Was ist Mutismus?

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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NinaO
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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon NinaO » 07.05.2019, 18:58

Hallo,
also ich bin da übrigens eher autistisch veranlagt und für mich ist die Klarheit in der ICD-10 zumindest zwischen der eigenständigen Diagnose Elektiver Mutismus und einem Symptom Mutismus zu trennen, sehr wichtig. So gibt es in der Schizophrenie eindeutig das Symptom Autismus.
Inzwischen sehe ich meinen Mutismus eindeutig einem Entwicklungstrauma zuzuordnen, aber diese Diagnose gibt es ja noch nicht, sondern soll die kompelxe PTBS in der ICD-11 werden. Als ich da rüber las, passte irgendetwas aber auch nicht so eindeutig
Ich schreibe jedenfalls gerade an einem Fachbuch um halt dieses Symptom zu beschreiben, welches sich in vielen "Diagnosen" wiederfindet. Und finde es in dem Zusammenhang auch hoch wichtig genau zu schauen, welches Situationen und Sprechanforderungen wie problematisch sind, um in der Therapie gezielter drauf eingehen zu können. Bei mir brechen "komische, zu aufregende" Gefühle weg, weil eine Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin mir genau zuhörte und meine Wünsche mit ihren Ideen verknüpfte und ich so auch mal andere motorische Erfahrungen sammeln konnte und auch Verspannungen löste. Andererseits helfen mit Mechanismen, die das Nervensystem beruhigen, da sammel ich noch, habe aber schon vieles umregulieren können bzw. mein Organismus tat es selbst. Auch Aspekte aus dem Stotterer-Bereich waren mir sehr nah und auch da habe ich Ideen für mich gefunden, die mir halfen, das Chaos im Kopf zu besänftigen. Mir ist auch so, dass ich u.a. ins Schweigen ging, weil ich auf keinen Fall stottern wollte und es tatsächlich manchmal tat. Da habe ich gerade heute mit meinem Psychotherapeuten drüber gesprochen und das wollen wir mal mit Absicht simulieren. So habe ich auch interessantes bei Watzlawick (Lösungen) gelesen: das Symptom kontrolliert gerade ausführen; jedoch wie will man ein Schweigen erst recht anwenden, wenn man es ja schon überwiegend tut!? Aber es ging nicht aus meinem Kopf raus und da kam sie plötzlich die Idee, was ich im Alltag mal erst für mich und vlt auch bald unter anderen spontan machen kann. Einfach abrupt "einfrieren", denn das "erstarren" kenne ich ja von meinem Organismus selbst ausgelöst. Nun bestimmte ich es mal. Diese Kraft und Energie und erhöhte Präsenz und Aufmerksamkeit, die sich da bei mir in Sekunden auftrat, war schön bald irre schön. Es kann oft einfach gehen.
Anderes findet man von mir ja auch unter youtube, denn jetzt wo so vieles wegbricht, merke ich erst recht wie schlimm es eigentlich war. Zum Glück war es meine über 40 Jahre doch auch hoch vertraut und ich konnte mich durchmauscheln. Jetzt muss ich eigentlich lernen, mit diesen neuen Möglichkeiten klar zu kommen, denn es ist auch sehr emotional. Daher gebe ich die Psychotherapie vorsichtshalber noch nicht auf. Ich würde sagen, aber erst heute nach 40 Einheiten spürte ich, dass er mich verstand. Was mir auf jeden Fall fehlte, war auch ein "sicherer und spürbar guter Kontakt zu meinem Körper selbst." Da bleibt wohl noch viel zu tun und Erfahrungen mit sozialem Austausch dann sowieso noch.
Toll finde ich die Überlebensbücher von Claudia Croos-Müller. "Alles gut" - finde ich schon nützlich, aber noch nicht ausreichend für den wirklichen Moment. Heute fand ich dazu "Nur Mut" bei Herzklopfen und Panik und bin schon ganz gespannt.

LG
Nina Onawa

Hyazinthe
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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 07.05.2019, 20:27

Hallo NinaO.,

ich weiß nicht, wie sehr Du Dich mit Autismus auskennst, aber es adjektivisch zu gebrauchen, finde ich meistens problematisch. . .Jedenfalls können 'echte' Autisten in vielen Fällen auch eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) mit sich herumtragen, wenn nicht sogar die meisten (alle wäre jetzt etwas hochgegriffen, da das ja noch nicht erforscht ist). Wie will man trennen zwischen selektivem Mutismus als Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung oder irgend einer andern Störung und 'echtem' Mutismus? Und warum gibt es immer den nicht totzukriegenden Trend, Mutismus als eigenständige Störung und nicht als Symptom mit zig verschiedenen Ursachen zu etablieren? Die Beschreibungen in Diagnosekatalogen sind da zur Orientierung wenig hilfreich, weil sie wissenschaftlichem Zeitgeist unterworfen sind. Und Autismus als 'autistische Phase' in Zusammenhang mit Schizophrenie taucht höchstens noch in veralteten Psychiatriewerken nach Bleueler usw. auf. Es hat mit der heutigen Definition von ASS kaum was zu tun.

Viele Grüße!

P.S.: Vielleicht ist ja 'Entwicklungstrauma' der große 'gemeinsame Nenner' und wir können alle anderen Störungen (ASS, Mutismus, LRS, ADHS) bald da unterordnen. Das wäre nicht der falscheste Ansatz, wenn auch nicht der Neueste. Das Konzept gibt es unter anderen 'Firmennamen' schon länger :wink:

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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 08.05.2019, 17:07

Hallo manup,

ja das stimmt, dass die Mädchen häufiger 'kaschieren', dafür gibt es auch einen Fachausdruck, der fällt mir nur gerade nicht ein. Viele gelten dann einfach als 'klassisch' selektiv mutistisch und werden auch so behandelt. Das finde ich nicht einmal schlimm, heutzutage sollte man aber genauer hinschauen, und einen evtl. Asperger-Autismus dahinter zumindest berücksichtigen. Wenn man direkt nach Sondereinrichtungen und autismusspezifischer Therapie ruft (was immer das ist, ich selber arbeite als Autismus-Therapeutin und mache im Prinzip soziale Lern - und manchmal auch Sprachtherapie, sehr häufig Spieltherapie und in letzter Zeit auch Psychomotorik ab und an mit meinen KlientInnen), sollte man eben bedenken, dass bis vor kurzem noch gar keine Hilfen für Autisten angeboten wurden, weil es das vor ein paar Jahrzehnten einfach 'nicht gab'. Also als Diagnose. Ich erhielt weder Mutismus- noch Autismus-Therapie und aus mir ist schließlich (O.K., ich habe bereits ein gutes mittleres Alter :wink:erreicht ) auch 'was geworden'. Aber mein Lebensweg war alles andere als leicht, ich finde, heutzutage sollten es Kinder und Jugendliche (und auch Erwachsene, aber im Beruf erzählt man wohl besser nix davon) einfacher haben. Dennoch ist es immer vom Umfeld abhängig, wie mit der 'Andersartigkeit' umgegangen wird oder ob eben doch (mit bestem Wissen) das Kind faktisch gemobbt wird.

LG,
'Hya'

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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 14.05.2019, 05:47

Hallo nochmal,

das Schlagwort heißt 'Camouflage'. In dem Artikel sind Open Access-Links zu diesem Thema. Diese 'Maskierung' oder 'Kompensation bedeutet, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum, vor allem Frauen und Mädchen, viel Energie investieren, um ihre ASS zu verdecken. Manche entwickeln Sekundärerkrankungen, wie Depression, Ängste, selektiven Mutismus? https://gedankenkarrussel.wordpress.com ... ouflaging/

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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 19.06.2019, 21:06

Hallo,

ich vermute mal, ein leicht verwirrter 'Bot' hat hier sein Unwesen getrieben. . . :roll:

oliviaivy337
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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon oliviaivy337 » 17.11.2019, 19:25

was war das für ein „erklärungsfokus“ - und doch höchstwahrscheinlich nicht einer der behandlungsschwerpunkte des bundesverbandes chemisches ungleichgewicht deutschland? Cooking Games

Hyazinthe
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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 17.11.2019, 19:45

Hallo, bist Du ein Bot?

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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 17.11.2019, 20:02

@ NinaO.: Ich finde Watzlawick schon immer schwierig, weil er behauptet hat, man könne 'nicht nicht kommunizieren'. Das führt zu äußerster Frustration in psychoanalytischen Sitzungen bei Menschen mit Mutismus. Natürlich kann man nicht kommunizieren. Für eine gezielte, selbstbewusste Kommunikation ist die Person zu ängstlich. Was kommuniziert sie durch ihr Verhalten? Einfach, dass sie Angst hat. Das ist banal und hat nichts bzw. wenig mit dem Gegenüber zu tun. Lediglich, dass die mutistische Person zu ängstlich ist oder nicht kompetent ist, sich überhaupt auf den Gesprächspartner einzustellen.

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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Sonnenblume » 19.11.2019, 17:21

Hallo,
kann es sein,dass "manup" mit samt ihren Beiträgen gelöscht ist?
Kein Mitglied des Forums mehr?
Ihre Entscheidung, nur liest sich jetzt alles bissl doof.
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

_._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._
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Re: Was ist Mutismus?

Beitragvon Hyazinthe » 21.11.2019, 20:02

Hallo Heike,

das kann sein, und dass manups Beiträge fehlen, ist sehr schade...

LG,
'Hya'


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