Tipps zum Thema Mutismus

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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Elfa
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Tipps zum Thema Mutismus

Beitragvon Elfa » 28.08.2005, 15:58

hier sollen tipps usw. für eltern lehrer und mutisten etc rein kommen.
was wahrscheinlich eine weile dauern wird bis ich das alles ausgearbeitet und vorallem abgeschrieben habe. deshalb werde ich es wohl in kleine etappen machen, also nicht wundern wenn es noch etwas durcheinander geht oder nicht gut erklärt bzw. ausformuliert ist. :wink:


ich bin dabei, aber : gut ding will weile haben!


  • Sie sind ziemlich schlau und sensibel dh sie bekommen bestimmte dinge einfach mitund beziehen sie aber auf sich selbst also zb das sie was falsch gemacht hätten oder wenn man angst hat selbst etwas falsch zumachenverhält man sich oft sehr seltsam ohne es selbst zu merken und sagt dann auch nichts ...
    und merken daher oft schnell wenn etwas nicht stimmt.
    [nähere erläuterung]
  • Seid ehrlich mit zu vielen versuche und tricks ist vorsicht geboten --> führt auf die dauer zu grossem misstrauen und macht noch verschlossener.
  • dran bleiben! [nähere erläuterung]
  • Auch mal selbst überlegen was habe ich für schwächen [nähere erläuterung]
  • druck ist meiner meinung nach eher hinderlich als förderlich, da sie in der regel schon darunter leiden nicht zu sprechen, sodas der leidensdruck automatisch so gross wird und sie spätestens dann etwas versuchen werden. am leichtesten gelingt es allering immernoch wenn sie sich wohlfühlen bzw. [nähere erläuterung]
  • wenn sie dann was sagen kein aufsehen drum machen!!
    evtl. später zb am abend beim ins bett gehen ein kurzer hinweiss, wenn man unbedingt was dazu sagen will, aber sonst mögl. nicht weiter darüber reden. ebnfalls wenn mal etwas nicht geklappt hat, wen dann etwas kommt wie "schade" oder so das ist ganz schlimm. da später lieber gemeinsamm überlegen warum hats nicht geklappt und wie kann man es beim nächsten ma besserl machen.
  • über viele "probleme" aus denen sich (so sehe ich das jedenfalls) mutismus (auch) zusammen setzt oder die ähnlich sind, gibt es bücher [buch tipps einfügen wenn vorhanden] zum teil sind sie sogar für kinder gemacht.
    auch bücher zb. über körpersprache, rethorik, verhaltensstörungen/-auffälligkeiten, "kindererziehung" im allgemeinen etc können da sehr interesant sein.
    fangt einfach mal an zu schauen, gut sind immer grössere büchereien uä.
  • versucht einfach mal herauszufinden in welchen situationen es euch leicht fällt zu reden. dh mal überlegen wie war das als man übereraschender weise mit jemanden geredet hat, oder wie man bei bestimmten damit angefangen hat. und dan schauen das man sich das mögl oft so drehen kann das es dann eben leichter geht.
    mir fälts zb immer am leichtesten wen ich lauter fremde treffe, die keine ahnung davon haben was ich für probleme habe und auch niemand in der nähe ist der mich ganz genau beobachtet.
  • was auch immer gut ist/war ist bewegung bzw eine beschäftigung wie zb schwimmbad etc überhaupt das man einfach was unternimmt und quasi nicht nur da sitzt und daruf wartet das es reden sollte, oft kommt dasn dann so nebenbei, weil man durch die andere sache ein wenig abgelenkt ist und es nix ausmacht und sie ja ausserdem spass macht und da geht es meist leichter zumindest am anfang
    überhaupt ist bewegung sehr gut da ds mit dem "erstarren" dann nicht so gut geht und man nicht soo still wird...
  • bei allem was man ausprobiert sollt man schauen das man nach mögl. nicht erwartet das es funktioniert oder das es schnell funkt. oder in dem Maß wie man sich das vorgestellt hat. (auch wenn es bei anderen evtl. schneller erfolg gezeigt hat wie auch immer), also einfach schauen das man nicht zu hohe erwartungen hat und sie soweit wie mögl. runter schalten. dann klappt das oft gelich viel besser.
  • "Du kannst ja doch reden"...
    der wohl ungüstigste satz den man sagen kann!!


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Zuletzt geändert von Elfa am 30.08.2006, 19:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon doris » 30.08.2006, 16:42

Hallo,
ja da kann ich der Elfa nur zustimmen, es ist am besten kein "Theater" zu machen, wenn ein Mutist sich für seine Umwelt mal ganz unerwartet äußert. Man kommt sich absolut bescheuert vor, wenn man sich endlich mal überwindet sich im Unterricht zu melden und der Lehrer reagiert mit "oh mein Gott, ist das toll, sie meldet sich freiwillig, hört alle mal her die Doris will uns was sagen!" ! Da zieht man es dann doch lieber vor gar nichts zu machen oder zu tun, nur um dieser Blamage zu entgehen; dann lieber unauffällig bleiben, so jedenfalls ging es mir damals.
Gruß, Doris

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"Du kannst ja doch reden"

Beitragvon jasminfee » 11.04.2010, 21:37

Da hat Elfa mir aus der Seele gesprochen, denn ich finde nichts schlimmer als wenn jemand zu meiner Tochter sagt "Du kannst ja doch reden" :x
oder "Sie spricht ja" :x und dann auch noch ein dämliches Lachen dazu und mir geht die sog Hutschnur hoch.

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s.h.
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Beitragvon s.h. » 19.02.2012, 23:25

Was für mich gar nicht geht/ging:

- wenn man versucht hat, mich zu animieren oder mich einzubeziehen, aber auf eine auffällige Art. Beispiel: man sitzt in einer zwanglosen Gruppe zusammen und jemand fragt mich: "und, wie siehst du das? Du hast ja noch gar nichts dazu gesagt". Oder wenn ich mich doch überwinde, etwas einzuwerfen: "oh, sie hat was gesagt".
Dazu gehört auch der Spruch "komm mal mehr aus dir heraus"/"du musst mal lockerer werden".
Ganz schrecklich: wenn alle Köpfe ruckartig in meine Richtung gedreht werden, es ganz ruhig wird, weil ich etwas gesagt habe oder alle auf ein Wort von mir warten.
Einmal bin ich mit jemandem im Auto gefahren und saß auf der Rückbank (eine weitere Person saß vorn). Dann habe ich mit meinem Handy jemanden angerufen (also etwas ins Handy gesagt). Der Fahrer hat "ruckartig" in den Rückspiegel geguckt, mit einem Gesichtsausdruck als wäre ich aus dem Auto gefallen.

- ich habe es hin und wieder erlebt, dass man mir Aufgaben zugesprochen hat, um mich mehr einzubinden, nach dem Motto "dann freut sie sich". Aber irgendwie haben die Leute das hinter meinem Rücken miteinander abgesprochen. Das ist jetzt blöd zu erklären. Also ich sollte dann irgendwie eine "positive Erfahrung" machen oder so ähnlich. Dabei habe ich mich unmündig gefühlt. Für mich war es auch immer schlimm, wenn jemand einen "Plan" hatte, also nicht direkt gesagt hat, was er wollte, sondern so hintenrum gekommen ist und bei mir irgendwas erreichen wollte.
Dabei habe ich immer alles mitgekriegt. Als die Kinderärztin mir z.B. mal eine Spritze geben wollte und auf einmal gefragt hat, wie es bei mir in der Schule läuft, ob ich da Spaß habe usw. meinte ich "Sie müssen mich nicht von der Spritze ablenken, ich habe keine Angst davor". So etwas konnte ich noch nie ertragen.

- bei Gleichaltrigen habe ich früher (Teenageralter und Schule) oft so eine "überfreundliche" Art erlebt. Man hat mit mir geredet wie mit einem Kleinkind oder als wäre ich geistig behindert. Gleichzeitig wusste ich, dass hinter meinem Rücken über mich geredet wurde.

Ergänzung:

- "Hast du/haben Sie Angst vor mir?"..."Och, vor mir brauchst du/brauchen Sie doch keine Angst zu haben, ich beiße nicht..."

- mitleidiges Verhalten, mitleidige Blicke

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Beitragvon shorna » 17.04.2012, 18:17

:wink:

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Beitragvon amber » 28.05.2013, 11:56

very nice post



We offer latest ISC with certified University of Oxford test demos so you will pass wikipedia on time. good luck...
Zuletzt geändert von amber am 08.08.2014, 06:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon blauerbär » 28.05.2014, 21:20

Hier sieht man auch, dass es vielen so ergeht/erging mit denselben Situationen.
Ich weiß noch, als ich damals im Unterricht auch mal was sagte dann wurde es auch zum "Highlight" des Tages für die anderen. Obwohl es nur eine stinknormale Antwort auf eine Frage war...
Reaktionen wie "schön, dass du mal mitmachst" mochten gut gemeint sein, ließ aber einen immer wieder spüren, dass man nie verstanden/toleriert wurde und dass der Lehrer immer nur die Tatsache im Auge behielt, dass der/die entweder im Unterricht Elan zeigt und ein motivierter Schüler/in ist oder eben ne faule Socke, die auf Schule "keinen Bock" hat.

Für andere mag es soo normal aussehen, aber selbst so kleine Anmerkungen verletzten den Betroffenen.
Schon allein Anmerkungen wie: Bist du zu Hause auch immer so still? Setzt einen sehr unter Druck sich anders präsentieren zu müssen.

-Aber jeder hat sein eigenes Tempo seiner Entwicklung.! Und man sollte vielleicht auch versuchen die Person zu verstehen, -das der Charakter momentan nicht den Erwartungen entspricht die der Lehrer in einen sehen mag. Aber das war zumindest ein Fehler bei meinem Lehrer... Der hatte dadurch für mich ein kleines Trauma ausgelöst indem er immer wieder, jedes neue Schuljahr, auf mich eingehackt hat, plus unnötige Bemerkungen vor der Klasse, (in seiner Hoffnung natürlich er erreicht etwas damit), bis ich -Nie- wieder etwas in seiner Nähe gesagt habe.
Diese Erfahrung wünsche ich den anderen sensibeln definitiv nicht. Sowas sollte man nicht machen.
Des Mandalas Muster ist dem Teufelskreis befallen wenn ich die Linien wie beim ersten Mal gleich ansetze. Doch nicht wenn ich den Stift anders ansetze. Aber manchmal, manchmal fehlt mir die Motivation dazu. -Manchmal.

Ophelia
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Re: Tipps zum Thema Mutismus

Beitragvon Ophelia » 30.07.2014, 17:17

Elfa hat geschrieben: "Du kannst ja doch reden"...
der wohl ungüstigste satz den man sagen kann!!



Ja, einer der ungünstigsten Sprüche.

Mit am schlimmsten - neben der Behauptung, ich sei "maulfaul" - traf mich der Spruch: "Sei doch mal spontan!"
Die Situation - ist schon geraume Zeit her und ich kann ja inzwischen reden - war folgende:
Ich sitze in der Wohnküche einer Wohngemeinschaft (Studenten) beim gemeinsamen Abendessen. Es sind ca. 10 Leute um den Tisch versammelt, einschließlich mir. Ich wohne nicht dort, sondern bin Gast. Alle unterhalten sich lebhaft und prächtig - nur ich kriege den Mund nicht auf; ich KANN nicht reden, würde liebend gerne, aber KANN nicht. Wie ich so schweigend dasitze und Angst habe - wie üblich -, dass mir die anderen mein Schweigen übelnehmen und für unhöflich und Ablehnung/Missfallen halten, sagt plötzlich eine der Studentinnen zu mir: "Wieso sagst du denn nie etwas? Nie trägst du etwas zur Unterhaltung bei. Alle reden - nur du nicht. Sei doch mal spontan!"
Es traf mich wie ein Hieb und ich wäre am liebsten unter dem Tisch versunken.


Einen mutistischen Menschen auf diese Weise(n) anzugehen, geht gar nicht.

Hyazinthe
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Beitragvon Hyazinthe » 30.07.2014, 21:12

Hallo,

mein persönlicher 'Totschlagspruch' lautet: 'Erzähl uns doch mal einen Schwank aus Deinem Leben!' Sicherlich alles nicht böse gemeint - oder?

Viele Grüße!

Hoffnung
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Beitragvon Hoffnung » 31.07.2014, 04:51

Ich glaub auch, dass solche Sprüche nicht bös gemeint sind - es ist für normal sprechende Menschen eben schwer zu verstehen, was für ein automatischer Schutzmechanismus da in einem Mutisten abläuft, wenn so eine "gefährliche" Aufforderung kommt. Da ist kein bewusstes Nachdenken mehr möglich, was man denn da so sagen könnte - auch zu einem Zeitpunkt, wo man eigentlich schon recht gut sprechen kann. Die blitzschnelle Einstufung der Situation als "emotional gefährlich" führt zur totalen Blockade.

Ich würde in so einem Fall wie von Ophelia geschildert - also eine Gruppe sitzt beisammen und unterhält sich gut - vorschlagen, dass man versucht den Mutisten ins Gespräch einzubeziehen, aber ohne ihm das Gefühl zu geben, eine "Sonderbehandlung" zu bekommen. "Normale" Fragen zum Thema stellen, über das gerade geredet wird - und wenn keine Antwort kommt, darüber hinweggehen - wenn eine Antwort kommt, das als die größte Selbstverständlichkeit hinnehme - also am besten keine große Reaktion auf das Schweigen und keine große Reaktion auf das Reden. Das gilt für den Fall, dass die anderen vom Mutismus wissen.

Falls die Gruppe nichts vom Mutismus weiß, würde ich dem in der Gruppe anwesenden Mutisten aber raten, nichts von seinem Mutismus offenzulegen - weil dann doch das Risiko besteht, nicht "normal" behandelt zu werden - was dann wieder zur Blockade führt. Man muss dann im Hintergrund - abseits von der konkreten Situation - versuchen, daran zu arbeiten - immer wieder den festen Vorsatz fassen, dass man wirklich ins Normal-Reden hineinfinden will - sich vielleicht im Vorhinein vor solchen Treffen etwas vornehmen, was man vielleicht zum Gespräch beitragen könnte - und dann mit "Augen zu - und durch" sich wirklich drübertrauen - und falls doch irgendwas schief geht beim Gespräch den Mut nicht verlieren, sich von seinem fest angestreben Kurs "Normal reden" nicht abbringen lassen und ganz fest dahinterbleiben, es beim nächsten Mal wieder zu wagen, etwas zu sagen.

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Schlusi
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Beitragvon Schlusi » 31.07.2014, 07:04

mein persönlicher 'Totschlagspruch' lautet: 'Erzähl uns doch mal einen Schwank aus Deinem Leben!' Sicherlich alles nicht böse gemeint - oder?

Nö, das ist sicherlich nicht bös gemeint.

Putzigerweise hat meine Mutter mir gegenüber oft diesen Spruch angewendet, auch nicht böse gemeint, eher so etwas belustigt. Ich denke, dass gerade auch meine Mutter diesen Spruch öfter zu hören bekommen hat. Im Grunde genommen könnte man doch auch vorbereitet auf diesen oder ähnliche Sprüche sein.

Ein Mutist ist doch auch ein aufmerksamer Zuhörer und Beobachter. Warum kann man nicht in solchen Momenten dazu stehen, dass man aufmerksam zuhört, zugehört hat. Mir ist es auch oft so ergangen, dass im Verlauf der Gespräche mir Ungereimtheiten aufgefallen sind und ich Fragen gehabt hätte, die ich aber nicht anbringen konnte, weil meistens von einem Thema zum nächsten gehoppt wird/wurde. Also könnte man sich doch auf solche Sprüche vorbereiten und sich eine Frage 'aufheben' und die dann gezielt anbringen. Dann hat man ja schon mal den Ball zugespielt bekommen, das man etwas sagen soll und muss sich nicht weiter stressen lassen, weil man dann ja noch einmal gezielt zu einem Thema zurückkommt.

Wenn es gut geht, weckt das auch das Interesse der anderen und wenn man noch einmal in der gleichen Runde zusammenkommt, erinnert sich der eine oder andere noch daran und leitet wieder dazu über, dass man auch mal zu Worte kommt. Denn manchmal werden Themen ja auch zu oberflächlich besprochen und man könnte dem Gespräch mal einen anderen Verlauf dadurch geben.

Ist nur so eine Idee, weil ich es echt schwierig finde, da ich mit der Schnelligkeit der Gespräche und den immer wieder schnellen Themenwechseln nicht gut klarkomme. Da dann angestrengt zu versuchen immer mal wieder ein paar Worte zu plazieren finde ich für mich nicht sinnvoll. Dann lieber dafür akzeptiert werden, dass man Zuhörer ist und gefragt werden, wenn denn alle sich auch mal Zeit für ein Thema nehmen wollen und die Taktung dann eher zu mir passt. Insofern wäre ich eher dafür, dass man seinen Mutismus offenlegt oder zumindest offenlegt, dass man mit der herkömmlichen Gesprächsführung nicht so wirklich konform geht. Dann haben die anderen die Möglichkeit sich etwas darauf einzustellen. Falls das gelingt, dann fühlt man sich auch insgesamt wohler, was wiederum lockerer macht und so wird es dann auch eher möglich, dass man sich beteiligt. Warum muss man sich als Mutist oder als etwas anderer Mensch immer nach der Decke strecken. Die anderen können und dürfen doch auch mal ihre ach so toll herausgekehrte angebliche Empathie mal wirklich zeigen und sich auf anders gestrickte Gesprächsteilnehmer einzustellen versuchen, finde ich.

Schlusi :)
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Beitragvon Hyazinthe » 31.07.2014, 07:31

Hallo,

das mit dem 'eine Antwort als Standard-Spruch' parat zu haben, finde ich eine gute Idee, falls man soweit ist, dass man überhaupt etwas raushauen kann. Ansonsten schon mal versuchen, 'aktives Zuhören' zu üben. Die meisten Leute wollen sich lieber selbst hören und mögen 'dankbare' Zuhörer. Sind wir das aber wirklich? Vielleicht ist es so, dass wir tatsächlich manchmal mit unseren Gedanken aus dem Gespräch 'raus' sind, weil wir uns gerade auf was anderes konzentrieren. Dann könnte so ein plötzliches Statment auf die Verletzlichkeit der anderen Person hindeuten, die darum fürchtet, nicht genug Aufmerksamkeit zu bekommen. In diesem Fall kann man ja eine ironische Gegenfrage (wenn auch nur heimlich im Stillen) sagen: Keine Angst, ich höre Dir ja zu! Aber im Moment muss ich kurz über das Gesagte nachdenken. Interessiert Dich tatsächlich, was ich über mein Leben zu berichten weiß? Oft ist das nämlich nicht der Fall. Es geht lediglich um 'Small talk' und Spaß haben. Wenn ich so in meine mutistische Zeit zurückdenke, ja, vielleicht habe ich manchmal geschwiegen, um anderen nicht den Spaß zu verderben, um nicht durch meine ungewöhnlichen Gedanken als Spaßbremse oder Querulantin zu gelten. Manchmal wollte ich auch im Stillen die Situation genießen. Das funktioniert aber auch nicht, da ja alle erwarten, man müsse im Kommunikationsfluss mitschwimmen. In oder out sozusagen. Manches mal fühlten sich wohl andere durch mein Schweigen ausspioniert.

Viele Grüße!

P.S.: Schlusi, dass Deine Mutter Sprüche anwendet, die sie selbst sich evtl. anhören musste, finde ich einen guten Aspekt. Sprich doch mal mit ihr darüber, ob das so stimmt. Vielleicht hilft das auch Deiner Tochter, die den Sinn für Humor der Oma nicht so ganz nachvollziehen kann :wink:

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Beitragvon Schlusi » 31.07.2014, 12:56

Manches mal fühlten sich wohl andere durch mein Schweigen ausspioniert.

Ja, ganz genau. Ich habe mir das jetzt herausgepickt, weil ich eigentlich auch sagen wollte, dass man offensiver damit umgehen sollte, dass man etwas 'anders' ist. Die anderen sehen und wissen das sowieso. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hilft, wenn man ganz einfach 'Farbe bekennt'. Man macht sich weniger 'verdächtig', wenn man einfach auch mal seine Fragen und Gedanken zu dem gelaufenen Gesprächsstoff abgibt. Dann sehen die anderen einfach auch, dass man 'harmlos' ist. Dass man eben nicht ausspioniert, dass man nicht schlecht über die anderen denkt, dass man nicht eingebildet ist, usw.

Für mich gab es da während meiner Ausbildungszeit einen Umbruch. Da hat mal jemand zu mir gesagt "das ist nicht Deine Welt", als es um das Thema "welche Disco in der City ist empfehlenswert". Ich habe angestrengt in meinem Kopf gewühlt und wollte etwas dazu beitragen, war aber bis dahin nur in einer einzigen Disco und das mehr durch einen dummen Zufall und konnte ansonsten auch nur durch Erzählungen anderer Klassenkameraden dazu etwas beisteuern. Aber auf einmal war klar, dass gar nicht erwartet wurde, dass ich dazu etwas hätte sagen können. Und dann hat es 'klick' gemacht und ich habe mir gedacht, wie es wohl wäre, wenn ich einfach dazu stehe, wie ich bin. Das hat dann immer mehr geklappt.

P.S.: Schlusi, dass Deine Mutter Sprüche anwendet, die sie selbst sich evtl. anhören musste, finde ich einen guten Aspekt. Sprich doch mal mit ihr darüber, ob das so stimmt. Vielleicht hilft das auch Deiner Tochter, die den Sinn für Humor der Oma nicht so ganz nachvollziehen kann :wink:

Na, das geht ja leider nicht mehr, weil meine Mutter nicht mehr lebt.

Wenn ich so in meine mutistische Zeit zurückdenke, ja, vielleicht habe ich manchmal geschwiegen, um anderen nicht den Spaß zu verderben, um nicht durch meine ungewöhnlichen Gedanken als Spaßbremse oder Querulantin zu gelten. Manchmal wollte ich auch im Stillen die Situation genießen.

Ja, aber manchmal ist es gar nicht so, dass man den anderen den Spaß verdirbt durch seine ungewöhnlichen Gedanken. Unsere Tochter hat auch ungewöhnliche Gedanken und die bringen einen manchmal auch zum Schmunzeln oder gar zum Lachen. Dann darf man sich natürlich nicht ausgelacht fühlen. Das ist ja auch immer wieder das Problem, dass Mutisten zu selbstkritisch sind und dann denken, dass sie wieder total daneben waren. Ist gar nicht so. Man muss auch in der Hinsicht mutig sein, dass man auch mal über sich selber lachen kann. Meine Mutter hat z. B. auch oft ganz unbeabsichtigt zum Lachen der anderen beigetragen, einfach auch, weil sie so originell war, ihr Dinge passiert sind, die anderen nicht passieren würden, manchmal auch mehr oder weniger peinliche.

Beim Schlachter ist es ihr mal passiert, dass sie so ein wenig rumgeträumt hat, dann plötzlich an der Reihe war, aus ihren Gedanken gerissen wurde durch "was wünschen Sie" und dann kriegte sie es nicht auf die Reihe und hat gesagt "zwei Hähner bitte", statt zwei Hähnchen. Alle im Geschäft fingen an zu lachen. Neulich habe ich auch einen Anruf von einer alten Bekannten meiner Eltern bekommen, wo meine Mutter doch schon fünfzehn Jahre tot ist. Es waren die alten Erinnerungen, die lustigen Szenen mit meiner Mutter, die einfach auch in Erinnerung geblieben sind, obwohl meine Mutter sehr oft auch introvertiert war, aber sie hatte eben auch diese extrovertierte und komische Seite und ich denke, dass sie da einfach auch sich selbst so gezeigt hat, wie sie ist, auch wenn das für andere manchmal komisch oder belustigend war.

Manchmal wollte ich auch im Stillen die Situation genießen.

Mir ging es auch so, dass ich oft einfach auch im Stillen genießen wollte. Als Kind kann man das, wenn die Erwachsenen labern und feiern. Das war so selbstverständlich, dass ich immer dabei war und später habe ich so nebenbei auch 'bewirtet' und ab- bzw. aufgeräumt, abgewaschen und nebenher den Trubel und die Geselligkeit der anderen unbehelligt genießen können. Das war eigentlich ganz schön so.

Insgesamt wollte ich einfach nur sagen, dass man sich als Mutist da nicht 'verbiegen' soll und nicht versuchen soll, es so wie die anderen hinzubekommen, sondern seine ganz eigene und persönliche Kommunikationsstärke finden sollte. Mut zu haben auch introvertiert sein zu dürfen. Mut zu haben einfach auch einzugestehen, dass man gerade zu der Unterhaltung nichts beitragen kann, dass man gerade abgelenkt ist und/oder dass man an etwas anderes denkt, dies aber nicht böse gemeint ist. Man kann ja sagen, an was man gerade gedacht hat...und wenn das was ganz banales ist.

Schlusi :)
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Beitragvon Hyazinthe » 02.08.2014, 15:28

Hallo Schlusi,

danke, das sehe ich auch so. Vor allem das mit dem 'eigenen Weg' - ganz schön schwer sowas. Wie war das noch: auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen?
Lieben Gruß! :)

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Matteo
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Beitragvon Matteo » 06.12.2014, 07:37

Hallo Suschi,
sowie ich verstanden hab, ist deine mutistische Zeit schon weg. Stimmt?
Wie lange hat es bei dir gedauert?
Liebe Grüsse,
Matteo


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