Angst vor Präsentationen??

Wie denken (ehemalige?) jetzt erwachsene Mutisten über ihr Leben? Bestehen Restängste? Welche Lebenserfahrungen wurden gemacht?

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Mehraneh
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Angst vor Präsentationen??

Beitragvon Mehraneh » 10.01.2013, 18:12

Hallo,

habt oder hattet ihr das auch, wenn in der Schule das Wort PowerPoint-Präsentation ausgesprochen wird, kommt bei einem selbst nur "Oh Gott hoffentlich schaffe ich das!"
Also ich hatte am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien meinen ersten Vortrag, wir waren eine Dreiergruppe und die erste, und eigentlich war ich fest endschlossen es zu schaffen immerhin muss ich am Ende meiner Ausbildung ja auch eine Präsentation halten. Doch als ich dann plötzlich dran war mit meinem Part sah ich nur die vielen Leute und wurde immer nervöser schließlich musste jemand meinen Part über nehmen. Das war mir so peinlich und obwohl die andere die meinen Part übernommen hat gesagt hat " Es ist nicht schlimm", macheich mir voll die Vorwürfe. Schaffe ich das überhaupt jemals?
Denn am Dienstag den ersten Schultag meinte unser Klassenlehrer also er unsere Arbeit wieder gab, die die in der arbeit eine schlechte Note haben sollten eine Präsentation machen aber selbst auf ihn zu kommen. Und meine Arbeit war nicht grade berauschend (Geschäftsprozesse ist nicht mein Fach). Aber was soll ich nur machen ich kann vor der klasse keine Präsentation halten!!
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Diagnose: (s)elektiver Mutismus mit Depressionen & sozialer Phobie

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Aber Gold allein macht nicht glücklich !!

Exauster
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Beitragvon Exauster » 10.01.2013, 20:01

Hallo!
Kenne ich! Magenkrämpfe beim Wort "Referat"! :lol:
Und dann: Blackouts!!! Dastehen, der Kopf leer, kein Wort kommt heraus. Alle starren einen an und man hört wie die Sekunden vorbeigehen, es ist ganz still, bis endlich irgendwer sagt... "OK, lass es..." Und dann: Mit gesenktem Kopf wegschleichen, am liebsten Sterbenwollen vor Scham. Wie sich jemals wieder unter diese Menschen trauen, die das gesehen haben?

Es gibt ein paar Tricks!!!
Mach die Präsentation fertig und dann halte sie ganz alleine für Dich. Einmal, zweimal, dreimal - solange, bis Du sie fast auswendig kannst. Geh vor die Klasse und blende die Menschen aus. Stell Dir vor, Du bist alleine zuhause und machst die Präsentation nochmal ganz für Dich alleine. Oder Du machst sie vor einen einzigen Menschen, den Du magst, zu dem Du sprechen kannst. Schau das "Publikum" nicht an, konzentrier Dich nur auf das, was Du sagen willst. Stell Dir vor, Du bist ein Schauspieler, der eine Rolle spielt!

Viel Glück!!!

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Nicht seine Kräfte ständig selbst in die A-Engste treiben

Beitragvon f.j.neffe » 12.02.2013, 20:39

Wenn Du vor der Klasse die Arbeit nicht halten kannst, dann lasse sie doch endlich los! Das ist viel gescheiter. Ich halte auch keine Vorträge mehr, ich lasse sie los. Da hast du einme ganz andere innere Einstellung.

Wenn ich Deinen Text lese, fällt mir auf, dass Du wirklich beneidenswerte TALENTE hast. Sie haben nur einen FEIND: DICH. Und obwohl Du Dich ihrer schämst, sind sie Dir immer noch nicht davongelaufen. SIE sind es, die Dich bisher nicht ganz haben untergehen lassen - obwohl Du es ihnen so schwer machst.
Einen neuen Umgang mit den eigenen Kräften lernen, dafür ist Coués kleines, weltberühmtes Buch über Autosuggestion ein praktischer Schnellkurs.
Stell Dir vor, Du bist CHEF einer großen Firma und Deine Talente sind Deine Fachkräfte! Sie brauchen a) Dein Interesse, b) Deine Ziele, c) Deine Aufträge, d) Deine Achtung und Anerkennung. Werde ein guter Chef, dann klappt es.
Ich freue mich auf Deinen Erfolg.
Franz Josef Neffe

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Beitragvon Rosa » 13.02.2013, 18:58

Exauster, deine Ideen und Tipps finde ich ganz toll !

Ist schon blöd mit den ganzen Vorträgen....

Mir half es, dass ich andere beobachtet habe, wie die Vorträge halten....und bei einem Wortverhaspler oder Versprecher , wie sie reagiert haben.Meist mit Humor....oder sagen "na da fang ich lieber noch mal neu an..." oder so.

In der Schule konnte ich das noch nicht umsetzen, da ja alle Schüler eigentlich Angst hatten...aber später....als ich älter war funktionierte das ganz gut...obwohl ich Anfangs die anderen nur unbewußt beobachtete.
Liebe Grüße
Rosa

freizeitkiz

Beitragvon freizeitkiz » 12.03.2013, 11:57

Ich kenne das und hatte im Laufe meines Lebens mehrere Strategien:
Als Schülern (1980er und 1990er) habe ich beobachtet, dass sich viele davor gedrückt haben und irgendwie deswegen dennoch nicht sitzen blieben. Ich war dann wenigstens stolz, dass ich überhaupt den Vortrag hielt und habe die schlechten Zensuren akzeptiert.

Als Erwachsene bei einer Fobi musste ich einen Bühnenauftritt üben und jeder sollte auch das Vorsingen statt Vorsprechen einmal ausprobieren. Da ich im Gebärdenchor aktiv war (ist auch eine Möglichkeit zu "reden" ohne zu reden und das Präsentieren vor Menschen zu üben). Als ich da stand, hatte ich also dazu gebärdet und das Singen war monoton grausam, aber unser Coach blieb ganz bei mir und begleitete mich v.a. imaginär. Sie stellt mir Fragen, wo ich jetzt am liebsten wäre oder so ähnlich. Jedenfalls konnte ich mir durch diese Reise, die sie mit mir machte, mir vorstellen ich sei in den Bergen und die Zuschauer wurden dann zu den Bäumen. Wichtig für sie wahr, dass ich mit den Augen locker blieb und ich sollte die "Bäume" mit den Augen umfahren und an den Haaren sollte ich mir vorstellen, dass Glöckchen dran hingen. Der Unterschied beim Vorsingen zu vorher und nachher war so bombastisch, dass manche den Tränen nahe waren und die anderen Fobi-TN klatschten.

Dann habe ich als Erwachsene eine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht und musste auch Vorträge halten: Mal habe ich einfach weil es passte eine Handpuppe eingesetzt, die z.B. von einem klinischen Bild eines Kindes aus der Ich-Perspektive erzählte oder sogar bei Eltern eine Baby-Handpuppe (große pädagogische) einen Vortrag zur Sprechförderung gehalten. Mit Handpuppen habe ich kein Problem mich zu erinnern und mein Erzählen nachzuschieben. Auch, wenn ich nicht nur mit einem Zettel oder PowerPoint oder sogar aus dem Kopf erzähle, sondern Gegenstände nehme, als Symbol für das, was ich erzählen möchte, half mir sehr: Man hat etwas zum Zeigen in der Hand; auch "Banner" für die Zuhörer. Manche Lehrer fanden das gut, manche bescheinigten mir jedoch keine Fachquali zu haben, die Zuhörer jedoch hatte ich immer beteiligt auf meiner Seite und ich konnte sie einbinden. Denn schlimm finde ich, wenn sie gelangweilt oder sogar fies einen beim Vortragen beobachten. Deshalb habe ich auch gerne Fragen eingebaut, die Spaß machen, selbst zu überlegen.

Auch habe ich mir angewohnt, kurz vorher das Publikum "abzuschauen" (wohl wegen der Erfahrung mit dem Singen) und mal festgestellt, dass es vereinzelt welche gibt, die einfach immer nett gucken. MIr hat es dann geholfen, dass ich mir diese gezielt auswählte und wenn ich Richtung Publikum schauen musste, diesen Kontakt suchte.
Manchmal habe ich mir auch etwas auf den Pult gestellt: Talisman oder ähnliches. Einmal fand eine Mitschülern, die gleich am Pult saß, diesen so nett, dass wird deswegen ins Gespräch kamen und ich ihn bei ihr hinstellte. Das waren so zufällige Verbindungen und Vorgespräche, die meine Ängste nahmen und während des Vortrages noch anhielten.

Nette Grüße
SvonS

juliaschaefer
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Re: Angst vor Präsentationen??

Beitragvon juliaschaefer » 13.05.2019, 14:24

Mir ging es jahrelang sehr ähnlich! Ich hatte immer panische Angst vor Präsentationen, musste immer alles auswendig lernen und hab dann trotz langer Vorbereitung immer nur sehr stotternd vorgetragen. Meine Mutter hat mich dann damals überredet an einem Rhetorikkurs teilzunehmen, der mir dann wirklich sehr weitergeholfen hat. Dort haben wir dann sehr mit unserer Stimme gearbeitet und viel zur Mimik, Gestik und Artikulation gelernt.

Hyazinthe
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Re: Angst vor Präsentationen??

Beitragvon Hyazinthe » 13.05.2019, 19:19

Hallo Juliaschaefer,

die Angst vor Präsentationen ist nicht unbedingt Mutismus-typisch. Ich hatte damit - im Gegensatz zum spontanen Reden - immer eher wenig Probleme.

Viele Grüße!

Hyazinthe
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Re: Angst vor Präsentationen??

Beitragvon Hyazinthe » 21.05.2019, 06:20

Hallo Michael,

es sind schon verdächtig viele 'Bots' hier unterwegs. Wer tut eigentlich mal was dagegen? Man sollte dieses Forum nicht so verrotten lassen, Facebook und Co sind da keine Alternative. Was den Datenschutz angeht, ganz zu schweigen...

Viele Grüße,
'Hya'

Sonnenblume
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Re: Angst vor Präsentationen??

Beitragvon Sonnenblume » 22.05.2019, 14:07

Ganz meine Meinung, "Hya" ;-)
Es kann nicht angehen dass der Admin immer nur per mail informiert werden will.
Eine Moderatorin wird uns auch angezeigt, die sich nie äußert.
Auch das hinterlässt kein gutes Bild von diesem Forum.
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

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