Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

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SHANEIKA
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Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon SHANEIKA » 22.01.2019, 11:20

HALLO ich möchte mich erstmal für Aufnahme bedanken ich habe eine 7 jährige Tochter mit selektiven Mutismus. Ich bin nahe an der Verzweiflung und kann bald nicht mehr. Meine Tochter spricht gar nichts in der Schule und zu hause wie ein Wasserfall auch in der Straßenbahn oder beim einkaufen hat sie keine Probleme. Sie bestellt auch mal was. In der Schule wäre sie eine der besten wenn man nur das schriftliche zählen würde aber die Lehrerin muss auch das mündliche zählen und dadurch fällt das Zeugnis schlecht aus. Ich weiss nicht was ich machen kann langsam bekomme ich Angst . Zu Hause ist Sie ein so aufgewecktes wissbegieriges und wortführendes Kind und in der Schule hab ich ein ganz anderes Mädchen das macht mich sehr traurig. Was kann ich tun ? Bitte helft mir

Hyazinthe
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 22.01.2019, 23:08

Hallo Shaneika,

herzlich willkommen hier im Forum! Ich habe auch bis zu der dritten Klasse fast gar nichts vor der Klasse erzählt. Redet sie denn in der Pause mit ihren KlassenkameradInnen? Ich war da eher ein Wildfang und habe mich zumindest in den ersten Klassen durch Fangenspiele usw. austoben können. Allerdings habe ich dann langsam so in der dritten Klasse angefangen, mich auch im Unterricht zu melden und knappe Antworten zu geben. Du musst nicht verzweifeln. Heute ist die Störung Mutismus bekannter. Es gibt (außer Psychologen) auch Sprachtherapeuten und Logopäden, die so etwas mitbehandeln. Allerdings könnte auch ein Asperger-Syndrom dahinter stecken. Auch das ist nichts Schlimmes. Deine Tochter ist sicherlich ein aufgewecktes Mädchen! Und darum ist es wichtig, dass sie weiterhin auf eine Regelgrundschule geht und nicht etwa auf eine Sonderschule abgeschoben wird. Manchmal macht auch eine Schulbegleitung Sinn. Aber gerade mutistische Kinder wollen keine 'Sonderbehandlung' und am liebsten so 'normal' sein, wie die anderen Kinder.

Viele Grüße, hoffentlich bekommst Du noch eine Menge guter Tipps, vielleicht wie man einen Nachteilsausgleich beantragt, 'Hya'

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Schlusi
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Schlusi » 23.01.2019, 11:45

Hallo Schaneika,

ein herzliches Willkommen auch von mir.
Fast möchte ich schreiben, dass wir auch einen langen Leidensweg hinter uns haben, aber das klingt so furchtbar negativ und entmutigend.
Und ich würde Dir gerne Mut und Zuversicht vermitteln, denn das ist wirklich angebracht. Unsere Tochter ist jetzt fast zwanzig Jahre alt und besucht gerade ein berufliches Gymnasium. Wir haben auf unserem Weg so ziemlich alles durch an verschiedenen Themen wie Therapien, Mobbing, Klinikaufenthalt, Diagnosen, Anerkennung einer Behinderung, Regelschule und Schulwechsel auf eine Förderschule, wieder Regelschule, Nachteilsausgleich.

Du hast jetzt nur knapp umrissen, wie sich der vermutete Mutismus Deiner Tochter äußert. Da finde ich es schon mal positiv, dass Deine Tochter außerhalb der Schule doch wohl einige Situationen kommunikativ ganz gut lösen kann. Manchmal spricht man daher auch von "Schulmutismus", wenn sich die Sprechblockade "nur" in der Schule zeigt. Der Mutismus ist natürlich deshalb für alle Beteiligten nicht minder schlimm, wenn es sich nur in der Schule zeigt, deshalb das "nur" in Anführungsstrichen.

Es gibt verschiedene Mittel, Wege und Möglichkeiten. Das alles individuell herauszufinden, bedarf etwas Zeit und Geduld und muss alles individuell angepasst werden. Eine Möglichkeit und niedrigste Hürde wäre zunächst die Lehrer über den Verdacht auf Mutismus anzusprechen und aufzuklären. Sich Infos besorgen und zu schauen, wie in der Schule darauf eingegangen werden kann, so dass Deine Tochter zugleich gefordert und gefördert werden kann. Dafür muss man aber abschätzen, ob und inwieweit die Lehrer gesprächsbereit sind und mitarbeiten können und wollen.

Es nützt nichts jetzt irgendetwas vorzuschlagen, wenn man die Gesamtsituation nicht kennt. Auch eine Therapie bei einer Logopädin, die sich mit Mutismus auskennt, wird auch eine Zusammenarbeit mit der Schule nicht umgehen können.

Möglich ist auch, dass Deine Tochter selbst aus dem Mutismus herauskommt und sich alles noch in der Grundschulzeit von alleine löst. Denn so ähnlich wie Hyazinthe schon geschrieben hat ist es ein Drahtseilakt, weil zu viel Aufmerksamkeit auf diese Problematik sowie Sonderbehandlung auch zum Teil negativ auf diese Symptomatik wirken kann. Da braucht es viel Feingefühl wann Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen übers Ziel hinausschießen und in welchem Umfang sie aber dringend notwendig sind, damit sich der vermutete Mutismus nicht noch weiter festsetzt.

So, das wären jetzt erst einmal meine ersten Gedanken dazu.

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

SHANEIKA
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon SHANEIKA » 24.01.2019, 15:39

Hallo vielen lieben dank für eure Ratschläge ich darf die Hoffnung nicht aufgeben nur ist es sehr schwer ich habe Angst . In psychologischer Behandlung ist Sie schon auch war sie schon in einer Klinik. Ich hoffe, dass das meine Kleine schafft sie ist so clever ich möchte nicht, dass Sie auf eine Sonderschule geht. Aber in der heutigen Zeit muss man reden können sonst ist man leider ein Außenseiter das ist so traurig

Hoffnung
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hoffnung » 24.01.2019, 18:35

Hallo Shaneika -

ja es ist traurig, wenn ein Kind Mutismus hat - es ist furchtbar, weil das Kind darunter leidet, auch wenn es sich nichts anmerken lässt - aber das Wunderbare und Erfreuliche ist, dass Mutismus vollständig überwindbar ist, wenn therapeutisch richtig vorgegangen wird. Leider wissen viele Psychologen nicht, wie da richtig vorzugehen ist - und in Kliniken haben sie oft genauso wenig Ahnung. Deshalb ist es enorm wichtig, einen Therapeuten zu suchen, der eine Ausbildung in Mutismustherapie hat - ich persönlich bin am meisten überzeugt von SYMUT - und bin der Ansicht, dass sich da auch ein weiter Anfahrtsweg lohnen würde, wenn in der näheren Umgebung kein solcher Therapeut ist. Im Therapeutennetzwerk unter www.mutismus.de kannst du nach Therapeuten suchen. Völlig absurd ist, dass oft sehr intelligente mutistische Kinder in eine Sonderschule gesteckt werden - dagegen musst du dich entschieden wehren. Mit der richtigen Therapie kann dein Kind in völlig normales Reden hineinfinden - und braucht auch keinen Nachteilsausgleich oder Schulassistenz - das ist alles kontraproduktiv. Wenn der Ehrgeiz im Kind geweckt wird, die Schule als sprechendes Kind super zu schaffen - dann kann es dazu kommen - und dann braucht das Kind später das Abitur auch nicht mit Hilfe eines Nachteilsausgleichs schaffen, weil es alles schriftlich machen kann - sondern es kann seine Mitschüler beim mündlichen Teil an Eloquenz übertreffen..... Pack es jetzt an und freu dich darüber, dass dein Kind es schaffen kann, in ein völlig normales Leben hineinzufinden.

Hyazinthe
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 25.01.2019, 13:47

Hallo nochmal,

kein Kind MUSS heute mehr auf eine Sonderschule ähm Förderschule gehen. Nach der UN-Menschenrechtskonvention, die auch Deutschland 2009 unterzeichnet hat, wird konsequent an der Inklusion gearbeitet und diese auch - mehr oder weniger glücklich bzw. erfolgreich - umgesetzt. Inklusion bedeutet nun nicht die zwangsläufige Abschaffung aller Sondereinrichtungen, sondern dass das Recht der Eltern (in Vertretung ihrer Kinder) gestärkt ist, die Kinder dort beschulen zu lassen, wo die Eltern dies wünschen. Also da, wo es ihrer Meinung nach Sinn macht. Und das ist bei Mutismus die Regelschule. Auch wenn - und das würde ich lieber mal kompetent abklären lassen - eine Autismus-Spektrum-'Störung' dahinter steht. Für Letzteres ist der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. (http://www.autismus.de) ein guter Ansprechpartner! Viele Grüße! 'Hya'

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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 28.01.2019, 22:42

Bei der coolen Klimastreiterin Greta Thunberg ist übrigens auch beides (Asperger-Syndrom und Selektiver Mutismus) diagnostiziert: https://de.wikipedia.org/wiki/Greta_Thunberg

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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 28.01.2019, 22:44

Immerhin können diese 'seltsamen Typen' manchmal auch Einiges bewegen - das sollte man immer beachten, wenn das nicht 'Normale' ausgegrenzt wird.

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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hoffnung » 29.01.2019, 18:27

Ich habe auch gelesen, dass Greta Thunberg mit 11 Jahren zu reden aufgehört hatte und dass Mutismus diagnostiziert wurde. Das bestätigt wieder einmal voll meine Ansicht, dass Mutisten eine ganz starke Motivation brauchen - etwas was als so wichtig empfunden wird, dass es von Innen zum Reden zwingt - Greta Thunberg hat diese Motivation gefunden..... Bei internationalen Konferenzen Reden zu halten, die die Welt beeindrucken - das ist doch eine schöne Aufgabe für Mutisten! - und wie man sieht, ist das auch zu schaffen!

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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon krimut » 11.02.2019, 09:36

Hallo Shaneika

Ich kann dich sehr gut verstehen. Mir ging es mit unserem Sohn damals genauso. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, Frau Emmerling nach Rat zu fragen? Uns konnte sie mit dem Mut-Training sehr gut helfen. Unser Sohn ist jetzt in der 2. Klasse und ist ein sehr guter Schüler, der auch aufstreckt und etwas vor der Klasse fragt, oder erzählt.

liebe Grüsse

sternchen42
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon sternchen42 » 05.05.2019, 20:33

Hallo,

Bin neu hier :wink:
Habe hier im Forum viel gelesen und finde meine Tochter wieder. Bisher stehe ich mit meinen Wahrnehmungen eher allein da. Standart ist “die ist schüchtern“.
Wie komme ich an eine Diagnose, damit ich mich in Richtung “Unterstützung zur Lebensverbesserung“ auf dem Weg machen kann? Wie finde ich die Profis in meiner Region?
Lg Sternchen42

Hyazinthe
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 06.05.2019, 19:02

Hallo Sternchen42,

'Wahrnehmung' ist ein gutes Stichwort. Eine Diagnose ist nicht das oberste Ziel, wenn es darum geht, die Lebensbedingungen eines selektiv mutistischen Kindes zu verbessern. Besser ist, man versucht, die Hintergründe, die das Leben Deines Kindes erschweren, herauszufinden. Leidet sie zum Beispiel unter Wahrnehmungsstörungen? Mir hätte es als Kind viel geholfen, wenn ich mehr Psychomotorik usw. angeboten bekommen hätte. Eine gezielte Therapie bei einer Logopädin oder eines systemische Therapie bei einem Familientherapeuten bringen vielleicht auch was, aber das würde nicht bei mir an oberster Stelle stehen. Auch über bessere Körperwahrnehmung kann ein Kind selbstbewusster werden. Ich empfehle das Buch von Grönemeyers Bruder in Zusammenarbeit mit Dorothea Beigel: Ich wär jetzt mal 'ne Fledermaus'. Die Übungen lassen sich auch von Laien durchführen und machen viel Spaß! Wie äußert sich denn der selektive Mutismus Deines Kindes? Spricht sie nicht außerhalb der Familie oder (nur) nicht in der Schule? Oder ist die Stummheit auf das Verhalten in Gegenwart bestimmter Personen (Verwandter oder z.B. Nachbarn) begrenzt? Ich hoffe, Du fühlst Dich durch die Fragen nicht bedrängt, aber ohne weitere Information (und ohne Sicht des Kindes) ist es auf die Entfernung hin immer schwer, Tipps zu geben.

Viele Grüße!

Hyazinthe
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Re: Möchte mich vorstellen und benötige Eure Hilfe

Beitragvon Hyazinthe » 06.05.2019, 19:08

Wichtig ist auch das Alter des Kindes. Wie nimmt das Umfeld (Personen, die das Kind kennen, außer Dir) das Kind wahr? Ist es für das Kind selber ein Problem, dass es kaum spricht oder wird es eher von außen (z.B. Schulnoten) problematisiert. Wurde das Thema von Schule/Kindergarten angesprochen?

Zunächst mal: Herzlich willkommen hier im Forum und fleißiges Mitdiskutieren :D !


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