Mutismus Medikation?

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dickbär
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Mutismus Medikation?

Beitragvon dickbär » 24.08.2009, 20:22

Wer kennt sich aus mit Mutismus Medikamenten?
Mein Sohn (elektiver Mutist) wird 7 Jahre alt, kommt jetzt zur Schule und eine Psychotherapie hat in 7 Monaten noch nichts bewirken können! Hilft eine zusätzliche Medikamentengabe von Serotonin oder Antidepressiva event. seinem Leidensdruck zu beenden?

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Stiller Engel
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Re: Mutismus Medikation?

Beitragvon Stiller Engel » 24.08.2009, 23:48

Bei so jungen Kindern wird von einem Antidepressivium abgeraten.
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Wir sind nicht auf die Welt gekommen um so zu sein wie andere uns haben wollen! :cry:

Liane
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Beitragvon Liane » 25.08.2009, 13:08

Johanniskraut richtig dosiert,wirkt genauso gut wie ein Antidepressivum.

dickbär
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Re: Mutismus Medikation?

Beitragvon dickbär » 25.08.2009, 15:53

Stiller Engel hat geschrieben:Bei so jungen Kindern wird von einem Antidepressivium abgeraten.

Vielen Dank für Deine schnelle Antwort! Habe gerade einen Leidensbericht gelesen in dem davon ausgegangen wird dass Mutismus eine biochemische Störung ist und es wurde einem 7jährigen GLADEM verordnet 1x25 mg (SSRI) Selective Serotonin Reupake Inhibitors. Es half nach nicht einmal 4 Monaten! Ein Einzelfall?

Auf alle Fälle kontaktieren wir erstmal einen Kinderneurologen!
Lieben Dank noch mal StillerEngel! Bist Du auch betroffen?

dickbär
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Beitragvon dickbär » 25.08.2009, 15:58

Liane hat geschrieben:Johanniskraut richtig dosiert,wirkt genauso gut wie ein Antidepressivum.

Hallo Liane!
Vielen Dank für Deinen Tipp! Besorge mir heute noch eine Dosis aus der Apotheke. Habe es auch schon mit normalen Vitaminen bei meinem Sohn versucht, hat aber nicht geholfen!

Werde es mit einem Kinderneurologen besprechen, denn mir wurde GLADEM ein SSRI Serotonin Wiederaufnahmehemmer emfohlen!
Bist Du auch betroffen?
Alles Gute und bis event. bald!

LadySeven
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Beitragvon LadySeven » 26.08.2009, 15:26

Was will man mit solchen Mittelchen bewirken? Die Persönlichkeit des Kindes verändern? Ja. Und wieso? Wieso muss man "dermaßen" in die Persönlichkeit eingreifen (ich will es nicht "Hirnwäsche" nennen, auch wenn es mir auf der Zunge liegt) anstatt es anderweitig zu versuchen? Und das Argument "funktioniert-nicht" akzeptier ich nicht. Vielleicht sollte man sich eher bemühen, mehr auf das Kind einzugehen und vor allen Dingen versuchen zu verstehen wieso dass Kind so ist. Was soll aus dem Kind werden? Soll es ein Leben lang irgendwelche Mittel nehmen damit es redet??? Soll es lernen „Wenn ich mich mit Medikamenten zudröhn kann ich reden, wenn ich „clean“ bleib, schweig ich. Weil ich reden will, muss ich also „Drogen“ nehmen!“? Man sollte sich meiner Meinung nach deutlich mehr Gedanken machen bevor man zu dem Entschluss kommt Kindern irgendwelche Medikamente einzuflößen.
Klar, bei Depression etc.pp. versteh ich ja wenn man mal(!) was nimmt, aber auch da nur ab gewissem Alter und nicht bei einem Kind, was nicht depressiv ist (sondern nur Angst (!) hat).

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Schlusi
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Beitragvon Schlusi » 26.08.2009, 17:35

Vielen Dank für Deinen Tipp! Besorge mir heute noch eine Dosis aus der Apotheke. Habe es auch schon mit normalen Vitaminen bei meinem Sohn versucht, hat aber nicht geholfen!


Ich würde auch die Einnahme von Johanniskraut von einem Arzt abklären lassen. Es gibt so viele Präparate in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen und Dosierungen. Da würde ich mich allein nicht dran wagen.

Hier noch ein Link:
http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffe ... nt-10.html
Da steht, dass man erst ab 12. Jahren Johanniskraut verwenden darf.

Auch Johanniskraut ist nicht nur einfach dadurch harmlos, weil es "nur" ein Kraut ist und keine Chemie.

Werde es mit einem Kinderneurologen besprechen, denn mir wurde GLADEM ein SSRI Serotonin Wiederaufnahmehemmer emfohlen!

Das kann ich alles verstehen. Ich habe das auch versucht, aber ich habe keinen Arzt gefunden, der das in dem Alter verschreiben konnte, durfte, wollte. In den USA ist das anders, da bekommen die Kinder, welche Störungen auch immer, richtige "Cocktails" und das auch schon mit drei Jahren. Die haben da keine Hemmungen.
Wer weiß wofür es gut ist, dass das bei uns so (noch) nicht erlaubt ist.

Auch wenn die Vermutung, dass Mutismus eben auch eine biochemische Störung ist, richtig ist, so sollte man doch nicht leichtfertig medikamentös behandeln. Jede Medikation beeinflußt das Gehirn und seine Entwicklung und niemand weiß eigentlich genau was da so passiert.
Ich habe da mal eine Dokumentation gesehen, wo es genau darum ging. Dort wurde das mal beleuchtet, was da so in den USA gemacht wird. Da gibt es Kinder, die aus der Medikation gar nicht mehr herauskommen, weil nämlich die Erstmedikation das Gehirn so beeinflußt hat, dass die Folgen oder ungewünschten Nebenwirkungen bzw. Verhaltensauffälligkeiten/Stoffwechsel etc. wiederum medikamentös eingestellt werden müssen und es in manchen Fällen schon gar nicht mehr ohne Medikation geht. Diese Kinder werden auch als Erwachsene weiterhin Medikamente nehmen müssen.

Ich will hier jetzt nicht weiter beunruhigen, ich kann Dich verstehen. Wie schon gesagt, wollte ich das für unsere Tochter auch.

Bei uns hat letztendlich die SYMUT-Therapie geholfen.
Momentan macht unsere Tochter (inzwischen 10 J.) eine Sozialkompetenztherapie bei einer Ergotherapeutin. Es geht stetig voran.

Ich wünsche Euch viel Glück!

Viele Grüße :)
Schlusi
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

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Beitragvon flohmaus » 27.08.2009, 07:04

Ich wäre da auch sehr vorsichtig mit Medikamenten. Mein Sohn, der 15 Jahre alt ist und auch unter Sozialangst und z. T. auch unter Depressionen leidet, hat ein SSRI verschrieben bekommen. Da es fast gar nicht geholfen hat, hat er es nach 4 Monaten wieder abgesetzt und fast eine Woche lang unter extremen Absetzproblemen gelitten (Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit), obwohl er es langsam reduziert hat. Das ist wie Drogenentzug.

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Wieso Medikamente?

Beitragvon LogoHolger » 22.02.2011, 22:43

Hallo,
voller Erstaunen stelle ich auch hier fest, dass mit Chemie seelische Probleme 'gelindert' oder 'geheilt' werden sollen.
Jeder Mutist will in seiner Verzweiflung verstanden und nicht 'gelindert' oder 'geheilt' werden; seht euch diese Menschen an, versteht ihre Zeichen, lasst euch den Grund ihres Schweigens zeigen, dann wird alles gut und ihr braucht ihren Körper nicht mit Chemie verseuchen.
Sehr oft spiegeln mutistische Menschen ganz einfach euer Verhalten, reagieren auf Fehlverhalten, dass ihre Seele verletzt. Aber unsere Fehlverhalten diesen Menschen gegenüber einzugestehen, ist sehr oft unbekannt und wenn bekannt, dann sehr schmerzhaft für uns. Sie sind nicht krank, sondern zutiefst enttäuscht, zutiefst verletzt.
Aber versucht das mal einem Arzt zu erklären.

Holger

Hoffnung
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Beitragvon Hoffnung » 10.01.2015, 08:15

Hallo Swera,

herzlich willkommen im Forum. Ja bei Mutismus steckt eine generelle Ängstlichkeit dahinter - der Mutismus selbst ist eine Angstbewältigungsstrategie, die eine Eigendynamik gewinnt. Deine Tochter sagt zu dir, dass sie Angst hat, zu antworten - sie hat nicht nur Angst, sie kann es einfach nicht, sie kann in der konkreten Situation nicht darüber entscheiden, vielleicht doch etwas zu sagen - die Situation entscheidet darüber - der Bereich - also die Personen oder Situationen, in denen sie schweigt, sind innerlich fixiert.

Das Erfreuliche am Mutismus ist, dass man sich schon entscheiden kann- nämlich dafür diese innerliche Fixierung aufzuheben, weil man sich grundsätzlich aus einer hohen Motivation heraus für das Reden entscheidet und es dann durch konsequentes Üben auch umsetzt - und dadurch auch die Angst verliert.

Deine Tochter ist noch in einem guten Alter, wo sie durch eine geeignete Therapie sehr rasch ins völlig normale Reden hininfinden kann. Schau doch in der Therapeutenliste unter www.mutismus.de nach. Das sind zertifizierte Mutismustherapeuten, die deiner Tochter wirklich helfen können - im Gegensatz zu vielen Kinderpsychologen, die von Mutismus Null Ahnung haben und die Kinder durch jahrelanges völlig falsches Vorgehen regelrecht kranktherapieren. Eine geeigente Therapie wäre es auch wert, einen weiten Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen.

Meine persönliche Ansicht ist, dass Symut eine Supertherapie ist - ich bin Ex-Mutistin und habe erst im Alter von 19 Jahren mit der Mutismusüberwindung begonnen. Ich glaube, dass man mir mit Symut (was es zu meiner Zeit noch nicht gegeben hat) aber schon als Kind rasch hätte helfen können. Es gibt aber auch andere geeignete Therapien, z.B. Komut..... also das Wichtigste ist, dass du dich überzeugst, dass der Therapeut eine Zusatzausbildung in Mutismustherapie hat - und dass er engagiert ist, denn es gehört voller Einsatz dazu, einem mutistischen Kind zu helfen - voller Einsatz des Therapeuten, voller Einsatz der Familie und des gesamten Umfeldes, das durch den Therapeuten auch entsprechend geschult wird, dem Kind in der richtigen Art zu helfen.

Du hast deinen Beitrag in einem Thread über Medikamente geschrieben - ich persönlich finde es nicht gut, einem mutistischen Kind Medikamente zu geben, vor allem nicht so einem kleinen Kind - durch ein Medikament kann keine Entscheidung für das Reden herbeigeführt werden - diese Entscheidung ist aber notwendig - weil deine Tochter sonst trotz Einnahme angstlösender Medikamente im Schweigen einfach festsitzt.

Ich wünsche deiner Tochter ganz viel Erfolg und eine tolle mutismusfreie Kindheit!


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