hallo!

Informationen zu anderen Sprach- und Kommunikationsstörungen.

Moderator: Elfa

Michael
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Beitragvon Michael » 24.02.2006, 20:22

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Ghost

Beitragvon Ghost » 27.02.2006, 18:36

Vielen Dank für die Info!

Hallo Diana, Du hast gesagt, dass Aspies in die Gefahr kämen, als 'Assis' angesehen zu werden, also als "Menschen mit besonderen Stärken, die nicht sehr sozial sind" - mit wenig sozial-kommunikativen Fähigkeiten meinte ich aber etwas anderes, als sich bewusst von anderen Menschen abzuwenden., weiter sagtest Du: "da kann man dann gucken, wo man bleibt" - geht es einem mit einer diagnostizierten Behinderung tatsächlich besser (mal abgesehen davon, dass es heute jedem Menschen freisteht, sich qua Internet selbst zu diagnostizieren) Welche Vorteile hat man, hast Du davon? Mir fallen da nur Behindertenparkplätze ein (tschuldigung, sollte kein Witz sein), oder hat man berufliche Vorteile, etwa im Fall einer Behindertenquote im öffentlichen Arbeitswesen? Ich interessiere mich sehr dafür. Weiter sagst Du, man hätte als Asperger Autist, "mit seinen massiven Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen, seiner absoluten und totalen Multitaskingunfähigkeit, seinem wörtlichen Verständnis und motorischen Schwierigkeiten" zu kämpfen". Ich erkenne mich da durchaus wieder, heute musste ich mit jemandem einen Weg abfahren, da ich ihn alleine mit dem Auto nie zuvor abgefahren bin, und sonst nicht den Weg gefunden hätte - dabei saß ich schon unzählige Male als Beifahrer daneben, als diese Strecke gefahren wurde. Ich habe massive räumliche Orientierungsschwierigkeiten. Trotzdem habe ich einen Führerschein - Gott sei Dank! und außerdem kenne ich meine Schwierigkeiten und kann mich darauf einstellen. Wie etwa einer mit Nachtblindheit, der dann eben tagsüber fährt. Wenn ich mich also zu meiner "Behinderung" bekenne, wird mir dann der Führerschein entzogen? Wird mir nicht auch das Recht auf verschiedene Entscheidungen in meinem Leben entzogen, wie etwa den Berufsweg? Ich bin sehr gespannt auf Deine Antwort oder wer immer mir zu antworten bereit ist.

Vielen Dank im voraus.

Mithras
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Beitragvon Mithras » 27.02.2006, 19:12

Hallo Ghost!

Eine Diagnose, die man selbst stellt hat keinerlei rechtliche Verbindlichkeit - so viel mal vorweg. Nicht zuletzt aus diesem Grund steht bei sämtlichen Selbsttests, die ich bisher gefunden habe (nicht nur zu AS) der Hinweis, dass diese Tests keine fachmännische Diagnose ersetzen (können).

Mit einem Schwerbehindertenausweis bekommt man z.B. mancherorts Ermäßigungen. Außerdem bekommst du, wenn du eine Beschäftigung hast, ein paar Urlaubstage und einen besseren Kündigungsschutz. (abgesehen davon weiß ich jetzt nichts, da kann Diana dir sicher besser Auskunft geben) Dies versteht sich dann als sogenannter "Nachteilsausgleich". Wobei dieser angebliche Ausgleich in den seltensten Fällen ein wirklicher Ausgleich ist.

Berufliche Vorteile? Naja, also wenn, dann hat man wohl eher Nachteile. Das, was ich oben genannt habe, scheinen zwar auf den ersten Blick Vorteile zu sein. Allerdings, wenn man mal drüber nachdenkt, wird man ziemlich schnell bemerken, dass die meisten Arbeitgeber wohl eher nicht geneigt sind, eine Person mit einer Schwerbehinderung einzustellen.

Dann sei mir noch die Bemerkung erlaubt, dass nicht jeder, der Probleme mit der Orientierung hat (auch wenn das massive Probleme sind) ein AS-Betroffener ist.

Einschränkungen gibt es nur dann, wenn du für nicht fähig erachtet wirst, eine Tätigkeit (z.B. bestimmte Berufe) auszuüben. Deinen Führerschein kann man dir soweit ich weiß nicht einfach so entziehen, nur weil du eventuell eine AS-Diagnose hast. Diana hat glaube ich auch den Führerschein. Es gibt allerdings auch Asperger-Autisten, die einfach den Anforderungen einer Fahrschule auf Grund ihrer Probleme nicht gewachsen sind bzw. sich ihnen nicht gewachsen fühlen. Da du aber deinen Führerschein schon hast, wirst du ihn wohl auch nach erfolgter AS-Diagnose behalten (dürfen).

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig,

Mithras

Ghost

Beitragvon Ghost » 27.02.2006, 21:01

Danke, Mithras, erstmal für die Antwort und die hilfreichen Informationen!

Deine Äußerung "dass nicht jeder, der Probleme mit der Orientierung hat (auch wenn das massive Probleme sind) ein AS-Betroffener ist."hat mich ein wenig beruhigt. Ich frage mal etwas provokativ anders herum: Was bringt mir die 'amtliche' Bestätigung, evtl. ein/e Asperger Betroffene/r zu sein? Außer einer Art Aha-Effekt, der einem Erklärungen für vieles aus der Vergangenheit bietet? Ich habe übrigens für meine Orientierungsschwierigkeiten schon eine andere Erklärung parat: Ich habe mich früher (in meiner Kindheit) orientierungsmäßig voll auf andere verlassen, bin ihnen "hinterhergedackelt". In gewisser Weise mache ich das heute auch noch, z.B. wenn ich beim Autofahren nicht aufpasse, wohin der Fahrer fährt. Hat mein Gehirn vielleicht gar nicht erst gelernt, sich zu orientieren, weil ich meine Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet habe? Ist es überhaupt normal, seine Aufmerksamkeit bewusst auf den Weg lenken zu müssen? Und wie erkläre ich mir, dass ich nie für Mannschaftsspiele zu gebrauchen war (nicht wegen motorischer Schwierigkeiten, sondern weil ich nicht die verschiedenen sozialen Spielregeln begreifen konnte, und dabei auch noch gezielte Bewegungen ausführen konnte. Dabei war ich motorisch fit und habe immer sehr viel Freude bei der Bewegung empfunden. Gibt es für jemanden wie mich überhaupt eine Kategorie oder sollte es die geben? Fragen über Fragen. Vielleicht kann mir Diana weiterhelfen!
Gruß!

Mithras
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Beitragvon Mithras » 28.02.2006, 09:36

Tja, was bringt dir eine Diagnose? Zunächst mal natürlich Gewissheit. Und dann kann auf Basis einer Diagnose auch eine Therapie durchgeführt werden - was durchaus sinnvoll ist, wenn man sich durch das, was man hat, beeinträchtigt fühlt. Im Fall von AS kann eine Therapie (gleich welcher Art) aber nur in einzelnen Teilbereichen bzw. zur Linderung einzelner Symptome eingesetzt werden, weil man AS ja im Grunde nicht "heilen" kann.

Es ist unmöglich, eine Diagnose aus der Ferne zu stellen - zumal man ja die Angaben des Hilfesuchenden nicht überprüfen kann, z.B. durch Beobachtung. (das ist keine Unterstellung an dich - es ist eben einfach so)
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, in welche "Kategorie" man dich einordnen sollte oder ob man das überhaupt tun sollte. Ich kann dir auch kaum einen Rat geben, außer den: Nutze deine Internetverbindung, recherchiere. Anbieten würde sich für den Anfang vielleicht Wikipedia, da bekommt man Querverweise, auf die man so gar nicht gekommen wäre (geht mir zumindest immer wieder so) und findet auch Links zu interessanten und informativen Seiten. (ich will hier keine Werbung für Wikipedia machen, auch wenn sich das zugegebenermaßen so anhört - hat mir eben bei meinen Recherchen ein gutes Stück weitergeholfen)

Gruß,
Mithras

Gast

Beitragvon Gast » 28.02.2006, 09:52

Hallo Mithras,

danke - vor allem, weil Du so unbefangen, und, das ist mein Eindruck - neutral mit dem Thema umgehst. Meine eigentliche Frage ist damit aber immer noch nicht beantwortet. Natürlich kann ich mich kundig machen oder bei einem Fachmann einen Test machen lassen und dadurch sozusagen Gewissheit darüber erlangen, dass ich in eine bestimmte Kategorie gehöre. Aber was genau bringt mir ein Behindertenausweis? Was bringt es mir, Leute mit dem Kopf darauf zu stoßen, was mit mir los ist?

Ghost

Beitragvon Ghost » 28.02.2006, 09:53

Anonymous hat geschrieben:Hallo Mithras,

danke - vor allem, weil Du so unbefangen, und, das ist mein Eindruck - neutral mit dem Thema umgehst. Meine eigentliche Frage ist damit aber immer noch nicht beantwortet. Natürlich kann ich mich kundig machen oder bei einem Fachmann einen Test machen lassen und dadurch sozusagen Gewissheit darüber erlangen, dass ich in eine bestimmte Kategorie gehöre. Aber was genau bringt mir ein Behindertenausweis? Was bringt es mir, Leute mit dem Kopf darauf zu stoßen, was mit mir los ist?
Gruß ! 'Ghost'

Anyes
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Beitragvon Anyes » 25.09.2006, 11:09

Hallo Gast, Gost, Ghost, oder wie auch immer :D wie wäre es, wenn Du Dich einfach mal registrierst, :P dann kannst Du Deine Beiträge auch löschen und kommst mit den Namen nicht durcheinander :D nichts in ungut, war nur ein Tipp :D

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Beitragvon sandyneedsmusic » 12.12.2006, 02:09

mein Bruder ( 28 ) ist auch leicht autistisch. er spricht mit fremden auch sehr wenig bis gar nicht und wenn, dann oft total leise... er hat einen geschützten Arbeitsplatz zu 50% und erhält eine IV-Rente. er hat eine ganz normale Schule besucht.. die einen Jahre in Kleinklassen, aber eben normale, öffentliche Schulen, wie ich auch... er lebt einfach sehr in seiner eignen Welt zurück gezogen.... er verbringt zwar auch viel Zeit am PC, wie ich auch, doch er nimmt eigentlich kein Kontakt uzu anderen auf, beteiligt sich nicht an Diskussionsforen, tauscht sich somit nicht aus... kann das nicht ganz nachvollziehen, weil er dauernd vor sich hinredet zu Hause... auch wenn niemand zu Hause ist... irgendwie will er sich dann doch mitteilen, oder? aber man kann ja nicht 24 h am Tag zuhören... und eben.. wenn auch niemand zu Hause ist oder so...

naja, und weil er ja schon länger auf der Welt ist als ich... (bin übrigens 25) heisst es dann oft von der Familie, dass ich ihn ja bloss nachahmen will, oder es einfach tue... wie auch immer... sozusagen wird bei mir der Mutismus nicht ernst genommen, weil mein Bruder unter leichtem Autismus leidet... und sich das beim reden eben bei uns beiden ziemlich gleich auszuwirken scheint... aber es ist nicht dasselbe!
    *~°~Glaube immer auch an die kleinste Hoffnung, dann wirst Du es schaffen!~°~*
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re:

Beitragvon valiant1983 » 19.02.2008, 08:40

willkommen im forum
Valiant Borja

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Re: hallo!

Beitragvon oliviaivy337 » 29.07.2019, 13:57

aber autismus durch erfahrungen im leben zu bekommen ist unmöglich. denn autismus ist keine psychische störung, sondern eine neurologische.
die einzige möglichkeit, einen 'pseudo-autismus' (meine bezeichnung) zu 'erwerben' besteht durch eine hirnverletzung, deren folgen manchmal autistische verhaltensweisen sein können.

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Re: hallo!

Beitragvon Hyazinthe » 30.07.2019, 23:46

Hallo,

stimmt genau, und weil Autismus keine psychische Störung ist sondern eine neurologische, schließt sie auch weitere Störungen (Mutismus?) nicht aus. Es gibt aber mittlerweile auch die Ansicht, dass Menschen im autistischen Spektrum keine Störung besitzen, sondern Teil der neurologischen Vielfalt sind, ohne die es zum Beispiel wichtige Erfindungen nicht gäbe. Der typische eigenbrötlerische Forscher ist ein 'Autist'. Also ein ziemlich einseitig begabter Mensch, der Mühe hat, auf verschiedene gleichzeitig ankommende Umweltreize (etwa in der Kommunikation) zu reagieren. Diese eine Begabung oder Interesse (Sonder- oder Spezialinteresse) kann er aber mit Akribie und Geduld perfektionieren und wichtige Entdeckungen machen oder auch archivieren. Manche können hervorragende Wissenschaftler sein und lernen, Vorträge zu halten etc. Auch die Kommunikation mit anderen Menschen lässt sich erlernen, aber sie ist für Autisten ein mühsameres 'Geschäft' als für Menschen, denen das intuitiv 'zufliegt'. Sie haben eine andere Art, die Welt zu erkunden, was eine Bereicherung sein kann, aber für den Einzelnen oft sehr schwer ist. Das Leben mit Autismus ist eine miese Vorbereitung für das Leben in einer Welt des Neurotypismus. So oder so ähnlich hat es Axel Brauns mal ausgedrückt.

Was für ein Glück, dass nie ein 'Autismus-Gen' jemals gefunden wird, denn sie sind Teil der 'Normalität', wenn auch eine extreme Form derselben :D

LG,
'Hya'

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Re: hallo!

Beitragvon Hyazinthe » 31.07.2019, 00:09

Ich schließe aber nicht aus, dass es psychische (nicht nur neurologische) Traumata geben kann, deren Verhaltensweisen denen des Autismus ähnlich sind.

Sonnenblume
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Re: hallo!

Beitragvon Sonnenblume » 06.08.2019, 14:45

Hallo,
oliviaivy337 ist ein Bot. Hat kopiert aus diesmal dem gleichen Thema hier,
von Diana, 2004!
Unterschätze mich nicht. Nur weil ich still bin.
Ich weiß mehr als ich erzähle,
denke mehr als ich spreche und bekomme mehr mit, als du denkst!

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Re: hallo!

Beitragvon Hyazinthe » 07.08.2019, 08:10

Hallo Heike,

ich danke Dir für den Hinweis :) Ich finde meine Frage trotzdem nicht unspannend :P

Liebe Grüße,
'Hya'


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