Mutismus und Panikattacken

Wie denken (ehemalige?) jetzt erwachsene Mutisten über ihr Leben? Bestehen Restängste? Welche Lebenserfahrungen wurden gemacht?

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Stiller Engel
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Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Stiller Engel » 05.04.2020, 17:06

Einen Zusammenhang gibt es da sicherlich, aber bei mir hat es viele Gründe und mir ging es vor einigen Wochen so schlecht, dass ich fast nur noch Panikattacken hatte, teils auch begründete Angst. Da ich auch Asthmatiker bin ist das nicht so leicht zu unterscheiden, aber Dank dem Pickflowmeter kann ich ja sehen ob mein Luftvolum in Ordnung ist. Somit war klar, dass ich Hyperventiliert habe. Panikattacken kannte ich schon vorher, aber diese Hyperventilation war neu. Die hatte ich nur einmal 2002 in der Jugendpsychiatrie. Somit bekam ich Angst vor der Angst und war nicht mehr ich selbst. In manchen Situationen konnte ich nicht reden.
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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Sonnenblume » 11.04.2020, 15:56

Einen Zusammenhang gibt es sicher, das finde auch ich!

Wenn man sich schon allein dies hier von wikipedia anschaut:

Typische Symptome einer Panikattacke sind:

-Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle
-Hyperventilation (als Folge Kribbelgefühle in Gesicht und Händen, Muskelkrämpfe)
-Herzrasen
-Schweißausbrüche
-Zittern, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
-Angstgedanken („Das ist ein Herzinfarkt“, „Jetzt sterbe ich gleich“, „Ich werde verrückt“)
-Depersonalisationsgefühle („Neben sich stehen“, „Nicht mehr ich selber sein“)
-Derealisationsgefühle (Umgebung wird als fremd, unwirklich wahrgenommen)
-Angst davor, Haus oder Wohnung zu verlassen, da etwas passieren könnte


Interessant finde ich den 7. - und auch 8. - , die ebenfalls unter Panikattacken fallen.
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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Sonnenblume » 16.04.2020, 11:28

Noch eine gute Seite dazu:

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/angsterkrankungen/was-sind-angsterkrankungen/

Hier auch wieder Symptome:

Panikstörung
Bei der Panikstörung leidet man unter wiederkehrenden schweren Angstanfällen mit heftigen körperlichen und psychischen Symptomen wie:

- Atemnot
- Benommenheit
- Gefühl der Unsicherheit, Gefühl in Ohnmacht zu fallen, weiche Knie, Schwindel
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
- Zittern oder Beben
- Schwitzen
- Erstickungsgefühle, Engegefühl im Hals
- Übelkeit, Bauchbeschwerden
- Entfremdungsgefühle (Gefühle der Unwirklichkeit, Gefühle, nicht da zu sein)
- Hitzewallungen oder Kälteschauer
- Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
- Furcht, zu sterben
- Angst, die Kontrolle zu verlieren
- Angst, wahnsinnig zu werden
- Taubheits- oder Kribbelgefühle


Klar wohl auch, dass die Symptome bei jedem verschieden sind und nicht alle gleichzeitig auftreten
bei mir waren es etwa 5-6 der hier aufgeführten.

Hier noch Situationen, die viele mutistische Menschen auch kennen:

Soziale Angststörung (Soziale Phobie)
Die Soziale Phobie ist eine extreme Form der Schüchternheit. Menschen mit einer Sozialphobie haben in Situationen Angst, in denen sie sich von ihren Mitmenschen kritisch betrachtet oder beobachtet fühlen:

- in einer Situation zu sein, in der alle Blicke auf einen gerichtet sind, eine Rede halten,
ein Gedicht aufzusagen oder ein Lied vor anderen zu singen
- sich in einer Unterrichtsstunde melden oder etwas an die Tafel schreiben
- eine Prüfung ablegen
- zu einer Behörde oder zu einem Arzt zu gehen
- mit einem Vorgesetzten sprechen
- sich in einem Streitgespräch gegenüber anderen durchsetzen
- in einem Restaurant essen
- im Beisein anderer Menschen zu telefonieren
- einen Fremden ansprechen
- sich zu einer Verabredung treffen
- eine Frau/einen Mann kennen zu lernen


Unter Beachtung aller Symptome (der oben stehenden aus wikipedia und dieser hier)
dürfte wohl niemand mehr leugnen, dass der Mutismus den Angststörungen anzurechnen ist,
selbst diejenigen nicht, die meinen keine Angst zu verspüren, sondern sich irgendwie weggebeamt,
neben sich stehend, fühlen.
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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Hyazinthe » 18.04.2020, 08:36

Danke, liebe Heike für die Tipp! : - )

Und noch was: Angst selbst ist zunächst mal keine Krankheit, sonderen eine ganz 'vernünftige' Sache (solange sie im realistischen Rahmen bleibt)Ein gewisser Zwang zum Hände waschen könnten in diesen Zeiten bis ein Impfstoff gefunden wird duchaus ein Überlebensvorteil sein ; - )

Viele Grüße!

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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Hyazinthe » 18.04.2020, 08:39

Ich selbst leide auch unter Panik-Attacken, kann zum Beispiel nicht alleine durch einen Wald gehen - in Begleitung mit einer vertrauten Person klappt es inzwischen aber ganz gut. Dennoch: Es ist zwar schön, in diesen Zeiten durch einen Wald zu wandern, aber auch nicht direkt lebensnotwendig...ich werde also meine Panik beibehalten, es geht nur darum, dass sie mich nicht zu sehr einschränkt im Alltagsleben.

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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Stiller Engel » 18.04.2020, 21:12

Das ist das wichtigste, dass die Angst das Alltagsleben nicht mit einschränkt.
Hyazinthe ich finde, es ist ein Riesen Schritt in Begleitung den Wald zu besuchen. In den Wald alleine gehe ich auch nicht gerne, am Waldrand reicht mir auch. :wink:

Hände Wäsche ist jetzt viel angesagt, danach nur öfters die Hände einschmieren und zu Hause muss man ja nicht übertreiben. :mrgreen:
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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Hyazinthe » 19.04.2020, 14:02

Hallo Stiller Engel,

danke, jetzt fühle ich mich mit meiner 'Wald-Phobie' (bestimmt gibt es noch einen schickeren Ausdruck) nicht ganz alleine...ganz grundsätzlich finde ich allerdings, dass Angst etwas Sinnvolles ist. LG!

'Hya'

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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Sonnenblume » 19.04.2020, 15:16

O..ja... der Wald, auch sowas Düsteres, Angsteinflößendes.
Ihr seid da nicht allein ;-) Ich habe mich auch nie allein im Wald aufgehalten,
entweder Familie oder Klassenkameraden waren immer dabei.
An einem Urlaubsort, nah an einem dichten Wald, ging ich auch mal allein paar Meter hinein,
aber immer den Waldrand in Sicht behaltend. Die größte Angst war wohl die des Verlaufens,
im schlimmsten Fall herum zu irren und irgendwann an ein Hexenhaus zu gelangen :-(
Da ist schon das nächste Thema: Märchen !
Ich mochte sie als Kind unglaublich gern, hörte gern zu, spielte auch manche nach,
aber irgendwie hatten sie auch etwas Furchteinflößendes, besonders die "Grimmigen"-im wahrsten Sinne des Wortes!
Ich denke auch man sollte unbedingt beachten wie alt Kinder sind und WIE man vorliest und hinterher natürlich immer
drüber sprechen.

Der beste Sinn, den die Angst für mich hat, ist die Vorsicht.
Sie lässt mich einfach vorsichtiger, überlegter agieren.
Nur beherrschen darf sie mich nicht. Es ist wie mit so Vielem das als negativ gilt,
ein gesundes Maß schadet nicht.

;-)
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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Hyazinthe » 20.04.2020, 07:24

Hallo Heike,

ja, das kenn ich - immer den Waldrand im 'Auge behalten'. Zum Glück gibt es auch entlang des Waldes schöne Wanderwege .... einer der Gründe für meine Waldpanik liegt ganz sicher in meinem schlechten Orientierungsvermögen und der dadurch bedingten Angst, sich zu verlaufen ohne Hilfe zu holen.

LG ; - )
'Hya'

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Re: Mutismus und Panikattacken

Beitragvon Stiller Engel » 20.04.2020, 18:13

Den Wald finde ich gar nicht Angsteinflößend, jedenfalls nicht am Tage. Es ist ehr die Menschen die dort auch spazieren gehen. Eine ehemalige Nachbarin war mal mit ihren Kindern im Wald Pilze sammeln und dann stand ein Mann mit einem Messer vor ihr. Sie ist dann gerannt und nie wieder alleine in den Wald.
Ich habe auch ein schreckliches Erlebnis im Wald und es war noch nicht mal Tief im Wald. Auf Bäume klettere ich aber ganz gerne. :mrgreen:

Meine Orientierung ist ziemlich gut. Ohne Orientierung oder eingeschränkte stelle ich es mir noch schwieriger vor.

Märchen möchte ich früher, aber Angst haben mir auch einige gemacht. Manche Märchen finde ich brutal und es sollte wirklich hinterher gesprochen werden. Egal ob Buch oder ein Film.
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