Mutismus und INPP

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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Sindy
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Mutismus und INPP

Beitragvon Sindy » 05.11.2018, 11:09

Hallo ihr Lieben,
ich hoffe im Forum auf ein paar Erfahrungen bzgl INPP und Mutismus zu stoßen.
Ich bin Ergotherapeutin und habe seit Kurzem ein jugendliches Mädchen mit Mutismus in Behandlung.
Wir sind quasi noch in der Kennenlernphase, aber ich denke unsere "Chemie" passt ganz gut. Dafür, dass sie den Mutismus quasi schon immer hat und angeblich lange braucht, bis sie jemanden Neuen in ihren Vertrauensbereich lässt, bin ich ganz froh, dass sie nach nur 8 Therpieeinheiten schon mal 2 Worte geflüstert hat.

Ich selbst bin großer "Fan" von frühkindlichen Reflexen und deren Wirkung auf uns, wenn sie nicht ausgereift sind. Ich bin sogar selbst in INPP Behandlung wegen eines noch bestehenden MORO. Für mich passt vieles was ich über Reflexe und speziell über den MORO Reflex weiß ganz logisch mit Mutismus zusammen.
Deshalb stelle ich mir die Frage, ob es ein sinnvoller Therpieansatz wäre bzw ob ich das Mädchen zu einer INPP Therapeutin empfehlen soll oder nicht...

Hat jemand (Langzeit-) Erfahrungen? Hat jemand die Therapie gemacht und kann berichten?

Bei mir persönlich bringt diese Art der Therapie super und ich bin erstaunt, was sich nach knapp 1,5 Jahren schon alles getan hat.

Danke schon mal für eure Antworten :D

Hoffnung
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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon Hoffnung » 06.11.2018, 05:51

Hallo Sindy,

ich bin der Ansicht, dass eine INPP Therapie nicht als alleinige Therapie bei Mutismus angewendet werden soll. Es wird sicher nicht schaden, wenn man das zusätzlich macht. Aber in erster Linie braucht das Mädchen eine richtige Mutismustherapie. Mutismus hat schon viel mit Reflex zu tun - es tritt eine Art Totstell-Reflex ein. Man ist dann ganz einfach starr und nicht fähig zu sprechen, sich in der konkreten Situation für das Sprechen zu entscheiden. Trotzdem hat Mutismusüberwindung sehr viel mit einer Entscheidung für das Sprechen zu tun. Diese Entscheidung muss auf Grund einer starken Motivation getroffen werden, einer Motivation, die so stark ist, dass sie "zum Reden zwingt" - und damit kann dann in der entsprechenden Situation der Totstellreflex überwunden werden. Wenn das Mädchen schon im Jugendlichenalter ist und immer noch stark im Mutismus verharrt, nur mit Wenigen spricht, ist es höchste Zeit, dass ihr in der richtigen Art geholfen wird. Auf Grund der vielen negativen Erfahrungen, die sie wegen des Schweigens im zwischenmenschlichen Bereich seit ihrer frühen Kindheit gemacht hat, kann da auch schon eine sehr '"starke Entscheidung für das Schweigen" da sein, die das "Nicht-Sprechen-Können" überlagert. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, da ich im Jugendlichenalter einen Therapieversuch mit der Einstellung "Du wirst mich nicht zum Reden bringen" mit ganzer Kraft und leider auch erfolgreich abgewehrt habe. Erst als Erwachsene konnte ich mich zum Glück auf Grund starker Motivation mühsam aus dem Mutismus rauskämpfen - habe es aber auch als Erwachsene noch vollständig geschafft. Je früher es das Mädchen schafft, umso besser ist es natürlich - denn gerade im Jugendlichenalter kommt dann auf Grund der Perspektivelosigkeit eine starke Verzweiflung dazu. Eine Therapiemethode, die ich ganz super finde ist SYMUT. Vielleicht kannst du im Therapeutennetzwerk unter www.mutismus.de einen Symuttherapeuten finden, der in erreichbarer Nähe ist - wobei sich da auch ein längerer Anfahrtsweg lohnen würde.

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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon MutismusVideoOnlinee » 08.11.2018, 16:11

Hallo,


ich habe selber (Betroffene) habe damit keine konkreten Erfahrungen, da die Therapie mich bisher aus Kostengründen und fehlende Therapeuten in der Nähe davon abgehalten hat. Mir scheint vieles allerdings auch sehr schlüssig und ich habe über den Vermuteten Zusammenhang von dem Moro und Mutismus auch ein Buch geschrieben.
Allerdings muss ich sagen, dass ich zwar an dem Thema "Fehlregulation des Nervensystems"( auch vorgeburtliche Ursachen) immernoch überzeugt bin, so dass man auch wirklich nichts für den Mutismus kann und das auch nicht an dem (oft vermuteten mangeldem) Willen liegt, sondern dass nur eine Therapie hilft, die das Stammhirn anspricht (wovon die Reaktion als Ganzkörperfreeze auch ausgeht).
Seit ca. 2 Monaten mache ich Somatic Experience (nach Peter Levine, körperorientierte Traumatherapie) und das ist das einzige was wirklich hilft.
Das muss man zwar auch selber bezahlen, aber je nach "Lage" kommen einem die Therapeuten auch schonmal entgegen.
Über die Theorie und was meiner Meinung nach beim Mutismus abläuft habe ich auch ein Buch geschrieben ("Elli und der unsichtbare Schnabel").


Viele Grüße,
MVO

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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon Sonnenblume » 26.10.2019, 11:15

Hallo @alle,
ich möchte jetzt dieses Thema nochmal aufgreifen (fand dieses hier über die Suche-ja...so geht Forum ;-) )
Ich wurde vor kurzem auch wieder darauf aufmerksam und danach gefragt. Da ich selbst dazu auch nur Vermutungen habe googelte ich etwas und fand einiges, was auch sehr schlüssig erscheint und auch den sel. Mutismus etwas erklärt. Ja, schon erstaunlich welche Auswirkungen solch ein Furchtlähmungsreflex, nicht richtig zurück-entwickelter Mororeflex haben kann, da sind ja alle möglichen Krankheits -und Störungsbilder aufgezeigt, dass man schon wieder richtig ins Grübeln kommen kann...wenn an allem der Moro mit schuld sein kann, bei wem ist dann überhaupt dieser Reflex altersgerecht rückentwickelt?
Auch fand ich entsprechende Infos nur auf privaten Seiten oder Seiten von Ergotherapiepraxen, welche INPP anbieten, und dort sogar sehr ausführlich. Nur woher stammen diese Ausführungen? Zu Forschungsergebnissen dazu fand ich bisher nichts....hm? Weiß da irgendjemand von euch etwas oder hat was gefunden, was mir bisher noch verborgen blieb? Versteht mich bitte nicht falsch, aber gewisse Zweifel bleiben, bevor man etwas weiterempfiehlt. Aber letztendlich ist ja sowieso alles gut, was hilft-egal wie's heißt und welches Konzept. :-)
Schöne Grüße ;-)
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon Hyazinthe » 26.10.2019, 14:55

Hallo Heike,

finde ich super, dass Du diesen Tipp mit dem INPP ausgegraben hast. :D Diese Therapie hilft generell bei Kindern mit Entwicklungsschwierigkeiten, und da gehören sowohl Mutismus, ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, LRS und viele andere dazu. Ich hatte auch mal mit dem Institut Kontakt. Viele Grüße!

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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon Hyazinthe » 26.10.2019, 15:02

Man kann aber auch viel mit diesem Buch machen: von Grönemeyer (dem Bruder des Sängers) mitherausgegeben, mit Beigel: 'Ich wär' jetzt mal ne Fledermaus'. Das geht auch und findet bei den Kindern, die diese Form der Therapie benötigen, meiner Erfahrung nach auch viel Zuspruch. Es sind auch spezielle Übungen für die Re-Integration des Moro-Reflexes drin, der bei allen frühkindlichen/embryonalen Traumatisierungen, die eine generalisierte Angstbereitschaft auslösen, eine Rolle spielen kann. Der Moro-Reflex ist überlebenswichtig für das sehr frühe Kind, verliert aber im Laufe der Entwicklung (eigentlich) an Bedeutung...warum er bei manchen Kindern quasi weiterhin eine so große Rolle spielt, ist immer noch viel zu wenig erforscht. Lieber stürzt man sich auf irgendwelche genetischen Besonderheiten oder gibt den Eltern die Schuld am Verhalten des Kindes.

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Re: Mutismus und INPP

Beitragvon Hyazinthe » 26.10.2019, 18:52

P.S.: Zwar fehlen für diese Art der Therapie valide (strenge) medizinische Belege, jedoch darf man sich wundern, warum nicht wenigstens Hinweis-Diagnostik in der Richtung betrieben wird. siehe auch: https://osteopathie-schule.de/pdfs/ori/ ... eflexe.pdf


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