kindliche Sprechapraxie

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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NinaO
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kindliche Sprechapraxie

Beitragvon NinaO » 16.01.2019, 18:32

Hallo,
hierzu habe ich heute zufällig ein youtube-Video gefunden und bin mal wieder überrascht, mich auch da wiederzufinden. Weiß jemand darüber mehr bzw. wie dies nun abgrenzbar zum Mutismus wäre? Wäre das Symptom Mutismus dann womöglich eine Folge solch einer Sprechapraxie? Und man müsste den selektiven Mutismus als Diagnose (mit dem Symptom Mutismus) davon deutlicher abgrenzen? Gleiches mit der Logophobie. Findet diese Differentialdiagnostik überhaupt statt, können Eltern und das Kind überhaupt dafür ausreichende Infos mitteilen? Ich denke, wie beim Autismus sollte sie eigentlich zusammengefasst werden, wenn es keine organisch behebbare Ursache gibt und die konkreten Einzelprobleme, das Leiden mehr in den Fokus gestellt werden.
VG
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Stille Stärken
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Re: kindliche Sprechapraxie

Beitragvon Stille Stärken » 16.01.2019, 19:08

Ich habe mich bislang nicht näher mit Apraxie befasst - aber meines Wissens ist eine Apraxie eine neurologische Erkrankung, während Selektiver Mutismus genau wie spezifische Phobien (und damit auch Logophobie) psychische Erkrankungen sind.

Bei all diesen Problemen ist Schweigen (lat. Mutismus) ein Symptom - aber diagnostisch zusammenfassen lassen sie sich wohl kaum.

Bei der Differenzialdiagnostik der psychischen Störungen würde ich hinterfragen, ob es sich die Unfähigkeit zu Sprechen handelt (Selektiver Mutismus) oder um eine Angst vor dem Sprechen bzw. Aspekten des Sprechens (Logophobie).

Hyazinthe
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Re: kindliche Sprechapraxie

Beitragvon Hyazinthe » 18.01.2019, 19:11

Hallo,

ich schließe mich dem von Christine Geschriebenen an, möchte aber noch hinzufügen, dass die psychische Störung Mutismus durchaus auch bei Menschen aus dem Autismus-Spektrum vorkommen kann. Eine Differenzialdiagnose suggeriert ja als Wort, dass beides nicht zusammen vorkommen kann, das ist aber eine Ablenkung von den Tatsachen. Tatsächlich kann das beides in einer Person vorkommen. Viele Grüße!

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Re: kindliche Sprechapraxie

Beitragvon Hyazinthe » 18.01.2019, 19:20

Hier noch ein schönes Zitat aus Marshall/Davis: Autismus verstehen und verändern. Am Leben teilnehmen mit dem Davis-Autismus-Ansatz, ITV-Verlag: "Zu einem gewissen Grad wird der Eindruck, eine Person sei 'behindert' oder auf irgendeine Art und Weise gestört, mehr von sozialen Normen als von der angeborenen Biologie hervorgerufen. Die menschliche Gesellschaft als Ganzes erwarten von heranwachsenden Kindern, dass sie jenes Wissen und jene Verhaltensmuster schnell erwerben, die für die meisten Menschen dieser Gesellschaft leicht zu erwerben und z lernen sind. Gleichzeitig wird von der Gesellschaft wenig Wert auf das Erwerben von Wissen und Verhaltensmustern gelegt, die für die meisten schwierig oder schwer zu erreichen sind. Deshalb wird ein Autist, der ein außergewöhnliches Talent in so unterschiedlichen Bereichen wie Musik, Kunst oder Mathematik hat, als SAvant (Inselbegabter) bezeichnet, aber immer noch als schwer gestört betrachtet, weil er sich im sozialen Umgang ungeschickt verhält, etwa bedingt durch seine Unfähigkeit zum Small Talk auf Partys. Trotzdem wird kein Kind und kein Erwachsener, dem es an musikalischen oder künstlerischen Fähigkeiten mangelt oder am Verstehen fortgeschrittener mathematischer Ideen, als behindert oder hirngeschädigt eingestuft" (S. 64f.). Das ist wohl wahr :( :shock:


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