Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

Moderator: Elfa

nachtigall
Neues Mitglied
Neues Mitglied
Beiträge: 4
Registriert: 01.07.2018, 20:31

Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon nachtigall » 02.07.2018, 22:32

Hallo,

ich bin neu hier.

Ich habe eine 8-jährige Tochter die vor einem Jahr die Diagnose "selektiver Mutismus" von Dr. Hartmann bekommen hat.

Sie war ein Schreikind, hat schon als Säugling wenig gelächelt und hat sehr viele Verhaltensweisen gezeigt, die ich seit der Diagnose als "typisch mutistisch" deuten kann (nicht sprechen im Kiga, kein Toilettengang im Kiga, wollte ein Jahr lang nicht mehr sie selbst sein, sondern ein Löwe und hat nur noch in Löwensprache gesprochen etc.) .

Mich würde interessieren, ob Eure Kinder auch so viel mit Ängsten bzw. Phobien zu tun haben, die sich im laufe der Jahre abschwächen und durch neue ersetzen?

Meine Tochter hat eine:
- Knopfphobie (inzwischen abgeschwächt)
- Hundephobie (inzwischen abgeschwächt)
- Isst nicht mehr mit Messer und Gabel, weil schon andere das Besteck im Mund hatten und trinkt nur aus "ihrem" Becher
- hat panische Angst vor Zahnverlust
- hat Angst vor Ärzten, Krankheit, Verletzungen
- Hat Angst Essen zu probieren und isst am liebsten Nudeln, Reis oder Kartoffeln ohne Soße
- Verweigert seit unserem Bauernhofbesuch Eier, Milch (weil der Euter der Kuh so eklig ist) und Fleisch


Außerdem legt sie zu Hause ein sehr dominantes und oft auch renitentes Verhalten an den Tag und kann auch hier immer weniger sprechen (schafft seit einem Jahr kein "Bitte" und "Danke" mehr, möchte nie über sich und ihre Erlebnisse berichten). Sie ist oft sehr unfreundlich, unhöflich und unwirsch. Nur wenn sie etwas will, ist sie freundlich, ansonsten wird sie schnell aggressiv und unfreundlich. Sie ist auch sehr egoistisch, will immer nur das beste für sich und ist schnell genervt, wenn ich sie um etwas bitte.

Kennt Ihr auch solches Verhalten von Euren Kindern?

Ich freue mich auf Eure Antworten!

LG
Nachtigalll

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 03.07.2018, 05:55

Hallo Nachtigall,

ich frage mich, ob Deine Tochter auch auf eine Autismus-Spektrum-Diagnose hin getestet wurde. Für mich deutet vieles darauf hin, was zur Konsequenz hätte, das Verhalten Deiner Tochter in einem ganz anderen 'Licht' und nicht als 'egoistisch' zu betrachten. Auch wenn man diese Diagnose nicht in Betracht ziehen möchte, deutet eben doch vieles auf eine Entwicklungsstörung hin. Das hat zur Folge, dass sie viele Sinneseindrücke nicht richtig ordnen bzw. im Gehirn 'organisieren' kann, was zwangsläufig Ängste und auffälliges, egozentrisch wirkendes Verhalten zur Folge hat, weil sie ja wenig hat, auf das sie sich verlassen kann. Alles wirkt chaotisch auf sie. Ihr fehlt der 'sichere Boden' unter ihren Füßen. Auch Ergotherapie könnte in dem Fall Sinn machen oder eine Kindergruppe, die gemeinsam heilpädagogischen Sport macht und wo man auf ihre Wahrnehmungs- und Entwicklungsauffälligkeiten eingehen kann.

LG
'Hya'

nachtigall
Neues Mitglied
Neues Mitglied
Beiträge: 4
Registriert: 01.07.2018, 20:31

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon nachtigall » 03.07.2018, 08:26

Liebe Hyazinthe,

vielen Dank! Ich hatte früher, als ich noch nichts vom selektivem Mutismus gehört hatte über Autismus und Asperger bei ihr nachgedacht, hatte aber immer das Gefühl, dass das nicht so richtig passt. Aber ich habe es nicht testen lassen, sondern mir meine Meinung nur über Infos aus dem Internet gebildet. Insofern ist das ein sehr guter Tipp, den ich auf jeden Fall weiter verfolgen werde.

Vielen Dank!

LG
Nachtigall

Benutzeravatar
Schlusi
Urgestein
Beiträge: 2285
Registriert: 17.03.2005, 16:56
Wohnort: Niedersachsen

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Schlusi » 03.07.2018, 14:11

Hallo Nachtigall,

ich kann mich dem hier nur anschließen.
Es geht beides...Autismus-Spektrum-Störung und Mutismus.
Unsere Tochter hat auch beides.

Und Hyazinthe hat es schon sehr gut ausgedrückt, wie sich das verhält, auch wie das Verhalten auf andere wirkt, nämlich egoistisch.
Aber im Grunde genommen ist das alles gar nicht so. Dieser vermeintliche Egoismus kommt eben auch dadurch zustande, da alles so extrem stressig und anstrengend für unsere Kinder ist.

Sagen wir mal, wenn Du sechzehn Stunden am Tag hart gearbeitet hast und kommst nach Hause und Du kannst eigentlich nur noch eine Kleinigkeit essen, duschen gehen und totmüde ins Bett fallen. Und Dein Partner möchte Dir aber noch was erzählen, Du müsstest eigentlich noch den Haushalt machen, Freunde kommen spontan mit einer Torte und wollen mit Dir gemütlich plaudern,...und...und...und. Könntest Du das dann noch oder würdest Du dann nicht einfach mal sagen..."lasst mich alle in Ruhe, ich will jetzt nicht". Und dann würden alle erstaunt und verständnislos über Dein egoistisches Verhalten ablästern. Dies mal etwas überspitzt beschrieben.

Noch mal zu der Entwicklung Deiner Tochter...unsere Tochter wollte immer ein Bär sein, sie hat(te) auch viele verschiedene Ängste, so z. B. Angst, dass irgendetwas auf ihren Kopf fallen könnte (Lampen oder wenn es in der Schule lose Deckenverkleidung gab). Mit der Nahrung verhielt es sich auch ähnlich. Heute ist das Thema Ernährung für sie noch wichtiger geworden, sie ist Vegetarierin. Auch verträgt sie nicht alles, macht sich sehr viel Gedanken, was sie essen kann und was nicht. Und überhaupt meint sie auch, dass die Tiere, die wir essen, seelische Qualen leiden und alles was daraus zum essen hergestellt wird, schadet somit auch unserer Seele, weil wir dieses stressverseuchte Zeug essen. Sie will dieses Leid der Tiere nicht weiter mit unterstützen.

Was ich noch erwähnen möchte, wenn man das Kind mit seinen Besonderheiten erst einmal richtig verstanden hat, dann empfindet und bewertet man vermeintlich unfreundliches Verhalten ganz anders. Es kann sein, dass Deine Tochter gewisse Dinge, Dein Agieren als grenzüberschreitend wahrnimmt. Ich könnte jetzt z. B. auch nicht spontan in das Zimmer meiner Tochter gehen und irgendetwas von ihr wollen. Das muss alles einen Tag vorher abgestimmt und abgesprochen werden. Dann kann sie sich darauf einrichten. Also, wenn ich das eine oder andere bei ihr berücksichtige, dann ist es kein Problem, dass auch mal Wünsche und Bitten von mir von ihr erfüllt werden. In den Ferien kann sie das sowieso ganz gut.

Wenn Schule ist, dann ist sie nachmittags praktisch komplett zerstört, dann ist von ihr nichts mehr zu wollen und zu haben. Punkt. Fertig. Dann hat sie in der Schule alles aus sich herausgeholt, alles gegeben, ist über ihre Grenzen gegangen und dann entlädt sich der ganze Frust, die Wut und die Erschöpfung zuhause ganz einfach. Hinzu kommen dann noch Ängste, weil sie sich jeden Tag fragt, wie das alles weitergehen soll, wenn sie jetzt schon täglich so an ihrem Limit ist. Daneben sieht sie was andere ganz selbstverständlich jeden Tag leisten können, ohne das es ihnen besondere Schwierigkeiten bereitet und ohne dass sie über die Maßen erschöpft sind, usw. Das sind so Dinge, die man wissen und bedenken muss. Es kann ja sein, dass sich das bei Deiner Tochter ähnlich verhält.

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 03.07.2018, 15:06

Hallo Nachtigall,

mir ist noch eingefallen: Wenn sie so isst, wie Du es beschreibst, besteht doch die Gefahr, dass sie sich sehr einseitig ernährt und darum 'fehlernährt' ist. Bist Du Dir da sicher? Wenn das so wäre, müsste man das dringend beobachten bzw. unter ärztliche Beobachtung stellen, weil es die Entwicklung (auch der Intelligenz usw.) doch sehr stark beeinträchtigt. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass eine 8-Jährige gewisse Nahrungsmittel so konsequent vermeidet wie Milch, Eier usw. Schließlich ist das auch in Kinderriegeln, Keksen usw. drin. Würde sie sich nur von Kartoffeln, Brot und Reis ernähren (wahrscheinlich lässt sie am Mittagstisch einfach Fleisch und Gemüse weg), wäre sie doch sehr in Gefahr. Ich kenne einen 7-Jährigen mit der Diagnose 'Atypischer Autismus' der sich hauptsächlich von Fleisch und Süßigkeiten wie Gummibärchen etc. ernährt. Ihm sind Obst und Gemüse ein Graus. Sogar ein Stück Melone würde er nicht anrühren, wo andere Kinder jubeln. Es gibt halt schon sonderbare Sachen, aber die gehören immer unter Beobachtung. Viele Grüße!

nachtigall
Neues Mitglied
Neues Mitglied
Beiträge: 4
Registriert: 01.07.2018, 20:31

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon nachtigall » 03.07.2018, 20:06

Liebe Hyazinthe, Liebe Stusi,

vielen Dank für Eure tollen, ausführlichen Beträge und guten Anregungen! So hatte ich viele Dinge noch gar nicht gesehen, obwohl ich mich für einen empathischen Menschen halte.

Ich fühle mich durch ihr Verhalten oft stark abgelehnt und zurück gewiesen und beziehe vieles sicherlich viel zu sehr auf mich, was – wie ich jetzt durch Euch erfahre – wahrscheinlich ganz andere Ursachen hat.

Ich werde das Thema Autismus auf jeden Fall weiter verfolgen, obwohl ich nicht wie vor ehr denke, dass sie "nur" mutistisch ist. Aber leichte autistisch Züge kann ich schon manchmal erkennen z. B. dass es ihr schwer fällt mit Veränderungen oder spontanen Planänderungen klar zu kommen (sofern sie nicht selbst den Plan geändert hat).
Früher war sie aber zu Hause ein sehr wildes, aufgeschlossenes, plauderndes, emotionales Kind, das auch gerne Körperkontakt (außer Küssen) mochte. Insofern dachte ich immer das passt nicht zum Autismus. Seit sie in die Schule geht, zieht sie sich aber immer mehr zurück. Wahrscheinlich weil sie die Vormittag dort so sehr beanspruchen (wie ich jetzt gelernt habe :lol: ).
Sie hat auch vielen Freunde, ist bei ihnen ganz locker und gelöst und schläft heute sogar zum ersten mal bei ihrem besten Freund und hat auch mit seiner Mutter gesprochen!!!

Auf jeden Fall tut es sehr gut, mich mit Euch auszutauschen und ich finde es toll, welch respektvoller Umgangston in diesem Forum gepflegt wird.

LG
Nachtigall

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 04.07.2018, 19:38

Hallo Nachtigall :D ,

ja, das ist so eine Sache mit der Empathie, die viele gerne für sich in Anspruch nehmen. Oft steckt nur das Phänomen 'Spiegelneurone' dahinter, also dass man ähnliche Erfahrungen teilt. Da autistische Menschen aber anders 'gestrickt' sind, haben viele Menschen erstaunlich wenig Empathie für sie übrig. LG!

P.S.: Da Du Deine Tochter lieb hast - wovon ich sehr ausgehe - werdet ihr aber einen Weg suchen und finden, Euch besser zu verstehen. Gut, dass Du Rat suchst. :) Ich hoffe, dass Deine Tochter bald wieder zuhause aus sich 'herausgeht' und lärmt und lebhaft und ja, auch anstrengend ist. Das ist ihre Weise zu sein. Aber sie hat auch viele Vorteile!

nachtigall
Neues Mitglied
Neues Mitglied
Beiträge: 4
Registriert: 01.07.2018, 20:31

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon nachtigall » 05.07.2018, 11:44

Liebe Hyazinthe,

ja, ich liebe meine Tochter sehr und will natürlich nur das Beste für sie. :lol:

Ich sehe es auf jeden Fall als Vorteil an, dass sie zu Hause ihre Meinung sagt, zeigt was sie will und ihr eigenes Ding durchzieht. Ich möchte einfach nur für sie, dass ihr Motor, Dinge zu tun, nicht von Angst und Stress angetrieben wird sondern von Mut und Lust. Und ich wünsche mir, dass sie ebenso gute Chancen im Leben hat, die Dinge zu erreichen, die ihr wichtig sind, wie andere Kinder.

Mir geht es gut, wenn sie zufrieden und glücklich ist. Sie liebt es z. B. als Funkemariechen zu tanzen und hat keine Problem damit vor 700 Leuten mitten auf der Bühne einen Spagat zu machen. Sie hatte null Lampenfieber vor der Aufführung und hat mir mindestens 100 Mal gesagt "Wann geht es endlich los?", "Ich freue mich so auf den Auftritt". Das sind Sternstunden für mich und ich wünsche mir für sie, dass es noch viel mehr Dinge gibt, die sich mit Begeisterung machen kann, weil sie keine Angst mehr davor hat.

Ich bin mir auch sicher, dass ihr die Schulegefallen könnte, wenn die Sprech-Angst nicht da wäre. Insofern sind wir weiter auf der Suche nach der "richtigen Therapie", weil uns ein Jahr Logopädie kaum weiter gebracht hat. Aber ich habe schon ein paar Ideen, wie es weiter gehen könnte.

Vielen Dank für Eure Hilfe!

LG
Nachtigall

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 05.07.2018, 14:21

Hallo Nachtigall,

freut mich, dass wir helfen konnten. Für selektiven Mutismus scheint sie auch ein recht 'untypischer' Fall zu sein (Funkemariechen :wink: )

LG,
'Hya'

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 05.07.2018, 15:47

Das sehe ich auch so und es war auch mehr scherzhaft gemeint . . . LG, 'Hya'

NinaO
Inventar
Inventar
Beiträge: 149
Registriert: 28.02.2015, 15:36

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon NinaO » 05.07.2018, 16:00

Hallo,
da kommen doch ein paar Erinnerungen bei mir hoch, wie ich Schule mit meinen Ängsten so erlebt habe. Nun bin ich ja als Schulbegleiterin tätig und werde oft getriggert und frage mich, wie ich das als Kind wohl ausgehalten hätte. Ich war bis zu den Sommerferien in einer Förderklasse mit nur 10 Kindern, die eigentlich alle ständig in Konflikten waren und Aggressivität mit körperlichen Gewalteskalationen eher die Regel waren. Seit Jahren liefe es in der Klasse schon und nichts wirke. Zum Glück war mein Kind davon nicht so sehr betroffen. Mir fällt dann aber mal wieder auf wie Kinder damit ja versuchen klarzukommen und ggf. mitmachen oder sich mutistisch zurückziehen.
Schule ist also für Kinder ein emotionaler Risikofaktor, v.a. wenn man innerlich eigentlich ein sehr kreativer, freudiger und friedfertiger Typ ist. Ich kann einfach nicht garstig sein und will es auch gar nicht. Jedoch wusste ich auch, dass ich ängstlich bin. Mit dem Essen war das auch so ein Problem, da ich fast nichts mochte außer das Marmeladenfrühstück. Es gibt da Kompensationen über die Seele, wenn wir nicht so "gesund" mit uns umgehen. So schnell passiert da nichts. Da war ich bei meinen Kindern entspannter und vor über 40 Jahren wussten Eltern auch nicht so wirklich, dass Cola und Co. sehr bedenklich sind. Ich mochte das süße Sprudelzeug zum Glück nicht so, aber es war halt Kult und gehörte dazu. Aber viel und regelmäßig konnte ich es nicht trinken.
Woher kommen nur diese Ängste und die Wirkungen auf das Essverhalten?
Inzwischen habe ich keine komischen Gefühle mehr, wenn ich vor anderen Leute esse. Das ist wie verschwunden. Mit dem Sprechen ist das noch so eine Sache, da ich über meine Gefühle nicht spreche bzw. nicht über das spreche, was emotional ist. Also als Schulbegleiterin nicht mit den Lehrern über meine Sorgen und Gefühle sprechen konnte, ich es nur aushielt. Nun habe ich schon seit Monaten enorme Rücken- folgend Beinschmerzen im Hüftbereich. Arthrose wurde ja gefunden, Hüfte nichts. Der Osteopath (lang ersehnte Hoffnung, denn Termine dauern Wochen nur zur Untersuchung) fand Rückwirkungen auf den Darm heraus, lokale Berührungen lösten den Hüftschmerz aus. Meinem Therapeuten erzählte ich davon, dass ich eine hohe psychische Komponente vermute, er wollte darauf nicht eingehen. Es sei nicht erwiesen, dass die Psyche auf den Rücken eine hohe und einzige Wirkung hätte. Ich vermute weiterhin eine Somatisierung. Nun arbeite ich daran, mehr dazu zu kommen, meine Gefühle überhaupt rauszufinden und mehr Unmut zu äußern. Dann setze ich auf die Ferien, die Rückenschmerzen sind bedeutsam zurück gegangen und das Kind, welches ich begleite wechselt in die 5. Klasse. Nun bin ich gespannt, was dieser Umfeldwechsel für ihn (denn ihn muss die Klassensituation auch enorm belastet haben und vom Lernen abgehalten haben; nun kann er sich Texte erlesen, während er vorher kaum dazu in der Lage war ...) neue Chancen bringt und hoffe auf einen neuen Start für uns beide.
Es ist aber alles "sehr anstrengend" und nicht einfach, obwohl ich es aber auch irgendwie gerne mag, sonst könnte ich es nicht weiter tun und ich möchte den Kindern so gerne helfen aus diesen Gewohnheiten raus zu kommen. Was nicht heißt, dass das Umfeld sieht, was sich alles positiv verändert. Es wird an alten vertrauten Erinnerungen festgehalten. Ein abgestempeltes Kind bleibt "verhaltensgestört".

Ich finde das alles so traurig, aber es ist die Normalität und die Menschen sind so. Wichtig ist wohl, dass sich immer welche finden, die konforme Ansichten haben und sich ähnlich darüber austauschen. Nur ändern tut sich dadurch eben nicht viel. Sondern nur über die Zeit und Wechsel im Raum: hier Klassen- und Schulwechsel.

Ach so und ich erinnere, dass es mir als Kind nichts ausmachte, wenn es von Erwachsenen koordinierte Spiele für Kinder waren. Ein Problem war wohl, wenn Kinder unter sich waren und man nicht wissen konnte, ob sie sich sozial verhalten werden. Ich hatte wohl auch immer Angst, dass sie etwas taten, was sie nicht tun durften. War diese Gefahr nicht da, war ich auch neugierig und konnte zumindest ohne Angst mit Kindern spielen. Das geht ja auch ohne viel zu reden. Ich erlebe Kinder da schon tolerant, halt wenn es etwas Lustiges oder Interessantes gibt, was das Kind mit ihnen mit macht. So war ich in der Grundschule beim Geräteturnen und wir hatten auch Auftritte vor Publikum, was ich aufregend aber positiv fand, es gefiel mir auf jeden Fall.

LG
Nina Onawa

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 14.07.2018, 06:43

Hallo NinaOnawa,

wenn diese Förderklasse so konfliktbehaftet ist, sollte das nicht alles 'über Deinen Rücken' ausgetragen werden. Man muss auch wissen - das bringt die Erfahrung - wann man in einem System (Familie, Schule whatever) etwas verändernd bewirken kann und wo man sich eher zurückzieht. Sich mutistisch zurückzuziehen ist keine Lösung, wie Du ja selber weißt. Du schreibst, Du würdest in dieser Situation 'getriggert', das kann gut sein, wenn Du z.B. ähnlich konfliktreiche Situationen erlebt hast, aus denen Du Dich nicht zurückziehen konntest. Die scheinbar 'Verhaltengestörten' sind die eigentlich 'Gesunden' in dieser Situation, denn sie verhalten sich insgesamt nachvollziehbarer. Ein solches System sollte aufgelöst werden, da es nicht funktional ist für die Kinder.

Liebe Grüße,
'Hya' :)

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 14.07.2018, 06:54

P.S.: Nun ist es nicht immer möglich, dass sich so ein System 'auflöst'. Aber die Verantwortlichen (Eltern, Klassenleitung) müssen sich für Hilfe von außen öffnen. Du als Schulbegleiterin bist - ebenso wie die Kinder - in einer eher schwächeren Position. Die Gefahr ist, dass Du selbst einen (mutistischen) Rückfall erleidest, weil Du die Situation so sensibel wahrnimmst, aber gleichzeitig die Möglichkeiten fehlen, etwas grundlegend ins Positive zu verändern.

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 14.07.2018, 07:11

. . . In dem Fall scheint es mir aber angemessen, das 'System' 'aufzulösen'. Was soll das überhaupt sein - eine Förderklasse? Ist das nun eine Klasse von scheinbar 'Nicht-Integrierbaren' an einer Regelschule, ist das eine Klasse innerhalb eines Förderschulsystems oder was ist damit überhaupt gemeint?

Hyazinthe
Urgestein
Beiträge: 1807
Registriert: 29.03.2004, 20:24
Wohnort: Hamburg

Re: Phobien/Ängste/renitentes Verhalten

Beitragvon Hyazinthe » 31.07.2018, 08:21

O.K., Förderklassen scheint es in Bayern häufiger zu geben. Sorry, dass ich dieses 'Inklusionsmodell' bisher noch nicht kannte . . . :roll: Viele Grüße! 'Hya'


Zurück zu „Mutismus-Forum“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste