zu blockiert sind, würde ich von einem 'Restmutismus' sprechen. Das soll keine Wortklauberei sein, aber Mutismus ist eindeutig definiert, und warum soll man sie noch so bezeichnen, wenn sie nur noch 'Reste' davon haben, also insgesamt auf einem guten Weg sind. . . :) ? Wenn man dann an der Diagnose festhält, nagelt man sie doch nur fest.

Was meinst Du damit, dass Deine Kinder sich nicht outen wollen in der Schule, wo doch eh schon alle wissen, dass sie früher nicht gesprochen haben? Dann würde ich - falls die Kinder (ich nehme an, die Lehrer wissen schon bescheid), nicht 'Bescheid' wissen - auf diesen Begriff eher verzichten. Oder meinest Du die Diagnose 'Asperger Autismus'? bzw. 'Asperger-Syndrom'? Auch mit dieser Diagnose können viele (auch Erwachsene, in dieser Hinsicht ungebildete) nicht gut umgehen, weshalb ich es mir sehr gut überlegen würde, diesen Begriff anzubringen. Aber Deine Kinder müssen die Gelegenheit haben, sich damit (evtl. auch therapeutisch) auseinanderzusetzen, dass sie anders sind. Sonst gelangen sie immer wieder in Situationen, wo sie aus Angst schweigen. Andere Kinder mit Asperger-Syndrom wiederum können sich beibringen, andere in ihrem Verhalten so gut zu kopieren, dass man das Anders-Sein ihnen kaum noch anmerkt, aber sie geraten dann unter einen hohen Druck, weil sie sich immer verstellen müssen und entwickeln womöglich andere Erkrankungen wie Magersucht, Depression, Ritzen, Borderline usw. Liebe Grüße!
P.S.: Ein neues Magagin ist erschienen, erhältlich unter: magazin.autismus-verstehen.de

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 21.05.2018, 08:45

Hallo Manup,

aber das ist doch genau der 'Knackpunkt', sie können sich nicht von ihrem Mutismus lösen, weil sie immer noch meinen, ihr Asperger-Syndrom verstecken zu müssen. Ich finde, da wäre doch eine Therapie bei einem Autismus-Therapie-Zentrum (ATZ) in Eurer Nähe angebracht, sie müssen sich als Jugendliche für ihre Identitätsfindung dringend damit auseinandersetzen, auch wenn das kein Spaß ist. Und die Lehrerin sollte auch von dem Asperger-Syndrom wissen, dann wird sie für den Selektiven Mutismus Deiner Kinder (als Sekundär-'Erkrankung') auch mehr Verständnis aufbringt. Wenn sie auf eine Regelschule gehen, finde ich allerdings, dass die anderen Lehrer und auch die Schulkameraden nicht unbedingt damit behelligt werden sollen. Liebe Grüße

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Re: Leichte Form von Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 21.05.2018, 17:24

Hallo Manup,

Autimus-Spektrum-Störung ist nur dann ein Handycap, wenn man nicht darauf eingeht. Dafür aber - und auch für eine geeignete Therapie - wäre eine Diagnose schon wichtig. Deine Kinder spüren auch so im Miteinander, dass sie anders sind, und eine Diagnose hilft ihnen vielleicht, sich deswegen nicht 'schuldig' zu fühlen, sondern eine Erklärung dafür zu haben, warum es so ist. Mehr fällt mir auch nicht dazu ein. LG, 'Hya'


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