Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Wie denken (ehemalige?) jetzt erwachsene Mutisten über ihr Leben? Bestehen Restängste? Welche Lebenserfahrungen wurden gemacht?

Moderator: Elfa

NinaO
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Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon NinaO » 03.07.2019, 18:03

Hallo,
ich leide ja schon seit meiner Kindheit unter dem Schweigen, jedoch vor über 40 Jahren war das keine "Auffälligkeit". Erst als Jugendliche und dann als Erwachsene reflektierte und beobachtete ich immer mehr, wollte es verstehen und verändern. Nachdem ich nun heute als Schulbegleiterin arbeite und auch immer wieder mit auffälligen Kindern zusammen komme, mache ich mir sehr viele Gedanken. Auch mit meinem Mutismus beschäftige ich mich immer wieder, weil es mich nicht loslässt. Nun bin ich aber davon abgerückt, dass es der "Elektive Mutismus" nach der ICD F94.0 sein könnte, da ich ja generell mit dem Sprechen Probleme hatte. Mir fiel dann auf, dass es vor allem das Erzählen ist, was mir einfach kaum gelang, später konnte ich erkennen, dass es auch anstrengend für mich ist ... Mir einfach auch oft erst keine Ideen kommen. Ich kenne mich also nicht, dass ich bei Vertrauten auf einmal ein anderer Mensch bin und sprudeln kann, was aber nicht heißt, dass es mal vorkommen konnte, dann war es aber eher irgendein quatschiger Talk unter Kindern (im Dunkeln z.B. wie im Landschulheim oder am Telefon, das gelang mir irgendwie). Ich bin eher generell so blockiert, jedoch fanden mich meine Eltern zwar still, aber sonst ganz normal, direkt drüber reden geht jedoch nicht, weil die Beziehung "komisch" ist. Wieso sollte ich zu Hause auf einmal sprudeln? Zu meiner Zeit taten das Kinder untereinander, aber eher sowieso nicht bei Eltern. Und mit meinem Bruder habe ich einfach gespielt, dass sind alles keine Unterhaltungen. Daran würde ich nicht erkennen können, ob nicht dennoch ein elektiver Mutismus dahinter steckt.
Hat denn ein mutistisches Problem in diesem Forum überhaupt ein Gehör? Denn ich finde, dass wir Erwachsenen oder Beobachter von außen doch gar nicht wissen, welche Probleme konkret das Kind hat? Welche Diagnosen gäbe es denn da noch und wird darauf überhaupt geachtet? Vor allem bei mir zeigte sich halt nur in diesem Schweigen ein Problem, andere waren gar nicht sichtbar.
Ich würde sogar sagen, als Kind, hätte man bei mir dann ja sogar genauer nach Asperger schauen müssen und diese verhalten sich in Bezug zur Kommunikation ja auch oft mutistisch ...

Was ist überhaupt mit den vielen Erwachsenen, für die es wohl keine Lobby ... gibt? Meine Psychotherapeuten konnten sich eigentlich alle überhaupt nicht darin reinversetzen, vor allem, wenn da jemand sitzt, der ja mit einem spricht und sein Leiden gar nicht wirklich erzählt? Wie kommen Erwachsene damit zurecht?
Ich weiß einfach nicht, wo ich mit meinem Problem eigentlich hingehöre und versuche mir mal wieder selbst zu helfen und herauszufinden, was mir hilft. Im Kontakt zu Kollegen, Bekannten ... dreht sich alles ums Reden-können, als dürfe es kein Schweigen geben, es würde sich abgewendet werden. Ist man zu still und schweigsam, erlebe ich es, dass man auch nicht mehr beachtet oder eingebunden wird und es sind Menschen, die mit Kindern inklusiv arbeiten und da doch Feingefühl haben müssten, auf solche Menschen wie mich auch zugehen können müssten. Aber ich habe das Gefühl, das gibt es nicht, es muss immer wieder mir selbst gelingen, sonst verliert man den Kontakt, wenn man ihn mal gefunden hatte. Das ist mir aber irgendwie zu anstrengend und gelingt mir nicht.

Nina Onawa

Sonnenblume
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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Sonnenblume » 03.07.2019, 18:58

Hallo NinaO,
dass es Mutismus, also ein Schweigen nur als Symptom von Verschiedenem gibt, war ja auch hier im Forum schon meine Rede. Nimm es mir jetzt bitte nicht übel, aber als ich deinen Bericht in der Fachzeitschrift mutismus.de las (damals nicht unter NinaO) dachte ich spontan: "das ist kein selektiver Mutismus" - zumindest nicht so, wie ich ihn kenne.
Den Begriff Asperger erwähnst du aber ja auch selber. Mit meinem bescheidenen Wissen darüber würde ich sagen, ja, könnte man immer noch schauen. Aber ich glaube Hyazinthe kennt sich da ganz gut aus.
Ja , stimmt auch, Erwachsene stehen ganz schön im Regen mit so einem Problem, denn gerade für sel. Mutismus gibts ja keine speziellen Ärzte oder Kliniken. Da ist es schon gut-und wichtig- zu wissen, auf welcher Grundlage das Schweigen jedes Einzelnen, die Hemmungen und Blockaden beruhen. Dementsprechend,ist man dann auch bei den verschiedenen Psychotherapeuten , spezialisiert auf Angst/ Depressionen/ Borderline....., bei Traumatherapeuten , in einer Autismus-Ambulanz ...o.a. am besten aufgehoben. Soweit erstmal, ich denke ,das könnte eine gute Diskussion werden ;-)
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

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Stille Stärken
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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Stille Stärken » 03.07.2019, 20:33

Liebe Nina,

ich bin eine von den Erwachsenen, die eigene Erlebnisse mit Sprechblockaden bis weit ins Erwachsenenleben gemacht hat und diese jetzt in die Beratung und Therapie und in Fachdiskussionen einbringt. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie habe ich mich auf Sprechblockaden bei Erwachsenen spezialisiert.

Diagnostisch ist aus meiner Sicht erst mal zu klären, wie das Schweigen erlebt wird bzw. wurde. Es gibt ein eher "depressives Schweigen", bei dem die Energie für ein Gespräch fehlt. Es gibt Schweigen, das während einer (körperlichen) Angstsymptomatik auftritt. Es gibt die Blockade, die mit Wahrnehmungseinschränkungen einhergeht. Es gibt die autistische Distanz zu persönlichen Themen. Und noch einige andere rein psychische Erscheinungsformen.

Dann gibt es natürlich noch das riesige Feld von neurologischen und organischen Ursachen für Schweigen (auch als sekundäre Folge von körperlichen Erkrankungen).

Selektiver Mutismus wird mir von Erwachsenen aber immer mit sehr ähnlichen Umschreibungen beschrieben. Das ganz charakteristische für die mutistische Blockade ist: "Ich will ja Kontakt bzw. sprechen, aber es geht nicht. Je mehr ich es will, desto weniger geht es. Keine Ahnung, warum das so ist."

Die ICD-10-Definition ist gedacht für die Diagnostik bei Kindern - und da zeigt sich Elektiver Mutismus nun mal am erkennbarsten daran, dass einerseits (meist mit den Eltern) ein normaler Kontakt möglich ist und dann andererseits in anderen Situationen nicht. (Was die Eltern als "normal" betrachten, ist ja auch immer Ansichtssache.)

Dass man als älteres Kind, Jugendlicher oder Erwachsener generell ein Problem mit dem Sprechen (meist besonders stark bei persönlichen Themen) hat, ist dazu in meinen Augen kein Widerspruch.

Seit fünf Jahren bin ich nun bei den Tagungen der Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V. dabei und weise dort auf die Probleme und die Erfahrungen der Erwachsenen hin - und in diesem Jahr waren Hilfen für Erwachsene auch zum ersten Mal ein größeres Thema in der Diskussion. Es tut sich also schon ein wenig... :-)

Ich weiß nicht, welche Art von Unterstützung du möchtest, Nina. Magst du nochmal etwas genauer schreiben, was dir konkret weiterhelfen kann?

Christine Winter

Hyazinthe
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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 04.07.2019, 18:26

Hallo Christine,

was ist bitte eine 'autistische Distanz zu persönlichen Themen'? Autismus-Spektrum-Störungen sind keine Krankheit, und schon gar keine psychische. LG!

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 04.07.2019, 18:29

P.S.: In Therapien für Menschen, die sich im Autismus-Spektrum befinden, wird vielmehr versucht, den Betroffenen beizubringen, sich in einer überwiegend neurotypisch funktionierenden 'sozialen' Umweld zurechtzufinden. Das ist hartes Brot, ähnlich muss sich ein Mars-Mensch fühlen, der unseren Planeten erkundet. Autisten sind äußerst sensibel (manche 'hochsensibel'), viele von ihnen sind intelligent, Autismus wird nicht monogenetisch vererbt und Autismus ist auch nicht auf das Fehlverhalten der Eltern zurückzuführen. Und Autismus entsteht auch nicht durch Impfungen. Noch Fragen?

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 04.07.2019, 18:32

P.S.P.S.: Bei vielen AutistInnen ist zuhause 'normaler' Kontakt mit den Eltern möglich, während sich zum Beispiel in der Schule 'selektiver Mutismus' zeigt.

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Stille Stärken
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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Stille Stärken » 04.07.2019, 19:32

Liebe Hyazinthe,

die Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Ansicht, dass Formen von Autismus sehr wohl zu den Psychischen Erkrankungen zählen. Im ICD-10 benennt sie explizit in F84.0 (frühkindlicher Autismus), F84.1 (atypischer Autismus), F 84.3 (Heller-Syndrom) und F84.5 (Asperger-Syndrom) Störungen aus dem Autismus-Spektrum. Ob es darüber hinaus "Eigenheiten" im Autimus-Spektrum ("Störungen" kann man sie dann ja nicht nennen) gibt, die nicht als Krankheit gesehen werden, weiß ich natürlich nicht...

Wenn es keine Krankheit wäre, gäbe es ja auch keine Therapien. Schon gar nicht auf Kosten der Krankenkassen. Schließlich würde jemand, der gar nicht krank ist, auch nicht therapeutisch behandelt werden.

Falls du persönlich Autisten nicht als psychisch krank betrachten möchtest, liebe Hyazinthe, kann ich das verstehen. Eine eigene Sicht der Dinge ist ja nicht verboten. Sie ist halt dann die eigene Ansicht. :-)

Aber darum ging es in Ninas Frage überhaupt nicht.
Daher ging es in meiner Antwort auch nur darum, dass Autismus ein Grund sein kann, warum jemand schweigt.

Liebe Grüße
Christine

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 04.07.2019, 21:15

Liebe Christine,

selektiver Mutismus kann ein Grund bei einem autistischen Menschen sein, dass er schweigt. Oder eine Bindungsstörung, oder ein Trauma oder oder oder (z.B. Kombinationen von alledem). Aber Autismus ist keine Krankheit, er gilt als Krankheit, damit Menschen mit dieser 'Behinderung', wie ich sie - wenn auch nicht ganz treffsicher - eher nennen möchte, Hilfen bekommen sollen. Damit jemand zahlt. In dem Fall die Krankenkassen oder die Jugendämter. Aber nicht alles, was im Katalog der WHO steht und damit als Krankheit definiert wurde oder noch wird (manchmal werden neue Krankheiten hinzuerfunden), ist auch eine, oder würdest Du etwa Homosexualität (bis vor kurzem wurde diese noch fleißig 'behandelt') auch dazu zählen? Viele Grüße!

P.S.: Autismus ist eine Form der Neurodiversität, und in einigen Fällen auch eine echte Behinderung. Nicht in allen Fällen ist Jemand mit Autismus auch 'krank' im Sinne von hilfebedürftig, um in dieser Gesellschaft klarzukommen, deren häufig ungeschriebenen Gesetze und unklaren Andeutungen er nicht begreift. Was dann gerne als 'unempathisch' diffamiert wird. Dabei kommen diese Menschen mit direkter Kommunikation oft recht gut klar, es ist also - die Frage ist jetzt ein wenig ketzerisch, ich weiß - möglicherweise eher die Gesellschaft, die nicht (mehr) in der Lage ist, deutlicher zu kommunizieren. (Und ihre Gefühle zu zeigen). Beispiel: kaum jemand antwortet doch auf die Frage, wie es einem geht, im beruflichen Alltag noch mit ehrlicher Antwort.

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon NinaO » 05.07.2019, 07:40

Hallo,
ich klinke mich mal kurz zu "Krankheit" ein. In der ICD sind "Krankheiten" definiert. Autismus, Mutismus ... finden sich dann unter F9 mit "Psychische und Verhaltensstörungen", Krankheit wird Störung benannt. Es sind nur Begriffe und Diskussionen wird es da immer wieder gegeben haben, welche geeigneter sind.
Was mich bereits in der Vorbereitung zum HP Psychotherapie gewundert hat, ist, dass diese Diagnosen nur vergeben werden können, wenn es wirklich pathologisch ist, also einen Krankheitswert hat. Dieser wird versucht zu umschreiben mit Leiden, Abweichung von einer Norm und dadurch Einschränkungen im Alltag. Aber halt das Leiden ist hoch wichtig. Nur, davon wird dann abgewichen z.B. bei Straftätern. Es gibt immer wieder Auffälligkeiten, da fangen Dritte an, einem eine Diagnose zu verpassen, obwohl man selbst gar keinen Bedarf sieht. Wir brauchen da glaube ich grundsätzlich ein Umdenken und ein Erkennen an den Diagnosen, ob die Person mit dieser konform geht, denn die Diagnose soll ja letztendlich immer der Person helfen. Das ist bei Kindern natürlich schwierig. Bei organischen ... Erkrankungen eher eindeutig, aber auch da sollte es stets einen guten Bericht zu geben mit Fakten, warum man auf diese Diagnose gekommen ist, denn auch da gibt es ja "Fehldiagnosen" bzw. sie können unter Ärzten variieren. Der Patient sollte da viel mehr mit eingebunden werden, so hätte ich mich mit der Diagnose Elektiver Mutismus oder Asperger, welches sich als Mutismus zeigt, anfreunden können. Aber in der MHH Hannover wurde der Asperger ausgeschlossen.

Ich bin mir sicher, dass die versuchte aktuelle Therapie an Denkmustern zu drehen, jedoch fällig falsch ist, denn bei mir kommt zuerst eine uralte körperliche Reaktion und Gedanken sind überwiegend bei mir völlig unbewusst gewesen. Nun habe ich einiges wieder mal selbst rausgefunden und verbessert. Was wohl stabil besser geworden ist, ist, dass ich nun nicht mehr emotional überflutet bin und nicht mehr das Gefühl von "ich will weg" so stark habe. Aber dennoch merke ich, dass ich dann wenn sich Grüppchen bilden und diese sich immer näher kommen, ich dann immer weniger beteiligt werde. Ich nenne für mich das Phänomen "schmusibusi" und dieses geht mir einfach zu weit, werde ich nicht mögen, mag ich nicht und will ich auch nicht. Aber Frauen scheinen es unbedingt zu brauchen und merken dann nicht mehr, wenn sie so untereinander schmusibusi machen, dass sie andere ausschließen. Ich arbeite als Schulbegleitung bei einer Lebenshilfe und war ursprünglich kaufmännische Sachbearbeiterin. Aber dort habe ich mich unter den Menschen viel wohler gefühlt, im sozialen Bereich habe ich das Gefühl, dass viel mehr nach Sympathie und wie man sich mit anderen intensiver austauschen kann zählt, sonst wird man als zu komisch empfunden. Aber gerade da müsste man doch sensibler fürs Anderssein sein? Aber gerade da, erlebe ich immer wieder wie ausgesiebt wird.
Stille Stärken: Ich weiß nicht, ob das reicht. Ansonsten könnte ich dir ja mal als pdf meine Bücher mailen, weil das ewige Beschreiben fällt mir ja so schwer. Ich brauche konkretere Fragen, bei allgemeinen verliere ich mich und kann aus dem Gefühlschaos dann keine Gedanken greifen. Das könnte sogar mein Hauptproblem sein. Ich werde von diesem Gefühl unter den Cliquen erschlagen und es gibt dazu keine konkreten Gedanken mehr, weil es ohne Gedanken klar ist, so ähnlich.
Ich schaue mir nun doch mal deine Homepage an, vlt verstehst du die unterschiedlichen Schweigearten so gut, dass du mir doch helfen kannst. Kannst mir ja bitte persönlich weiter schreiben. Ich schicke dir mal meine email.

LG
NinaO

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Stille Stärken » 05.07.2019, 09:52

Liebe Nina, ich habe dir persönlich geschrieben.

Ich glaube wie du, dass "das Denken ändern" nicht die beste Therapie-Option ist. Die unbewussten "Entscheidungen" und die körperlichen Reaktionen sind ein wesentlicher Teil unseres Verhaltens und müssen in der Therapie auch beachtet werden.

Zur Definition von Krankheit:
Wir sind hier in einem Selbsthilfe-Forum unterwegs. Und da vermute ich aus dem Kontext heraus, dass es ein Problem gibt und deswegen Hilfe bzw. Austausch gesucht wird. Wer zwar "anders" ist (oder ein Kind hat, das "anders" ist), aber damit überhaupt nie Probleme hat(te), wird sicherlich eher Netflix als das Mutismus-Forum durchstöbern.
Natürlich darf jeder, solange er weder sich noch andere durch sein Verhalten gefährdet, selbst entscheiden, ob er ein pathologisches Problem hat oder nicht. Wer sich als gesund betrachtet, geht dann auch nicht zum Therapeuten, zu Selbsthilfegruppen oder zum Mutismus-Forum...

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 05.07.2019, 17:28

Hallo Christine,

bloß 'anders sein' kann ein enormes Problem darstellen. Neurotypische Kinder in Kindergärten und Schulen mobben häufig Kinder, die anders sind. Die Traumata, die dadurch entstehen, können sich auf das ganze Leben auswirken. Unabhängig davon, ob 'nur' selektiver Mutismus (was immer das ist) oder Asperger-Syndrom und Selektiver Mutismus oder irgend eine andere Form des Anders-Seins vorliegt. Mobbing-Erfahrungen führen selbst zu Krankheiten!

Viele Grüße,
'Hya'

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Re: Symptom Mutismus, aber wohl kein Elektiver Mutismus

Beitragvon Hyazinthe » 05.07.2019, 17:36

Hier ein etwas scherzhafter Artikel zu 'Neurotypismus', einer Krankheit, die vielleicht irgendwann als behandlungsbedürftig gilt, wird sie aber wohl kaum, da die Mehrheit darunter 'leidet' :wink: https://autismus-kultur.de/was-ist-das- ... he-syndrom


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