Übungen zum Angsabbau

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Solveig
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Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Solveig » 01.01.2016, 19:29

Mein Bruder hat selektiven Mutismus. Er ist jetzt seit einem halben Jahr in einer psychiatrischen Klinik und hat gute Fortschritte gemacht. Er kann jetzt bereits mit den anderen Jugendlichen dort reden und auch mit einigen Therapeuten. Andere Dinge, wie z.B. etwas beim Bäcker bestellen, ist aber noch nicht möglich. Auch mit unseren Großeltern kann er noch nicht reden.
Nun soll er bald entlassen werden und soll weiter üben und an den Dingen arbeiten, die ihm noch schwerfallen.
Hat jemand eine Idee, wie man z.B. das Bäckerproblem angehen könnte? Er schafft es mit einem Betreuer zum Bäcker zu gehen und auf das gewünschte Brötchen zu zeigen, wenn den Betreuer das Reden übernimmt. Aber wie könnte das weitere üben aussehen, um die Angst abzubauen?

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Schlusi
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Re: Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Schlusi » 01.01.2016, 19:56

Hallo Solveig,

ja, ich hätte eine Idee. Ob die gut ist, hängt davon ab, wie Dein Bruder so ist, wie seine Angst so ist.
Bei unserer Tochter war und ist es so, dass die hohen Verkaufstresen schon eine angstbesetzte Hürde darstellen.
Selbst wenn sie sich überwinden würde, so ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie akkustisch nicht verstanden wird, weil sie mit ihrer nicht allzu lauten Stimme ja eigentlich erst einmal diesen hohen Verkaufstresen überwinden muss. Dann würde nachgefragt werden und dann geht bei ihr gar nichts mehr, wenn sie sich wiederholen muss, dann ist sofort Blockade.

Dann kommt es noch darauf an, ob und wie laut Umgebungsgeräusche sind. Ist da viel los drum herum. Das ist auch ein Hindernis für sie. Oder viele Leute vor und hinter ihr. Das kann mal gut sein, weil sie praktisch in der Masse etwas verschwindet und erst einmal mitschwimmen kann. Es kann aber auch besser sein, wenn sie alleine ist. Je nachdem. Bei uns gibt es jetzt eine neue ganz kleine Bäckerei, wo auch der Verkaufstresen weder hoch noch sehr breit ist, quasi ein kleider Laden. Da hat es unsere Tochter neulich sogar probieren wollen und es hat geklappt.

Es wäre also evtl. wichtig, dass Du mal Deinen Bruder fragst, ob er sich das aussuchen möchte, bei welchem Bäcker er es mal ausprobieren möchte. Unserer Tochter ist es auch immer wichtig, dass sie vorher von außen unauffällig reingucken kann. Dann entscheidet sie, ob der Moment passend ist oder nicht. Das sind alles so Dinge, wo man drüber sprechen müsste, sofern Dein Bruder über so etwas mit Dir, mit euch, sprechen möchte. Bei uns ist es dadurch leichter geworden, weil ich dann allmählich immer besser wusste, wo und was bei unserer Tochter noch angstbesetzt ist.

Das heißt ja nicht, dass sie sich gar nichts traut und sich nichts vornimmt. Aber wenn man erst einmal woanders es ausprobiert hat, dann versucht man es später auch mal in einem Geschäft, wo es schwieriger ist. Wir haben z. B. auch ganz normal im Einkaufsmarkt geübt, wo man einfach nur die Sachen auf das Band legt und nur bezahlen muss und gar nichts sagen muss. Diesen Vorgang einzuüben, hat auch schon mal geholfen, auch wenn da ja keine Sprechziele einzuüben waren. Aber dann bekommt man schon mal ein Gefühl dafür, dass man etwas alleine eingekauft hat. Das sind dann so Dinge, die das Selbstbewusstsein auch stärken.

Genauso kann man dann auch in Bezug auf die Großeltern vorgehen. Vielleicht kann er leichter auf sachliche Fragen antworten. Dann könnten die Großeltern ganz bestimmte Themen ansprechen, wo sie vielleicht etwas erfragen können, was Dein Bruder weiß, was so sein Hobby, sein Interessensgebiet ist. Nur so als Beispiel. Wenn Dein Bruder über sich selbst Bescheid weiß, dann hat er vielleicht selbst eine Idee, in welchem Rahmen und auf welcher Art er es sich am ehesten zutraut mal ein Wort mit den Großeltern zu wechseln, ohne dass er dann gleich alles können muss, einfach für den Anfang.

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

Solveig
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Re: Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Solveig » 01.01.2016, 20:18

Danke für die schnelle Antwort :)
Einkaufen ohne sprechen klappt schon ganz gut, wenn er einfach nur Sachen aufs Band legen und bezahlen muss.
Aber sobald es darum geht, dass er aktiv werden muss, wird es schwierig. Mit meinen Eltern und mir redet er über alles und holt quasi alles an Redepensum nach, was ihm außerhalb fehlt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass eventuell schon der Verkaufstresen eine Hürde darstellt. Auch die Blockade, wenn man sich wiederholen muss, kann ich gut nachvollziehen, da ich selbst eine leise Stimme habe. Bei unserem Bäcker kann man zum Glück von außen hineinschauen. Ich werde ihn morgen einmal fragen, ob vielleicht der Verkaufstresen einen Teil des Problems darstellen könnte. Vielleicht wäre es für ihn einfacher damit zu beginnen, die Kassierer zu grüßen (also einfach auch hallo zu sagen, wenn er gegrüßt wird.) Mit denen ist er dann ja nicht durch die Tresenbarriere getrennt.

Hyazinthe
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Re: Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Hyazinthe » 10.07.2019, 21:24

Hallo pispswarren,

also ich finde, es wird viel zu schnell nach der Psychiatrie gerufen. Wieso sollte man ein Kind mit Selektivem Mutismus oder mit Asperger-Syndrom da gut behandeln? Es ist doch in erster Linie die Umgebung, die ein Problem mit dem Verhalten des Kindes hat und nicht umgekehrt bzw. zunächst nicht. Welches Kind mit einer Bindungsstörung oder einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung würde sich dort freiwillig hineinbegeben und wieso sollte das Sinn machen?

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Re: Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Sonnenblume » 10.07.2019, 22:01

Hallo "Hya",
"pispswarren" hat auch nur einen älteren Beitrag kopiert.
Wir müssen hier echt aufpassen, was und wem wir antworten.
Zu der Situation hier kann man nichts mehr sagen....Kopfschüttel…..
Gruß, H.
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

_._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._
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Re: Übungen zum Angsabbau

Beitragvon Hyazinthe » 11.07.2019, 18:56

Hallo Heike,

ich dachte mir das schon, schließlich war dieser unpassende 'Link' darunter, aber danke für den Hinweis :) Schade, dass das Forum nicht besser gepflegt wird, aber auf der anderen Seite ist es ein bisschen mit diesen Bots wie mit einem Gemüsebeet, wo dann und wann Unkraut ('Bots') auftauchen, und das alles wieder ein bisschen 'umgegraben' werden muss. Dabei werden manchmal nicht die schlechtesten Beiträge ('Boden') wieder hochgeholt. Immerhin ist das Thema 'Psychiatrie' ein topaktuelles, vor allem nach Filmen wie 'Elternschule' (gruselig :evil: ). LG, 'Hya' :D


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