Vortrag über selektiven Mutismus

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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sternenkind7
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Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon sternenkind7 » 25.05.2018, 21:26

Hey ihr,
ich habe eine Facharbeit über das Thema „Ursachen und Folgen von selektivem Mutismus bei Kindern“ geschrieben und werde am 4.6. meine Präsentation halten. Ich selbst bin nicht vom Mutismus betroffen und hab innerhalb meiner Familie auch noch keine Erfahrungen damit gemacht. Ich bin über das Thema mal gestolpert und fand/finde es sehr interessant.
Nun brauche ich einen geeigneten Einstieg in das Thema, welcher die Symptomatik des selektiven Mutsimus kurz darstellt, sodass sich mein Publikum (Gymnasium, 11. Klasse, Seminarfachkurs: Erwachsen werden- Adoleszenz und Initiation) etwas darunter vorstellen kann, da bis jetzt keiner mit dem ich darüber gesprochen hab (mit Ausnahme meines Lehrers) je davon gehört hat, bzw. wusste, was es genau damit auf sich hat.
Was haltet ihr davon, wenn ich mich erst einmal vor den Kurs stelle, ohne etwas zu sagen? Denn gerade in diesen Situationen, in denen der Betroffene im Mittelpunkt steht, treten eben die Symptome bzw. das Nicht-Sprechen auf. Ich habe nur meine Zweifel, ob meine Zuhörer das verstehen… Hmm, oder habt ihr vielleicht einen geeigneten Kurzfilm darüber oder so?
Außerdem muss ich während meines etwa 10- höchstens 15 minütigen Vortrages das Publikum immer mal wieder mit einbeziehen, so etwa mit Fragen oder Umfragen.
Ich bin euch wirklich dankbar, wenn ihr mir da helfen könntet  Wäre echt lieb! Danke schonmal!!

Hoffnung
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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hoffnung » 26.05.2018, 06:43

Hallo sternenkind7,

ich glaube nicht, dass deine Mitschüler Mutismus verstehen, wenn du dich zuerst schweigend vor die Klasse stellst und dann ganz normal redest - das würde eher den Eindruck machen, dass Mutismus so ist, dass man nach kurzer Zeit, in der man blockiert ist, ganz normal reden kann. Und genau das ist ja nicht der Fall.

Ich würde eher mit der Schilderung einer Situation anfangen, z.B. so "Stell dir vor, du gehst auf der Straße und es kommt dir jemand entgegen und fragt nach dem Weg - eine ganz harmlose Situation, eine nett aussehende Person, die nur nach dem Weg fragt..... Und du gibst keine Antwort, weil du nicht kannst. Du erstarrst zur Salzsäule, du denkst nicht darüber nach, ob du jetzt etwas sagen sollst oder nicht oder was - du denkst gar nichts, weil du total blockiert bist. Da ist kein Antworten - Wollen aber auch kein Nicht - Wollen - da ist nichts - nur die Schutzmauer, die der Mutismus um dich herum aufgebaut hast - du kannst nicht sprechen! Schließlich schaffst du es weiterzugehen, schnell nach Hause, du fühlst dich furchtbar - sicher hat die Person, die dich gefragt hat, gedacht, dass du dumm bist oder behindert. So oft hast du das schon erlebt und es ist so furchtbar.

Zu Hause angekommen, musst du deinen Frust abbauen, du redest wie ein Wasserfall, bist manchmal auch frech und aggressiv - wenn du mit deinen Geschwistern streitest, dann kannst du dich auch durchsetzen - du kannst ja reden, sehr gut sogar und du tust es auch - aber nur in dem Bereich, der nicht vom Mutismus betroffen ist. Der Mutismus zieht da eine genaue Grenze, welche Personen, Personengruppen oder Situationen "Redesituationen'" sind und alle anderen Situationen sind "Schweigesituationen" und "selektiv" bedeutet nicht, dass du dir aussuchen kannst, wann du sprichst oder nicht."

Und dann könntest du deine Zuhörer einbeziehen und fragen, was sie denken, was so ein schweigendes Kind bzw. Jugendlicher zwischenmenschlich erlebt, wie all die Menschen auf das Schweigen reagieren, z.B. in der Schule, wenn das Kind in der Schule überhaupt nicht spricht..... Wie sich so ein Kind fühlt -und vor allem, was für eine Einstellung es zum Sprechen ganz allgemein entwickeln wird......

Hyazinthe
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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 27.05.2018, 07:31

Hallo Hoffnung,

finde ich super, Deine Anregungen! Das könnte man 1:1 so übernehmen, um einen ersten Einstieg in das Thema zu schaffen. Aber das muss 'Sternenkind7' entscheiden. Ich finde es auch nicht glücklich, einen Vortrag über Mutismus mit Schweigen zu beginnen. Ich glaube ich habe das mal an der Uni ebenso versucht - ich meine es war ein Gruppenreferat, wo wir uns aufgeteilt hatten. Aber mit eher geringem Erfolg, was das Verständnis für das Thema anbelangt. Auch könnte es so leicht mit 'Sprechangst' verwechselt werden, also einer Art Lampenfieber, wenn man vor Gruppen etwas vortragen soll. Nach meiner Erfahrung muss beides- also ein 'Restmutismus' und 'Sprechangst' gar nicht miteinander zusammenhängen, weil man sich auf ein Referat ja vorbereiten kann. Meiner (mutistischen) Erfahrung nach sind es eher die spontanen und ungewissen (Re-)Aktionen des Gegenüber, die Mutismus als Verhalten auslösen. Oder man geht schon mit einer gewissen Erwartungsstarre in eine Situation hinein, was die Wahrscheinlichkeit dafür noch potenziert.

Viele Grüße!

P.S.: Gestern habe ich mit einem Bekannten eine Ausflug gemacht. Es ist mir schwergefallen, mich abzugrenzen und ihm zu sagen, dass er es unterlassen soll, Fotos von mir zu machen. Ich mag Fotos nicht, weil ich darauf eh nicht authentisch rüberkomme und auch so mag ich es nicht gern, fotografiert zu werden. Leider hat er darauf wenig Rücksicht genommen und ich wollte die gute Stimmung nicht zerstören. Ich merkte dabei einen Restmutismus bei mir.

Hoffnung
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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hoffnung » 27.05.2018, 09:17

Hallo Hyazinthe,

ich kenne auch Situationen, wo die Entscheidung "lieber nichts sagen" lautet - aber ich sehe das nicht als Restmutismus. Ich sehe es eher so, dass ehemalige Mutisten eine ganz besondere Sensibilität für die Sprache bewahren, für das, was mit dem Sprechen ausgelöst werden kann, welche Folgen das Sprechen haben kann..... und dann bewusst darauf verzichten, sich in einer bestimmten Situation durchzusetzen - mutistisches Schweigen hingegen passiert automatisch, ohne bewusste Entscheidung, ohne Nachdenken der Folgen in der konkreten Situation, es ist einfach so....

Solange eine gute Mischung von Sich-Durchsetzen-Können und Mein-Leben so- gestalten-Können, wie es für mich richtig ist und auch einmal darauf verzichten, meine Meinung durchzusetzen besteht - ist das doch ok! Und letztlich kann ich dann sogar stolz darauf sein, z.B. die gute Stimmung in einer Situation bewahrt zu haben, indem ich nicht meinen Standpunkt durchgesetzt habe.

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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 27.05.2018, 14:49

Hallo Hoffnung,

das ist eine gute Ansicht (und eben eine optimistische dazu), dass man sich entschieden hat, nichts zu sagen. Das gibt mir retrospektiv betrachtet die Kontrolle über die Situation. Aber es hat sich eben in dem Moment anders angefühlt. Fühlen ist auch 'wahr'. Danke :) , 'Hya'

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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 27.05.2018, 14:58

P.S.: Und es stimmt, als ehemals mutistischer Mensch hat man eine ganz andere Bewusstheit darüber, welche Macht Sprache hat (und wie sie missbraucht werden kann). Und wie ohnmächtig man sich in Situationen der Sprachlosigkeit fühlt. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich vielleicht auch zu einem kleinen Teil aus Rücksicht ihm gegenüber (stottert leicht) mich nicht so durchgesetzt. Interessanter Aspekt. . .

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Re: Vortrag über selektiven Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 27.05.2018, 15:07

P.S.PS.: Ich hoffe, wir konnten 'Sternenkind7' ein wenig Infomaterial liefern. . . alles Gute für die Präsentation, und erzähle uns gern, wie sie gelaufen ist!


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