Ein Wunder?

Wie denken (ehemalige?) jetzt erwachsene Mutisten über ihr Leben? Bestehen Restängste? Welche Lebenserfahrungen wurden gemacht?

Moderator: Elfa

Maikäfer
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Ein Wunder?

Beitragvon Maikäfer » 10.11.2019, 08:13

Hallo!
es ist ein kleines Wunder, aber ich glaube, bei mir ist der Mutismus jetzt einfach weg! Früher hatte ich immer diese Sperre, die verhindert hat, daß ich mit irgendjemandem rede,auch als ich schon mit B. gesprochen habe mußte ich mir lange Zeit immer noch einen Schubs geben um was sagen zu können. Aber das ist jetzt weg. Ich habe keine Angst mehr davor, das sowieso alles blöd ist was ich sage. Bei völlig Fremden, die mich nicht kannten, war das ja schon lange so, aber jetzt auch schon seit einiger bei B. und ihren Kolleginnen. Es macht mir überhaupt nichts mehr aus,irgendjemand anzusprechen oder so,und es kommt mir so vor, als käme jetzt nach und nach der Mensch heraus, der ich eigentlich bin. Denn bevor der Mutismus bei mir angefangen hat war ich so, bin ohne jede Scheu vor anderen Menschen gewesen. Was mich in den ganzen letzten Jahren vom Reden abgehalten hatte war ja auch nur die Angst vor den Reaktionen von B. und ihren Kolleginnen.
Es könnte also alles ganz wunderbar sein. Schade nur, daß ich keine richtige Freundin habe, die auch mal Zeit und Lust hat, Zeit mit mir zu verbringen, und vielleicht mal spazieren zu gehen oder sowas, und auch keine mehr finden werde, weil ich ja nirgends mit anderen Menschen zusammen komme, außer bei meiner Behandlung im Krankenhaus.
Fazit: Es ist zwar wunderbar, daß ich es geschafft habe, nur leider verbessert das für mich überhaupt nichts. Man sollte sich also nicht zuviel versprechen, wenn man irgendwas in seinem Leben ändert. Es ist nicht gesagt, daß "Anders" auch gleich besser ist. Ich jedenfalls bin genauso alleine wie ich es schon immer war, und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Viele Grüße von
Maikäfer :D
"....starring at my phone, hoping someday you calling...."

Sonnenblume
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Re: Ein Wunder?

Beitragvon Sonnenblume » 10.11.2019, 13:34

Hallo Maikäfer,

das ist ja eine wunderbare Nachricht!
Allerdings ist dein Fazit weniger schön und ich finde auch sehr unpassend.
Du kannst jetzt frei reden, die Angstbarriere ist weg- nun steht dir doch gerade
so vieles offen! Du willst nicht allein sein, jemanden kennenlernen, versteh ich alles.
Das war auch mein größter Wunsch, welcher mich bei der Überwindung meines Schweigens doch
sehr beflügelte und half.
Jetzt nur nicht resignieren sondern freuen über das Erreichte und damit etwas Gutes anfangen!
Möglichkeiten gibts doch heutzutage genug. Schau auf deine Interessen, Hobbys, wo du am liebsten hin gehst oder gehen würdest, Selbsthilfegruppen sind auch eine Möglichkeit.
Ich wünsch dir Mut und weiter viel Erfolg!
Viele Grüße! ;-)
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

_._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._
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Maikäfer
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Re: Ein Wunder?

Beitragvon Maikäfer » 11.11.2019, 19:08

Hallo Sonnenblume!
Leider ist es bei mir aufgrund der Krankheit nicht so einfach. Mir fehlt ganz einfach die Zeit. An 4 Tagen pro Woche, jeden 2. Tag, muss ich zur Behandlung ins Krankenhaus, das dauert von früh morgens bis Mittags. Danach bin ich müde und kaputt, muss mich erst mal lange ausruhen, denn für den Körper ist die Behandlung Schwerstarbeit. Außerdem muss ich da jetzt schon beinahe 30 Jahre hin, dadurch ist für mich sowieso alles anstrengender als für andere Menschen. An den Behandlungstagen gehe ich deshalb nur irgendwo hin wenn es nicht anders geht, z. B. wegen einem Arzttermin oder so. Ansonsten mache ich an diesen Tagen leichte Hausarbeiten. Von den 3 freien Tagen sind 2 normale Wochentage. Da muss ich Einkaufen, Erledigungen und die Hausarbeit machen, die ich an den anderen Tagen nicht schaffe. Schon Nachmittags bin ich müde und kaputt und bin froh, wenn ich mich einfach nur ausruhen kann. Bleibt also der Sonntag. Aber da gibt es nichts. Ich wohne in einer Großstadt, aber selbst hier gibt es Sonntags nichts.
Irgendwelche Kurse oder sowas kämen ohnehin nicht in Frage, denn das kostet viel Geld. Da ich aber aufgrund der Krankheit nicht arbeiten kann, habe ich nicht viel. Unternehmungen,die Geld kosten, kann ich mir höchstens ausnahmsweise mal leisten, aber mehr als 5€darf es nicht kosten.
Außerdem bin ich 45, nicht 25, alle anderen in meinem Alter haben völlig andere Leben, da passe ich gar nicht rein. Ich habe ja keine Ahnung vom richtigen Leben, das Einzige was ich kenne, ist meine Krankheit und die dafür nötige Behandlung. Andere in meinem Alter haben Familien oder wenigstens einen Partner, Freunde, gehen arbeiten, fahren in Urlaub..........das kenne ich alles gar nicht. Ich könnte für so jemanden nur sowas sein wie früher die unverheiratete Tante, die zwar als Kindermädchen ganz nützlich war, ansonsten aber eher lästig. Ich würde da ja gar nicht reinpassen und würde nie richtig dazu gehören,selbst wenn ich das Glück haben sollte, jemand kennenzulernen, die ich gerne als Freundin hätte und die auch an mir Interessiert wäre. Sie würde schnell merken, dass ich da nicht hinpasse, und wenn sie den Kontakt nicht gleich wieder abbrechen würde (was gut möglich wäre, denn mit Krankheit will leider keiner was zu tun haben),würde ich nie eingeladen werden, jedenfalls nicht, wenn auch andere Freunde da sind. Ich kenne sowas schon. Dazu kommt ja auch, dass ich nicht immer könnte, z.B Samstags wenn viele was feiern, wäre es mir gar nicht möglich, an einer Feier teilzunehmen. Denn das ist einer der Behandlungstage.
Wenn ich nicht krank wäre, wäre jetzt wirklich alles anders, aber gesund werde ich leider nie mehr. Ich könnte ja auch gar nicht alles nachholen was Andere bis zu diesem Alter erlebt und getan haben.
Es ist leider wie es ist, mit B. habe ich inzwischen aber tatsächlich sowas wie eine Freundschaft, aber eben nur bei der Behandlung und mit Whatsapp. Aber besser als nichts. :D

Viele Grüße von
Maikäfer
"....starring at my phone, hoping someday you calling...."


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