Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Bitte hier über Mutismus,insbesondere über Mutismus bei Kindern und Jugendlichen, diskutieren.

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RiAn
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Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon RiAn » 22.02.2019, 13:52

Hallo zusammen, ich bin ganz neu hier. Meine Tochter 12 Jahre, 6. Klasse Werkrealschule ist gerade mit mir in Kinderreha und da wurde der Verdacht auf Mutismus geäußert. Geholfen wird / wurde uns hier jedoch nicht wirklich in dem Bereich.
Zu unserem Problem. Sie redete immer schon wenig mit fremden Personen. Seit der 5. Klasse wird das aber immer schwieriger. Im Unterricht sagt sie kaum noch was, mündliche Noten werden ausgesetzt. Im Sport verweigert sie sich nun ganz und Freunde hat sie auch nicht mehr.

Was für Möglichkeiten habe ich als Mutter für die Schule? Oder gibt es spezielle Schulen für dieses Problem? Wir wohnen in Baden-Württemberg, Nähe Freiburg.

Ich würde mich über eure Hilfe freuen. Gruß

Hoffnung
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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Hoffnung » 22.02.2019, 19:43

Hallo Rian,

wenn der Verdacht auf Mutismus geäußert wurde, wäre es erstmal am Wichtigsten rasch zu klären, ob wirklich Mutismus vorliegt. Eine richtige Diagnose ist da ganz entscheidend, weil Mutismus einer ganz anderen Vorgangsweise und Therapie bedarf, als wenn ein Kind wirklich nur extrem schüchtern ist. Unter www.mutismus.de findest du ein Therapeutennetzwerk von zertifizierten Mutismustherapeuten. Auch wenn vielleicht ein langer Anfahrtsweg notwendig ist, würde sich das lohnen, denn gewöhnliche Kinderpsychologen wissen meist nicht wirklich, was sie in so einem Fall tun können, um dem Kind wirklich zu helfen. Das Erfreuliche ist - Mutismus ist wirklich vollständig überwindbar und die Betroffenen haben die Chance auf ein völlig normales Leben - diese Chance haben aber leider manche nicht, die in ihrer ganzen Kindheit und Jugend falsch therapiert wurden und dann als Erwachsene resignieren und im Mutismus verharren. Drum pack es jetzt an mit deiner Tochter - ich wünsche deiner Tochter ganz viel Erfolg!

RiAn
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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon RiAn » 22.02.2019, 20:18

Vielen Dank euch. Sie ist nicht nur schüchtern. Sie hat laut ihrer Therapeutin Sozialphobie. Sie redet nicht weil sie sich blockiert.
Hab gedacht das sie uns hier in der Reha helfen können. Ist aber Fehlanzeige. Sie sagen sie ist nicht Reha fähig. Aber genau das ist ja ihr Problem. Soziale Kontakte aufbauen, am Sport nicht nur zuschauen, reden mit anderen Personen. Bin echt enttäuscht und nun sagt der Psychologe hier was von Mutismus.
Ihre Therapeutin sagt das sei kein Mutismus. Ich bin mir da aber echt nicht sicher. Das was ich so lese passt auf sie. In manchen Dinge denke ich sogar Richtung Asperger Autismus.

Hoffnung
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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Hoffnung » 23.02.2019, 07:31

Hallo RiAn,
es ist durchaus möglich, dass zusätzlich zum Mutismus auch Asperger Autismus vorliegt. Das kommt öfters vor - allerdings ist da zu bedenken, dass das Nicht-Reden nicht ein Symptom des Asperger Autismus ist, da da die Sprachentwicklung an sich normal ist und normal geredet wird. Wenn also zusätzlich Mutismus vorliegt, ist für den Mutismus eine mutismusspezifische Therapie notwendig - und hinsichtlich Asperger gibt es natürlich auch Möglichkeiten, dem Betroffenen zu helfen (nicht zu heilen, sondern ihm zu helfen, sich in gewisser Weise anzupassen und mit dem Leben zurechtzukommen).
Ganz typisch für selektiven Mutismus ist der große Unterschied des Verhaltens - also einerseits extrem viel reden (im vertrauten Bereich, in der Familie) und andererseits so konsequentes Schweigen in anderen Bereichen, dass das Schweigen vorhersagbar ist. Redet deine Tochter zu Hause viel oder hat sie als kleines Kind viel geredet? Es kann nämlich auch vorkommen, dass Kinder mit selektivem Mutismus sich im Jugendlichenalter auch zu Hause mehr zurückziehen und nicht mehr so viel reden - in manchen Fällen wird dann sogar totaler Mutismus daraus.
Sozialphobie ist eine logische Begleiterscheinung bei Mutismus - ich sehe es sogar so, dass da gar keine "Phobie" vorliegt, sondern dass ein Mutist auf Grund der vielen negativen Erfahrungen, die er durch das Schweigens macht, schließlich eine "normale" Angst vor Menschen entwickelt - auch das macht es mit zunehmendem Alter immer schwerer, aus dem Mutismus rauszukommen - sich grundsätzlich für das Reden zu entscheiden und das dann auch durchzuziehen. Aber auch da kann ein Mutismus-Therapeut helfen und eine entsprechende Motivation aufbauen.

Hyazinthe
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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Hyazinthe » 24.02.2019, 20:32

Hallo RiAn,

eine spezielle Schule würde wirklich keinen Sinn machen. Ganz egal ob 'Nur' selektiver Mutismus oder auch das Asperger-Syndrom, eine Form aus dem autistischen Spektrum, vorliegt. Wie schon gesagt wurde, können auch autistische Kinder, die ja im Falle des Asperger-Syndrom eine 'normale' Sprachentwicklung hatten, selektiven Mutismus entwickeln. Sie entwickeln oft sogar eine sehr hochstehende Sprache, die früh erwachsen wirkt und aus der Umgebung hervorsticht. Manchmal wirken sie dadurch regelrecht altmodisch, weil sie sich mit der Jugendsprache wenig auskennen. Durch den geringeren Kontakt wird sie dann immer ungeschickter im Umgang mit Gleichaltrigen. Falls sie dazu noch gemobbt wird, ist ihre Ängstlichkeit verständlich. Ist das bei Deiner Tochter so? Wie kommst Du auf den Verdacht Asperger-Autismus? Hat sie besondere Interessen, die auf spezielle Neigungen/Begabungen hinweisen? Auch das würde für Autismus sprechen. Und bei welcher Therapeutin ist sie in Behandlung - einer Sprachtherapeutin? Falls sie bei einer Psychologin in Behandlung ist, so muss diese sich nicht unbedingt mit Autismus auskennen. Wäre sie von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen, so wäre eine Behandlung ggf. wenig konstruktiv. Es könnte sogar ihre Meinung über sich verschlimmern, dass sie nicht in Ordnung ist. Ganz gleich, ob ein Asperger-Syndrom dahintersteckt, sollte das Symptom einer selektiven Mutismus-Störung behandelt werden. Das Asperger Syndrom selbst kann man nicht behandeln. Man kann aber damit leben. Und man muss es nicht unbedingt diagnostizieren lassen, sollte es aber berücksichtigen.

Viele Grüße,
'Hya'

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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Schlusi » 25.02.2019, 12:18

Hallo RiAn,

ich schließe mich im großen und ganzen dem bisher geschriebenen an.
Unsere Tochter hat beide Diagnosen und ich bzw. wir haben auch Erfahrungen mit der Mutismus-Therapie SYMUT.
Es ist aber wohl dennoch ein Unterschied, ob ein "nur" mutistisches Kind nach dieser Therapie therapiert wird oder ob ein mutistisches Kind, welches auch zusätzlich vom Asperger Syndrom betroffen ist, therapiert wird. Die haben so ihre ganz spezielle Autonomie, die man berücksichtigen muss. Aber das merkt man eigentlich auch sehr schnell, wo dann da die Grenzen der SYMUT-Therapie sind. :wink: Umso größer ist nämlich die Herausforderung für alle Beteiligten.

Schlusi :)
Tochter *99, mutistisch+Asperger Syndrom

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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Hyazinthe » 25.02.2019, 15:21

Hallo Schlusi,

ich denke, dass es einfach wichtig ist, dass man das in dem Fall 'berücksichtigt', was ja auch heißt, dass man es dem Kind nicht persönlich übel nimmt, wenn es sich nicht erwartungsgemäß (vielleicht manchmal 'grob unhöflich') verhält, und dieses Verhalten dann nicht mit anderen Diagnosen belegt. LG! :D

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Re: Mutismus steht im Raum fühle mich alleine

Beitragvon Hyazinthe » 26.02.2019, 16:28

Hallo manup,

dem schließe ich mich voll an. Manche Menschen sind eben 'verschiedener' als andere, LG! 'Hya'


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